Suizidprävention

Neue Botschafter für den Arbeitskreis Leben in Freiburg

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 25. November 2020 um 11:01 Uhr

Freiburg

Helen Breit (33), Thomas Nieberle (61) und Brigitte Benzing-Haege kennen viele Menschen - damit helfen sie dem Freiburger Verein für Suizidprävention.

Was haben Helen Breit (33), Thomas Nieberle (61) und Brigitte Benzing-Haege (67) gemeinsam? Nicht viel – außer dass sie jeweils viele Menschen kennen, in ganz verschiedenen Bereichen. Und genau deshalb sind sie geeignete Botschafterinnen und Botschafter für den Arbeitskreis Leben: Zwei Jahre lang wollen sie ehrenamtlich für den Verein im Einsatz sein, der Suizidprävention und Hilfe in Lebenskrisen anbietet. Mit dem Ziel, dass bald viel mehr Menschen dessen Arbeit kennen und ebenfalls anderen davon erzählen.

Dass es den AK Leben gibt, wusste Helen Breit zwar schon länger: Sie ist Sozialarbeiterin und hat früher in der Jugendhilfe gearbeitet. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule und promoviert über junge Geflüchtete. Doch was genau der AK Leben alles anbietet, das war ihr in ihrer Zeit als Sozialarbeiterin noch nicht klar. Das bedauert sie jetzt: "Ich hatte immer wieder auch mit Jugendlichen mit Suizidgedanken zu tun, die hätte ich zur Peer-Beratung des Projekts U 25 schicken können", sagt sie. Dort gibt’s junge Menschen unter 25 Jahren als Ansprechpartner für Gleichaltrige in Krisen.

Helen Breits Netzwerke sind groß

Das will Helen Breit in ihren Netzwerken weiterverbreiten. Die sind sehr groß, denn neben ihrer Arbeit ist sie vielfältig engagiert. Unter anderem hat sie die kommunalpolitische Liste "Urbanes Freiburg" mitgegründet, vor allem aber ist sie als Vorsitzende des Fußball-Fanbündnisses "Unsere Kurve" sehr bekannt.

Während sie vor allem mit jungen Menschen in Kontakt ist, hat Thomas Nieberle eher mit Älteren aus der Wirtschaftswelt zu tun. Er ist Präsident des Freiburger Kiwanis-Clubs und war Inhaber der IT-Firma "Datadirect", die er inzwischen verkauft hat. Als Unternehmer hat er vor rund 18 Jahren PCs an den AK Leben verschenkt. Unter den vielen Spendenanfragen, die bei seiner Firma angekommen seien, habe er sich immer extra welche ausgesucht, die unbekannt und deshalb besonders auf Hilfe angewiesen gewesen seien, sagt er. Seitdem hat er den AK Leben immer wieder unterstützt. Dessen Arbeit überzeugt ihn: "Die Mitarbeiter machen das ganz toll, sie hören den Menschen zu und bevormunden sie nicht." Wie wichtig Hilfe in Lebenskrisen ist, wurde ihm unter anderem bewusst, als er einen seiner Mitarbeiter früher mal in die Psychiatrie brachte, um ihn nicht mit seiner Verzweiflung allein zu lassen.

Genau wie er glaubt auch Brigitte Benzing-Haege, dass eine Anlaufstelle für Krisen in den derzeitigen Corona-Zeiten zusätzlich Bedeutung gewinnt: "Das Thema ist aktueller denn ja", sagt Brigitte Benzing-Haege. Für sie, die sich als "sehr optimistisch" bezeichnet, war das Thema Suizid früher "außerhalb des eigenen Vorstellungsvermögens". Doch dann hatte sie beruflich mit dem AK Leben zu tun, weil sie dort zur Unterstützung im Fundraising angefragt wurde. Sie hat als Juristin in Unternehmen gearbeitet, unter anderem als Personalleiterin, mit Spezialisierungen in Fundraising und Mediation.

Seit sie vor rund 15 Jahren zum ersten Mal mit dem AK Leben zu tun hatte, sei sie "viel feinfühliger" für Suizid- und Krisenthemen geworden, sagt Brigitte Benzing-Haege. Sie nimmt nun in ihrem Umfeld manche Tendenzen, die ihr früher nicht aufgefallen wären, wahr. Und auch sie hat ein sehr großes Umfeld: Sie ist vor allem in Frauennetzwerken engagiert, unter anderem als Vorsitzende des Dorfhelferinnenwerks Sölden, außerdem im genossenschaftlich geführten Dorfgasthof Bolando in Bollschweil.

Der AK-Leben-Leiter Wolfgang Stich ist froh über sein gemischtes neues Team. Er will die Arbeit des Vereins "raus aus der Nische" führen, mitten hinein in die Gesellschaft.
Infos: Arbeitskreis Leben, Tel. 0761/33388, http://www.akl-freiburg.de