Neuer Anlauf im Solartal

dpa

Von dpa

Sa, 11. Juli 2020

Wirtschaft

Die Schweizer Firma Meyer Burger will in Sachsen und Sachsen-Anhalt Solarmodule fertigen.

(dpa/weg). Die Schweizer Firma Meyer Burger Technology AG will in die Produktion von Solarzellen und Solarmodulen einsteigen – und zwar in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Geschäftsführer Gunter Erfurt spricht von einem "fundamentalen Richtungswechsel". Ein früheres Engagement in Südbaden war nicht von Erfolg gekrönt.

In den vergangenen Jahren musste die Solarindustrie – einst Hoffnungsträger der ostdeutschen Wirtschaft – mit zunehmender Konkurrenz und Dumpingpreisen aus Asien kämpfen. 2018 etwa musste Deutschlands größter Solarmodulhersteller Solarworld endgültig Insolvenz anmelden und den Standort im sächsischen Freiberg mit rund 600 Mitarbeitern schließen. Im sachsen-anhaltischen Bitterfeld-Wolfen wurde sogar einst ein Gewerbegebiet "Solar Valley" genannt, weil es einer der größten Solarstandorte Europas war. Dann kam die bittere Pleitewelle schon vor gut einem Jahrzehnt.

Jetzt will Meyer Burger in Freiberg wie im "Solar Valley" an die alten Zeiten anknüpfen. Firmenchef Erfurt sieht im Thema Solar "einen enormen Reiz" – vor allem angesichts der Neuausrichtung der Wirtschaft nach der Corona-Krise und dem angestrebten europäischen "Green Deal". Nicht zuletzt könnte auch die Prämie für den Kauf von E-Autos der Solarindustrie neuen Rückenwind geben. "Sicher ist das Timing für diesen Schritt auch deshalb interessant", so Erfurt. Der bisherige Maschinenbauer will künftig Solaranlagen für Dächer, aber auch für kleinere Kraftwerke bauen und strebt eine jährliche Produktionskapazität von 400 Megawatt an.

Meyer Burger verweist darauf, dass viele Solarmodule weltweit bereits mit Technologie aus seinem Hause hergestellt werden. "Bisher haben wir die eigentliche Wertschöpfung dann den Kunden überlassen. Was wir tun, ist, genau diesen Mechanismus zu unterbrechen", erklärt Erfurt. Mehr als 3000 Arbeitsplätze sollen langfristig entstehen. Im ersten Halbjahr 2021 soll die Produktion starten – in den einstigen Hallen der pleitegegangenen Solarfirmen Sovello (Bitterfeld-Wolfen) und Solarworld (Freiberg).

Für den Bundesverband Solarwirtschaft ist klar: Ohne einen verstärkten Ausbau der Solarenergie wird Deutschland die selbst gesetzten Klimaziele nicht erreichen können. Bis 2030 sollen erneuerbare Energien 65 Prozent des Stroms liefern. Dazu müsse ab 2022 die jährlich installierte Photovoltaik-Leistung verdreifacht werden, so Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Von Januar bis Mai 2020 wurden bisher 1,9 Gigawatt neu installiert. Insgesamt liegt die Photovoltaik-Leistung derzeit bei knapp 51 Gigawatt.

Detlef Neuhaus, Geschäftsführer des Dresdner Modul- und Systemherstellers Solarwatt, sieht ebenfalls neue Hoffnung für die Branche: "Jetzt haben wir eine zweite Chance, vor allem über Innovation und komplexe Produkte." Wie lässt sich der erzeugte Solarstrom am besten speichern, wie bindet man das E-Auto in der Garage in das eigene Energiesystem ein? Mit der Energiewende seien neue Technologien gefragt, Vertriebs- und Servicestrukturen, Installateure und nicht zuletzt auch die Beratung von Endkunden. Längst gehe es nicht mehr nur darum, "Container mit möglichst billigen Modulen über den Großen Teich" zu schicken, so Neuhaus. Genau darin sieht er die deutschen Hersteller und Anbieter im Vorteil zu den Firmen aus Asien.

Der Schweizer Maschinen- und Anlagenbauer Meyer Burger ist allerdings keine Firma, die aus dem Vollen schöpfen kann. Der Schritt, in die Produktion von Solarzellen und -modulen einzusteigen, kommt aus der Not heraus. Nach dem Spitzenjahr 2011, als ein Umsatz von 1,3 Milliarden Franken (1,2 Milliarden Euro) erwirtschaftet wurde, ging es für die Firma – wie für die ganze Branche – Jahr für Jahr bergab. Häufig wurden rote Zahlen geschrieben, 2019 lag der Umsatz nur noch bei 262 Millionen Franken (246 Millionen Euro). Meyer Burger gelang es trotz zahlreicher Restrukturierungen nicht, seine Maschinen für den Bau von Solaranlagen ertragbringend zu verkaufen. Mit dem Strategiewechsel hin zur Produktion von Solarzellen und -modulen soll der Umsatz nun binnen drei Jahren auf 400 bis 450 Millionen Franken steigen – und Gewinn erzielt werden.

Das Engagement von Meyer Burger in Südbaden endete 2016 mit der Schließung der Tochtergesellschaft Somont in Umkirch. Der 2005 gegründete Maschinenbauer war 2008 von der Meyer-Burger-Vorgängerfirma 3S Swiss Solar Systems übernommen worden. Die Firma baute Lötautomaten, sogenannte Stringer, die die einzelnen Solarzellen, aus denen die Solarmodule aufgebaut werden, elektrisch verbinden. Nach einer rasanten Expansion ging es mit dem Niedergang der Solarindustrie in Deutschland auch mit Somont abwärts. Aufträge blieben aus, die Zahl der Mitarbeiter wurde nach und nach verringert, 2015 wurde die Produktion in die Schweiz verlagert, 2016 auch die Entwicklungsabteilung geschlossen.