Physikalische Messtechnik

Neues Fraunhofer Institut in Freiburger Westen schon bei Eröffnung zu klein

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

Sa, 03. Oktober 2020 um 16:57 Uhr

Freiburg

Nach acht Jahren Bauzeit weiht das Fraunhofer Institut für Physikalische Messtechnik einen gut 60 Millionen Euro teuren Neubau ein. Der ist aber schon jetzt zu klein und eine Erweiterung geplant.

Acht Jahre hat es gedauert, bis der Neubau des Fraunhofer Instituts für Physikalische Messtechnik, kurz IPM, geplant, gebaut und bezogen wurde. Gestern wurde der helle Gebäuderiegel, der in Freiburgs Westen gleich neben dem fast fertigen SC Stadion steht, eingeweiht. Nur – acht Jahre sind eine lange Zeit. Der Neubau reicht, kaum dass er bezogen ist, dem IPM schon jetzt nicht mehr aus.

7700 Quadratmeter Nutzfläche sind in dem 100 Meter langen und 40 Meter breiten Gebäude über mehrere Stockwerke untergebracht. Alles modern, weiße Wände, viel Glas, Leitungen und Stromschienen hängen in den Fluren frei unter der Decke. Und im Foyer gibt es einen Schalter. Wer den drückt, bringt 65 Kugeln, die sich in acht Strängen durchs Gebäude ziehen, zum Leuchten – und das in verschiedenen Farben. "...right now, over me" heißt die Kunst-am-Bau-Installation von Tobias Rehberger.

Das Gebäude ist aber nicht nur schick, sondern auch nachhaltig: Die Fenster sind dreifach verglast, geheizt und gekühlt wird fast klimaneutral und oben auf dem Dach gibt es eine Photovoltaikanlage. Und einen Garten, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kommenden Jahr Blumen und Gemüse ziehen dürfen.

Gut 60 Millionen Euro sind in das Bauprojekt geflossen. Institutsleiter Karsten Buse erzählt vor dem Rundgang durchs Gebäude, dass das alte Institutsgebäude in der Heidenhofstraße 8 dem IPM nicht nur zu klein geworden sei, sondern dass es auch nicht mehr den Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprochen habe. "In speziellen Messlaboren wird zum Beispiel mit gefährlichen und toxischen Gasen gearbeitet. Dafür braucht es die entsprechende Ausstattung."

Platz reicht schon nicht mehr aus

Rund 46 Millionen Euro teuer war das Gebäude und 12 Millionen Euro hat die Ausstattung seiner Werkstätten und Labore gekostet. Weitere vier Millionen flossen in die Erschließung des Areals. Vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kamen etwa 50 Prozent der Mittel, von Bund und Land jeweils 25 Prozent.

Wie wichtig es dem Land war, in den IPM-Neubau zu investieren, betonte Nicole Hoffmeister-Kraut, Baden-Württembergs Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, bei der Einweihungsfeier am Donnerstag: Der Neubau sei die größte Einzelmaßnahme gewesen, die im Rahmen des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung in der letzten Förderperiode von ihrem Ministerium unterstützt wurde. "Das Geld ist gut investiert", sagte sie. Das Institut sei ein Nährboden für intelligente Lösungen, die eine nachhaltige Gesellschaft brauche. Die neue Universitätsrektorin Kerstin Krieglstein sprach von "innovativer Spitzenforschung", die hier auf dem Unicampus stattfinde. Auch weil die Universität und das Fraunhofer IPM eine "offene Kultur auf dem Campus pflegen" und diesen zu einem "strategischen Ort eines infrastrukturellen Miteinanders machen."

Obwohl dem IPM in dem Neubau auf dem Uni-Campus 50 Prozent mehr Fläche zur Verfügung stehen als im alten Institut, reicht der Platz schon nicht mehr aus. Buse kündigt an, die 20 Container aus der Heidenhofstraße mit umziehen zu müssen. Außerdem plane man, das Gelände im Westen mit zwei weiteren Gebäuden zu bebauen. Der Antrag für das erste laufe bereits. "Ich hoffe, wir bekommen das Geld bewilligt."
Fraunhofer in Freiburg

Das Institut für Physikalische Messtechnik, kurz IPM, ist eins von fünf Fraunhofer-Forschungsinstituten in Freiburg. Mit 240 Mitarbeitern ist das jetzt in der Georges-Köhler-Allee 301 beheimatete Institut das kleinste in der Stadt. Das größte Institut ist das ISE (Institut für Solare Energiesysteme) in der Heidenhofstraße 2 mit 1200 Mitarbeitern. Das EMI (Ernst-Mach-Institut für Kurzzeitdynamik) in der Ernst-Zermelo-Straße 4 sowie das IWM (Institut für Werkstoffmechanik) in der Wöhlerstraße 11 zählen jeweils 320 Mitarbeiter. Und für das IAF (Institut für Angewandte Festkörperphysik) in der Tullastraße 72 arbeiten aktuell 271 Mitarbeiter. Freiburg ist mit seinen fünf Instituten der größte Fraunhofer-Standort im Land – noch vor Berlin und Dresden. Hauptsitz der 1949 gegründeten Fraunhofer-Gesellschaft ist München.