Neue Chancen am Wohnungsmarkt

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Mi, 08. Juli 2020

Bad Krozingen

Stadt Bad Krozingen und Diakonisches Werk wollen Zugang zu Mietwohnungen erleichtern.

Eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden, ist in der Region eine große Herausforderung, beinahe für jeden Geldbeutel. Besonders schwierig allerdings gestaltet sich die Suche für Alleinerziehende, Familien mit Kindern, alte Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund und mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten. Hier setzt das Projekt "Mieteinander" an, das das Diakonische Werk Breisgau-Hochschwarzwald gemeinsam mit der Stadt Bad Krozingen im Februar auf den Weg gebracht hatte und das am Montag dem Gemeinderat vorgestellt wurde.

Ziel der Initiative ist es, mögliche Mieter und Vermieter zusammenzubringen. "Wir ermitteln ungenutzte und freiwerdende Wohnungen und Preise, versuchen passende Personen zu finden und schlagen dann jeweils nur einen potenziellen Mieter vor", sagte Diakonie-Geschäftsführer Albrecht Schwerer. Denkbar sei etwa auch, allein lebende Personen in großen Häusern zu ermutigen, Teile ihres Wohnraums anzubieten. "Da dies ein ganz intimer Akt ist, begleiten wir die Personen und das Mietverhältnis, auch über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren", so Schwerer. So soll mehr als ein reines Vertrags-Verhältnis entstehen. "Das gegenseitige Vertrauen ist entscheidend", so Schwerer. Mieter könnten dabei auch ihre Hilfe im Haushalt anbieten, etwa um fehlende finanzielle Mittel auszugleichen. "Wir klären aber vorab, dass die Finanzierung der Miete und der Nebenkosten gesichert ist", betonte Sebastian Vogl vom Diakonischen Werk, der das Projekt leitet und als Ansprechpartner in Bad Krozingen fungiert. "Wir bereiten Mieter auch auf die Bedingungen für ein gutes Miteinander vor, etwa hinsichtlich der Hausordnung, der Rechte und Pflichten und der gegenseitigen Erwartungen", so Vogl weiter.

Entscheidend seien Kontakte und gegenseitiges Vertrauen

Mit im Boot ist auch der Bad Krozinger Helferkreis, der Kontakte hat zu potenziellen Mietern. "Wir brauchen aber auch die Verbindungen zu möglichen Vermietern", bat Sebastian Vogl um Mithilfe. "Vielleicht findet sich ja auch im Gemeinderat ein Vermieter."

Peter Falk (SPD) betonte, dass es einige Betroffene in der Stadt gebe, und erinnerte daran, dass der Helferkreis die "Raumteiler"-Initiative des Städtetags, die Grundlage des "Mieteinander"-Projekts ist, aufgegriffen hatte. "Hoffentlich bringt das Diakonische Werk nun neuen Schwung rein", so Falk. Ulf Ortner (Grüne) begrüßte wie mehrere Ratskollegen den Ansatz, fragte aber: "Was macht sie so sicher, dass sich überhaupt etwas Bezahlbares finden lässt?" Es sei klar, so Schwerer, dass auf diesem Weg nicht die Masse an Wohnungen und Mietverhältnissen gefunden werde. "Aber auch einzelne wären schon ein Erfolg. Und dann hoffen wir auch darauf, dass positive Erfahrungen einen Nachahmungseffekt erzeugen", sagte Schwerer. Positive Beispiele gebe es etwa in Emmendingen. Bis Projektende, das zunächst im Februar 2022 vorgesehen ist, sollten möglichst zehn Mietverhältnisse bestehen. "Es ist eine Art Probelauf", so Vogl. Der Rat bat die Projektbeteiligten darum, vor Ablauf der Initiative einen Zwischenbericht abzugeben.

Das Projekt wird von der Stadt Bad Krozingen und dem Evangelischen Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald finanziert. Das Diakonischer Werk Breisgau-Hochschwarzwald übernimmt dabei die Trägerschaft und Organisation und finanziert eine Projektstelle von 30 Prozent. Die Stadt Bad Krozingen fungiert laut Sitzungsvorlage als Projektpartnerin. Dabei gewährt sie Sachzuschüsse in Form von Veröffentlichungen, der Organisation von Pressekonferenzen und der kostenlosen Überlassung des Bürgerlokals. Finanzielle Zuschüsse fließen in einer Höhe von maximal 11000 Euro pro Jahr.

Sebastian Vogl steht als Projektleiter donnerstags von 17 bis 19 Uhr im Bürgerlokal, Kirchstraße 9 in Bad Krozingen, für Fragen bereit. Kontakt über Tel. 0175/2446481, E-Mail sebastian.vogl@diakonie.ekiba.de