Nische statt Masse

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Von dpa

Mi, 03. März 2021

Beruf & Karriere

Was die Ausbildung in seltenen Berufen bringt / Experten auch international gefragt.

Glasbläser, Drechsler oder Bogenmacherin: Besonders im Handwerk gibt es in manchen Berufen nur noch sehr wenige Auszubildende. Sterben diese Berufe nicht ohnehin bald aus? Und sollte man von einer Ausbildung absehen?

Es handle sich nicht um aussterbende, sondern um seltene Berufe, stellt Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn klar. Viel häufiger kommt es vor, dass technisch überholte Berufe in neuen Berufen aufgehen. Die Tätigkeiten von Schriftsetzern und Flexografen sind etwa im Ausbildungsberuf Mediengestalter Digital und Print aufgegangen. Das BIBB beobachtet die duale Berufsausbildung in Deutschland und aktualisiert oder überarbeitet gemeinsam mit den Sozialpartnern Ausbildungsinhalte. Dass ein Ausbildungsberuf komplett aufgelöst wird, komme nur sehr selten vor.

Während die meisten bereits von Mediengestaltung gehört haben, gibt es viele seltene Berufe, deren Namen man oft nicht kennt. "Seltene Handwerke begegnen uns im Alltag wenig, sind aber aus dem Leben nicht wegzudenken, zum Beispiel Bürsten- und Pinselmacher oder die Musikinstrumentenbauer", erklärt Volker Born, Berufsbildungsexperte beim Zentralverein des deutschen Handwerks (ZDH). Eigeninitiative und Recherche sind also wichtig, um auch von unbekannteren Berufen zu erfahren.

Auch das eigene Umfeld kann entscheidend sein, wie das Beispiel des Ziseleurs Franco Adamo zeigt. Nachdem er keinen Ausbildungsplatz als technischer Zeichner gefunden hatte, ermutigte sein Vater ihn, es als Ziseleur zu versuchen. Ähnlich wie Steinmetze arbeiten Ziseleure mit Meißel oder Feile: Sie gießen Bronze und bearbeiten Oberflächen, um Embleme und Skulpturen herzustellen.

Für Judith Macherey dagegen war ein freiwilliges kulturelles Jahr (FKJ) in der Denkmalpflege entscheidend. So kam sie zu einer Werkstatt für Orgelbau. Ihr Faible für Kunst und Architektur konnte die Abiturientin dann bei der Arbeit an der Orgel umsetzen. Sie hat eine Ausbildung zur Orgelbauerin begonnen und arbeitet derzeit an ihrer Abschlussprüfung.

Franco Adamo, der inzwischen seit 40 Jahren als Ziseleur arbeitet, hat keine Angst, dass sein Beruf vom technologischen Fortschritt bedroht wird. "Kein 3-D-Drucker kann so ein gegossenes Relief herstellen und einer Figur eigenes Leben einhauchen." Außerdem seien moderne Maschinen wie die CNC-Fräse eine gute Ergänzung des Handwerks.

Oft braucht es besonderen Wagemut, sich für einen seltenen Beruf zu entscheiden. Häufig ist ein Ortswechsel nötig, um einen Ausbildungsbetrieb oder eine Berufsschule zu finden. Und da es in der Regel nur noch wenige Betriebe in diesen Spezialgebieten gibt, muss man nach dem Abschluss womöglich den Weg in die Selbstständigkeit wagen. Doch die eigene Nischenposition kann als Alleinstellungsmerkmal hochgehalten werden und man kann sogar international gefragt sein. "Eine Orgel bleibt dort stehen, wo sie ist, da muss man schon selbst zu ihr kommen, um sie zu reparieren", sagt Macherey.

Selbst wenn sich herausstellt, dass man den Ausbildungsberuf nicht das ganze Leben lang ausüben kann, sei es gut, eine abgeschlossene Ausbildung zu haben, betont Monika Hackel. "Mit einer abgeschlossenen Ausbildung ist das Risiko von dauerhafter Arbeitslosigkeit im Durchschnitt viermal geringer als ohne Abschluss." Schließlich sammelt man in der Ausbildung Berufserfahrung und erwirbt viele berufsübergreifend wichtige Kompetenzen. Darauf aufbauen können Zusatzqualifikationen oder Weiter- qualifizierungen. Es gilt: Besser etwas Seltenes gelernt als gar nichts gelernt.