Nur noch mit dringendem Grund aus dem Haus

Patrick Guyton

Von Patrick Guyton

Fr, 20. März 2020

Deutschland

Das oberpfälzische Mitterteich ist die bundesweit erste Gemeinde, für die am Mittwoch eine Ausgangssperre verhängt worden ist.

MÜNCHEN. Polizeifahrzeuge sperren die Zufahrtsstraßen nach Mitterteich ab. "Nur wer einen Grund hat, darf noch rein oder raus", sagt Stefan Grillmeier, zweiter Bürgermeister der oberpfälzischen Stadt mit 6600 Einwohnern, gegenüber der BZ. Seit Mittwoch herrscht Ausgangssperre wegen der Corona-Ausbreitung, es ist die erste in ganz Deutschland. Am Donnerstag folgten weitere in Bayern: Zwei Gemeinden im Nachbarlandkreis Wunsiedel sind nun auch abgeriegelt, Hohenberg an der Eger sowie der Schirndinger Ortsteil Fischern. "Alle Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Orten müssen sich ab sofort in ihrer häuslichen Umgebung aufhalten", klärt das Landratsamt auf seiner Homepage auf.

Die Ausgangssperre, begründet mit dem Infektionsschutzgesetz des Bundes, ist eine weitere schärfere Maßnahme beim Vorgehen gegen die Pandemie. Womöglich wird sie bald in ganz Bayern in allen Städten und Kommunen eingeführt. Diese Möglichkeit hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch in seiner Regierungserklärung sehr deutlich angesprochen: "Wenn sich viele Menschen nicht beschränken", sagte er, "dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre. Das muss jedem klar sein."

Das bedeutet: Bürger dürfen ihre Wohnung oder ihr Haus nur aus dringenden Gründen verlassen. Etwa um Lebensmittel einzukaufen, um zur Arbeit, zum Arzt oder zur Apotheke zu gehen. Treffen von mehreren Personen im Freien oder in Gebäuden sind nicht erlaubt und werden von der Polizei aufgelöst. Wer die Gemeinde verlassen oder betreten will, braucht beispielsweise eine Bescheinigung des Arbeitgebers. Nach Verkündung der Ausgangssperre fuhren Feuerwehr und Rotes Kreuz mit Lautsprechern durch die Straßen, um die Nachricht zu verbreiten. Jeder Haushalt bekam ein Flugblatt in den Briefkasten geworfen.

"Die Bevölkerung ist sehr diszipliniert", berichtet Bürgermeister Grillmeier. "Man sieht sehr wenige Leute auf der Straße." Für gefährdete Einwohner ab 65 Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der Nachbarschaftshilfe eine Hotline eingerichtet. Über diese können Bestellungen aufgegeben werden. "Das wird auch genutzt", meint Grillmeier. Die Sperre gilt vorerst bis 2. April.

Bis Mittwochnachmittag gab es im Landkreis Tirschenreuth 47 bestätigte Corona-Fälle, davon 25 in Mitterteich – eine ungewöhnliche Häufung. Fünf davon müssen im Krankenhaus beatmet werden. Wie kommt das? In Verdacht steht das Starkbierfest am 7. März, das nicht abgesagt worden war und wo sich traditionell die halbe Stadt trifft.

Zusammenkünfte solcher Art sind derzeit in ganz Deutschland verboten. Doch nach Söders Ansicht treffen sich Bürger weiterhin privat zu oft, zu nah und in zu großen Gruppen. Damit begründet er seine Überlegungen für eine bayernweite Ausgangssperre: "Viele halten sich eben nicht an die Empfehlungen. Das schöne Wetter verführt zum Rausgehen, zum Treffen mit Freunden an der Isar, im Englischen Garten, am Tegernsee." Die Politik könne "dabei nicht endlos zuschauen". Laut einem Bericht schritt die Polizei im Englischen Garten ein, weil größere Gruppen von Jugendlichen und Studenten auf der Wiese am Monopteros Party machten – und sich nicht um die Ansteckungsgefahr scherten.