Neun Milliarden Euro für Lufthansa

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Fr, 22. Mai 2020

Wirtschaft

Bund will Fluggesellschaft mit Staatshilfe stützen und bekommt dafür 25 Prozent der Aktien / Verhandlungen auf der Zielgeraden.

23 Jahren nach seinem Ausstieg wird der Bund wieder Aktionär der Lufthansa. Nach wochenlangen Verhandlungen stand eine Vereinbarung der Lufthansa mit der Bundesregierung am Donnerstagabend kurz vor dem Abschluss.

. Das bestätigte die Fluggesellschaft, nachdem zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont hatte, dass "in Kürze" mit einer Entscheidung zu rechnen sei. Das Konzept sieht ein Hilfspaket für die infolge der Corona-Pandemie schwer gebeutelte Airline im Volumen von neun Milliarden Euro vor, davon 5,5 Milliarden als stille Beteiligung. Weitere drei Milliarden Euro soll die Lufthansa als Kredit der Staatsbank KfW bekommen. Daneben soll sich der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie beteiligen. Für die dafür notwendige Kapitalerhöhung bedarf es einer außerordentlichen Hauptversammlung. Sie kann frühestens in rund zwei Wochen stattfinden. Auch die EU-Kommission muss dem Hilfspaket zustimmen.

Bei der Kapitalerhöhung sollen die derzeitigen Lufthansa-Aktionäre außen vor bleiben. Erfolgen soll sie zum Nennbetrag der Aktie von 2,56 Euro, unter Umständen auch durch einen Kapitalschnitt. In einem ersten Schritt würde der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes ein Aktienpaket von 20 Prozent erhalten. Im zweiten Schritt bekäme der Bund über eine Wandelschuldverschreibung, die in Aktien umgetauscht werden kann, zusätzliche fünf Prozent plus eine Aktie. Dies werde aber nur erfolgen, wenn ein Dritter versuchen sollte, die Lufthansa zu übernehmen. Das Aktienpaket hätte dann ein Volumen von rund 400 Millionen Euro.

Der Bund will seine mit dem Einstieg bei der Airline verbundenen Stimmrechte laut Lufthansa "nur in Ausnahmefällen wie dem Schutz vor einer Übernahme auszuüben". Der Bund soll zwei Vertreter in den Aufsichtsrat der Lufthansa entsenden. Zu den Auflagen des Rettungspakets sollen auch der Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen sowie Beschränkungen bei der Höhe der Vorstandsgehälter gehören. Bei der Beteiligung des Bundes an der Commerzbank 2009 waren die Bezüge des damaligen Vorstandschefs für mehrere Jahre auf 500 000 Euro jährlich gedeckelt worden.

Mit dem Unterstützungspaket wäre das Überleben der Lufthansa gesichert. Vorstandschef Carsten Spohr hatte bereits im März eingeräumt, dass es ohne Staatshilfe nicht möglich sein werde, das Geschäft fortzuführen. Die Lufthansa hat wegen der Corona-Pandemie und der Schließung der Grenzen rund 700 der 770 Maschinen auf diversen Flughäfen geparkt und den Flugplan um rund 97 Prozent gekappt. Die Zahl der täglichen Flüge schrumpfte auf rund 30, die der Passagiere auf rund 3000 täglich – ein Minus von 99 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Spohr zufolge verfügt die Airline noch über liquide Mittel von rund vier Milliarden Euro, davon entfallen dem Vernehmen nach allerdings rund 1,8 Milliarden Euro auf Erstattungen, die Kunden zustehen.

Laut Spohr verliert die Airline jede Stunde rund eine Million Euro – und dies trotz drastischer Kosteneinsparungen, eines Gehaltsverzichts des Managements und der Piloten, der Kurzarbeit für gut 80 000 der weltweit 138 000 Beschäftigten und der Einstellung des Flugverkehrs bei den Töchtern Austrian Airlines und Brussels Airlines. Zwar ist die Fracht-Sparte der Lufthansa voll ausgelastet, aber auch das kann die Misere des Konzerns nicht beheben. Im ersten Quartal verbuchte die Lufthansa einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

Allmählich weitet Lufthansa den Flugplan wieder aus. Bis Ende Juni soll es pro Woche gut 1800 Verbindungen geben – viermal mehr als aktuell. Doch grundsätzlich soll die Flotte nach der Krise um rund 100 Maschinen verkleinert werden. Spohr erwartet erst 2023 eine Normalisierung des weltweiten Luftverkehrs – auf niedrigerem Niveau.