Nähe trotz des Abstands

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Mi, 12. August 2020

Lahr

Die Tanzkompanie Szene Zwei ist auf dem Gartenschaugelände und in der Innenstadt aufgetreten.

. Mit mehreren Vorstellungen des Stücks "Der Rapunzel Effekt" hat die Tanzkompanie Szene Zwei professionellen zeitgenössischen Tanz in die Stadt gebracht. Auftakt war am Freitag auf der Promenade des Landesgartenschaugeländes und auf dem Rathausplatz.

Sie kommen aus vielen Ecken der Welt: Fernando aus Spanien, José Manuel aus Mexiko, Anne-Hélène, Déborah und Matthieu aus Frankreich, Eiji aus Japan, Jörg und Ricarda aus Deutschland. Was sie verbindet, ist die Liebe zum zeitgenössischen Tanz und ihre Überzeugung, dass es ein Muss ist, gemeinsame Auftritte von Tänzerinnen und Tänzern mit und ohne Behinderung auf die Bühne zu bringen.

Seit Ende 2014 haben sie ihr Hauptquartier in einem Tanzsaal auf dem Zeit-Areal in Lahr aufgeschlagen und erarbeiten dort unter der Leitung der beiden Choreografen William Sánchez (gebürtig aus Bogotá, Kolumbien) und Timo Gmeiner aus Oppenau inklusive Tanzprojekte. "Wir sind eigentlich ständig auf Tournee", resümiert Sánchez und betont "das ist Stress, der aber in die gute Richtung geht." Wichtig ist der Truppe bei ihren Performances auch die Naturerfahrung, der direkte Bezug zum Publikum – auch in Corona-Zeiten. Deshalb haben sie sich für die vier Aufführungen des Tanzstücks "Der Rapunzel-Effekt" Orte ausgewählt, in denen sie trotz Abstands Nähe herstellen können.

Kinder haben viel Spaß bei der Darbietung

Erster Spielort der je 15-minütigen Auftritte war am Freitag die Promenade am See des Gartenschaugeländes. "Es war wie eine Art Happening", erzählt Sánchez begeistert. Fröhlich planschende Kinder, durchs Wasser watende Erwachsene, flimmernde Mittagshitze – das bildete die Kulisse und lockte rund 25 Zuschauer an. "Vor allem die Kinder waren überrascht und hatten viel Spaß mit unserer Darbietung", so der Choreograf. Gegen Abend machte die Truppe dann auf dem Rathausplatz Station. In routinierter Ruhe wurden zwei Matten in Richtung der derzeit den Platz dominierenden Stahlskulptur ausgerollt, neonfarbene Hütchen auf dem heißen Pflaster als Begrenzung gegen den Verkehr angeordnet.

Und schon wurde die Performance ohne Ansage einfach begonnen: Arme, die sich in ausladenden Gesten dem Himmel entgegenstrecken, Körper, die sich respektvoll der Erde entgegen neigen, fließende Tanzfiguren, die immer mehr Raum einnehmen und die Skulptur einbeziehen.

Die acht Tänzerinnen und Tänzer kamen langsam auf die improvisierte Bühne, folgten in eleganten Bewegungen der einstudierten Choreografie, in die nahtlos ein Rollstuhl mit verwoben ist. Dazwischen lässt Rapunzel ihr neon-orangenes Haar herunterfallen, was symbolisch für die Aufhebung der Distanz steht und die Reihe ortsspezifischer, naturnaher "mixed-abled" Performances kennzeichnet.

Fazit: Es war ein mit Bedacht ausgeführter Impuls zum Nachdenken über menschliches Zusammenleben.