Neues Zentrum für Bildung und Kultur

Sebastian Barthmes

Von Sebastian Barthmes

Fr, 06. Mai 2022

St. Blasien

Für die neue öffentliche Bücherei investiert die katholische Kirchengemeinde 810 000 Euro in den Ausbau des Pfarrhauskellers.

. Seit rund zweieinhalb Jahren gibt es die katholische öffentliche Bücherei schon nicht mehr, die Bücher sind eingelagert. Wo die vielen Kartons wieder ausgepackt werden sollen, steht schon längst fest, nur die Finanzierung des Projektes war jedoch lange nicht gesichert. Nun sind alle Fragen geklärt, der Keller des katholischen Pfarrhauses wird umgebaut. Entstehen soll dort nicht nur eine reine Bücherei, sondern ein sozio-kultureller Treffpunkt, wie es bei der Präsentation der Pläne in der jüngsten öffentlichen Pfarrgemeinderatssitzung hieß.

810 000 Euro soll das gesamte Projekt kosten, erläuterte Architekt Philipp Krechting vom erzbischöflichen Bauamt Freiburg. Es sollen aber nicht einfach nur Kellerräume so hergerichtet werden, dass dort einige Bücherregale aufgestellt werden können, vielmehr will die Seelsorgeeinheit mit einem erweiterten Konzept einen besonderen Ort schaffen, sagte der stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gerhard Mutter in seiner Präsentation: Mit Blick auf Kirchenstrukturreform "Kirche 2030", die zwei große Pfarreien – Bad Säckingen und Waldshut – vorsehe, in die die bisherigen Pfarreien eingegliedert werden, solle durch das neue Konzept "der Pastoralstandort St. Blasien und damit auch das ganze nördliche Kreisgebiet für die Zukunft attraktiv gestaltet und gestärkt werden".

In den vergangenen Monaten habe man darüber diskutiert, ob es angesichts der anstehenden Veränderungen im Bistum ausreiche "einfach nur eine Bücherei einzurichten", sagte Mutter. Das Projekt "Kirche 2030" werde zu einer Konzentration von Einrichtungen und Angeboten in Bad Säckingen und Waldshut-Tiengen führen. Es müsse aber auch in der Region etwas für ein attraktives kirchliches Leben getan werden, betonte er.

Um aus einer reinen Bücherei den geplanten sozio-kulturellen Treffpunkt für eine "breite, interkulturelle und überkonfessionelle Ansprache von Jung und Alt" zu machen, soll das Angebot über das klassische Ausleihen von Büchern hinausgehen. In einer Präsenzbibliothek soll das Studium vor Ort möglich sein. Auch eine Mediathek "mit einem breiten Zugang zu digitalen Produkten" sei vorgesehen.

In einem Literaturcafé könnte es beispielsweise Lesungen, kleine Konzerte, Kleinkunstveranstaltungen oder Ausstellungen geben. Die zukünftige Bücherei werde außerdem eine Verkaufsstelle für kulturelle, spirituelle und architektonische Literatur, sagte Mutter. Als Vorbild nannte er das Münsterforum C-Punkt in Freiburg – das Konzept sei in der Region einzigartig.

Die neue Bücherei werde auch Start- und Zielpunkt der rund 300 jährlichen Domführungen sein. Der "Süße Winkel" werde durch die Umgestaltung zudem aufgewertet und damit attraktiver.

Derzeit sind im Pfarrhauskeller eine Garage, nicht mehr benötigte Öltanks und Lagerräume der Kirchengemeinde untergebracht. Die Nahwärmeleitung führt durch den Gewölbekeller und muss nach außen verlegt werden.

Es wird ein direkter Zugang vom Gässchen zwischen Pfarrhaus und Klostermeisterhaus geschaffen, der nahezu ebenerdig sein wird. Mit zwei Rampen, eine beim Eingang, eine zweite zum Bibliotheksraum, erreiche man die Barrierefreiheit, erläuterte Architekt Krechting.

Über das einladende Portal erreichen die Besucher den Empfangsraum mit Theke und Lesetreppe, die in Regalflächen übergeht. Das bisherige Garagentor wird durch ein großes Fenster ersetzt. Dort wird es außerdem eine kleine Teeküche geben, die beispielsweise auch bei kleinen Veranstaltungen genutzt werden könnte, so der Architekt. Durch den Empfangsraum, in dem kleine Veranstaltungen stattfinden können, erreicht man den Büchereiraum sowie einen weiteren Leseraum. Auch Toiletten wird es im Pfarrhauskeller geben.

Um den Brandschutzregeln zu entsprechen, wird das Treppenhaus des Pfarrhauses von der Bücherei getrennt. Es werde aber eine Verbindung für den Notfall bestehen bleiben.

Die Gewölbe sollen durch auf den Regalen montierten Leuchten angestrahlt werden.

Geplant wurde die neue Bücherei vom erzbischöflichen Bauamt Freiburg, das auch die Bauleitung übernehmen wird, sowie von verschiedenen Fachplanern.

Die Arbeiten waren im bereits im November ausgeschrieben worden, Anfang des Jahres kam die Zusage für die Förderung aus dem Leader-Programm, im März folgten die Baugenehmigung und die Vergabe der Aufträge. Die Kirchengemeinde habe bereits begonnen den Keller auszuräumen. Im Juni sollen dann die Bauarbeiten beginnen, abgeschlossen sollen die Arbeiten ungefähr im zweiten Quartal des kommenden Jahres.

Ursprünglich war die Seelsorgeeinheit von Kosten in Höhe von ungefähr 100 000 Euro ausgegangen. Die Diskussion über die Zukunft des kirchlichen Lebens habe schließlich zu dem ausgeweiteten Konzept und damit zu den deutlich höheren Kosten geführt, sagte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Christian Faller. Finanziert wird das große Projekt mit Hilfe mehrerer Geldgeber: Ungefähr 240 000 Euro kommen als Zuschuss aus dem Leader-Programm, etwa 160 000 kommen vom Erzbistum Freiburg, die Stadt St. Blasien beteiligt sich mit 25 000 Euro. Den großen Rest trage die Seelsorgeeinheit St. Blasien, sagte Faller.