Kindertagesstätten

Notbetreuung in Bad Säckingen stößt an Grenzen

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Mi, 20. Januar 2021 um 17:30 Uhr

Bad Säckingen

Kindertagesstätten in Bad Säckingen erreichen eine Auslastungen von bis zu 50 Prozent. In einigen Einrichtung stehen Krippenkinder bereits auf der Warteliste. Die Nachfrage könnte sogar noch steigen.

In Bad Säckingen steigt die Nachfrage nach Notbetreuungsplätzen. Wie eine Umfrage in Bad Säckingens Kindergärten und Kinderkrippen zeigt, stehen die Kleinen bereits auf Wartelisten. Plätze für Unter-Dreijährige sind besonders gefragt. Im vergangenen Frühjahr entschied noch das Kultusministerium Baden-Württemberg, welche Kinder eine Notbetreuung in Anspruch nehmen dürfen. Nun klären das die Träger direkt mit den Eltern. Das Land stellt lediglich Orientierungshilfen.

In Bad Säckingen gibt es zwölf Kindertagesstätten für Kinder unter und über drei Jahren. Die Auslastung bei der Notbetreuung fällt in den Einrichtungen unterschiedlich aus. Von den 75 Kindern, die das Kinderhaus St. Elisabeth an der Pestalozzistraße normalerweise besuchen, kommen derzeit 26. Im katholischen Kindergarten St. Martin, der 75 Kindern Platz bietet, und im katholischen Kindergarten St. Gallus, wo sich im Normalbetrieb 72 Kinder einfinden, sind es jeweils nur sechs. Im Kindergarten Wallbach mit seinen 65 Plätzen schwanken die Zahlen je nach Wochentag zwischen 14 und 34 Kindern.

Notwendigkeit der Notbetreuung hinterfragen

"Eltern müssen sich fragen, ob es wirklich notwendig ist, das Kind in den Kindergarten zu bringen", sagt Ute Wycisk, Leiterin der Kindertagesstätte St. Vincentius. "Dabei geht es auch um den Schutz der Erzieherinnen und Erzieher." Um das zu gewährleisten, hat Wycisk zusammen mit dem Träger St. Vincentius-Verein Bad Säckingen unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören FFP2-Masken, ein kleineres Team mit Notfallpersonal im Homeoffice und versetzte Abholzeiten der Kinder. Wycisk: "Wir treffen diese Vorkehrungen zwar, doch in einem Kindergarten können sie sich nur begrenzt schützen."

16 Heranwachsende betreut die Kindertagesstätte St. Vincentius derzeit. Im Normalbetrieb sind es 78. In der Notbetreuung hat sich der Träger entschieden, nur 50 Prozent der Kinder aufzunehmen. Das trifft vor allem die zehn Unter-Dreijährigen aus der Krippengruppe. Da bereits sechs Kinder in dieser Altersstufe betreut werden, können keine weiteren aufgenommen werden. "Eltern mit nichtsystemrelevanten Berufen kommen auf die Warteliste", sagt Ute Wycisk.

Zwei Kinder stehen auf der Warteliste

Eine 50-Prozent-Grenze hat auch das AWO-Kinderhaus Rhein-Au an der Hauensteinstraße eingeführt. "Die Notbetreuung sollte uns nicht um die Ohren fliegen", sagt Thomas Bomans, Geschäftsführer der AWO Waldshut, mit Blick auf mögliche Erkrankungen innerhalb der Belegschaft. "Wir glauben, dass wir dadurch eine personelle Stabilität hinbekommen." 70 Kinder werden im AWO-Kinderhaus normalerweise betreut. Aktuell sind es 34 und damit fast 50 Prozent. Für die Krippengruppe stehen bereits zwei Kinder auf der Warteliste. "Bei niemandem herrscht Begeisterung, wenn er auf die Warteliste kommt", sagt Bomans. Damit tatsächlich nur die Eltern einen Platz für ihr Kind bekommen, die darauf angewiesen sind, müssen sie ihre Unabdingbarkeit am Arbeitsplatz schriftlich versichern.

"Wenn der Shutdown noch lange dauert, müssen wir nach Lösungen suchen, an die wir noch nicht denken", sagt Bomans. Eine Idee wäre es, Kinder aus zu vollen Kitas in weniger beanspruchte Einrichtungen zu schicken. Das würde vor allem die ungleiche Personalbelastung verringern. Das ist wichtig, denn Bomans warnt vor Unmut, der sich unter Erzieherinnen und Erziehern ausbreiten könnte. "In Städten sind die Kindergärten oft voller als auf dem Land", sagt er.

Kultusministerium gibt Orientierungshilfen

"Die Nachfrage steigt von Tag zu Tag", sagt Claudia Götz, Referatsleiterin Kindergärten in Bad Säckingen. Zahlen, die sie heute nenne, haben sich morgen schon wieder verändert. Götz vermutet, dass die Lockdown-Verlängerung auf den 14. Februar den Bedarf noch einmal befeuern könnte. "Solange die Kindergartenöffnung absehbar war, ließen einige Eltern ihre Kinder zuhause", sagt Götz. Nun hat sich ein Ende des Lockdowns deutlich nach hinten verschoben.

"Die Kindergärten nehmen Kinder auf, deren Eltern versichern, dass sie darauf angewiesen sind", sagt Claudia Götz. Doch ob es womöglich auch ohne Notbetreuung ginge, das können die Erzieherinnen und Erzieher vor Ort nicht überprüfen. Mit einer dreiseitigen Orientierungshilfe versucht das Kultusministerium Baden-Württemberg, die Kindergärten und deren Träger, aber auch die Eltern bei der Einschätzung der Betreuungsnot zu unterstützen. Darin heißt es unter anderem, dass beide Erziehungsberechtigten durch den Beruf an der Betreuung gehindert sein müssen. Das schließt auch Berufstätige ein, die sich im Homeoffice befinden, dort aber keine Zeit für die Betreuung finden. Anders als im ersten Lockdown werden außerdem Eltern angesprochen, die nicht im Bereich der kritischen Infrastruktur arbeiten.

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