Nachruf

Neuried trauert um Bürgermeister Jochen Fischer

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

So, 22. November 2020 um 20:43 Uhr

Neuried

In der Nacht zum Sonntag ist Jochen Fischer, Rathauschef der Gemeinde Neuried, im Alter von 50 Jahren gestorben. Sein Tod kommt überraschend, wenngleich Fischer schwer an Krebs erkrankt war.

Erst vor Kurzem hatte er noch erklärt, dass er zur turnusmäßig angesetzten Bürgermeisterwahl im März 2021 für eine zweite Amtszeit antreten will. Nach sechs Operationen seit Jahresanfang und einer Reha war Jochen Fischer Anfang September nach Hause nach Ichenheim zurückgekehrt.

Damals ließ er seinen Stellvertreter Peter Heuken im Gemeinderat erklären, dass er nun querschnittsgelähmt sei und im Rollstuhl sitze. Dennoch war er zuversichtlich: "Die Reha war sehr gut", er habe den Umgang mit dem Rollstuhl gut einüben können. Am 14. Oktober hatte er wieder eine Gemeinderatssitzung geleitet – es war seine letzte. In einem Gespräch mit der Badischen Zeitung Anfang November war Fischer zwar geschwächt, aber bekräftigte, wieder zurück ins Amt kehren zu wollen. Sein Tod dürfte für viele überraschend gekommen sein.

2013 gewann er deutlich gegen den Amtsinhaber

Jochen Fischer bekam 2016 die Diagnose Krebs. Da war der Quereinsteiger, der zuvor in der Unternehmensleitung eines internationalen Farbenherstellers in Halle an der Saale gearbeitet hatte, drei Jahre im Amt. In der Nähe der Bauchspeicheldrüse war ein Tumor diagnostiziert worden, der Metastasen gebildet hatte. Eine Folge davon war die Querschnittslähmung, weil Metastasen auf Nerven und Rückenmark drückten.
Neuried

Neuried liegt im Ortenaukreis südöstlich von Straßburg an der deutsch-französischen Grenze. Die Gemeinde hat rund 9700 Einwohner. Zu Neuried gehören die ehemals selbständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile Altenheim, Dundenheim, Ichenheim, Müllen und Schutterzell.

Fischer hatte 2013 die Wahl überraschend deutlich gegen seinen Vorgänger und damaligen Amtsinhaber Gerhard Borchert gewonnen und seither das Amt kreativ und kommunikativ geführt. Staatsmännisches Auftreten und lange Reden waren seine Sache nicht. Der Neujahrsempfang wurde unter seiner Moderation zur inspirierenden Show.

Er drückte Neuried den Stempel auf: Tempo 30 auf der Durchgangsstraße, erste Fairtrade-Gemeinde in der Region. Kindergärten und Schulen, der Kiesabbau und das Gemeindeentwicklungskonzept kamen unter seiner Führung voran.

Fischer wollte sich im März erneut dem Urteil der Wähler stellen. Das blieb ihm verwehrt. Die Amtsgeschäfte werden in Absprache mit dem Landratsamt geregelt, sagte sein Stellvertreter Peter Heuken der BZ. Die Gemeinde wolle sich im Lauf des Montags zum Tod Fischers äußern.

Seine Frau Heike, die Fischer mit zwei erwachsenen Kindern hinterlässt, kündigte vor einigen Tagen an, dass sich ihr Mann posthum an die Bürger wenden will. Ob die Bürgermeisterwahl nun verschoben wird, ist noch unklar.