Vor der Oberrheinhalle

Bis zu 500 Demonstranten gegen AfD in Offenburg – Ralf Özkara ausgebuht

Judith Reinbold

Von Judith Reinbold

So, 07. April 2019 um 19:26 Uhr

Offenburg

"Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda": Lautstarker Protest schallte der AfD bei ihrer bundesweiten Auftaktveranstaltung zur Europawahl in Offenburg entgegen. Verschiedene Redner traten auf.

"Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda", skandieren die Demonstrantinnen und Demonstranten der Anti-AfD-Demonstration am Samstag. Anlässlich des AfD-Parteitags in der Oberrheinhalle hatte das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus zur Versammlung am Bahnhof aufgerufen, um danach gemeinsam bis zur Oberrheinhalle zu ziehen. Die Polizei geht von 300, die Veranstalter von knapp 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. Darunter auch Aktivisten von Pulse of Europe Offenburg.

Als Ralf Özkara von der Alternative für Deutschland über den Vorplatz der Oberrheinhalle läuft, wird die junge Rednerin Jana Hilberer von Fridays for Future unterbrochen. Die Demonstranten buhen den Referenten der AfD-Fraktion im Bayrischen Landtag aus. Özkara ist in Offenburg kein Unbekannter. Er hat 2018 mit dürftigem Ergebnis für den Offenburger Rathauschefsessel kandidiert. Für eine knappe Minute muss Jana Hilberer ihre Rede unterbrechen. Dann spricht sie weiter: "Die AfD hat Angst vor uns – und das ist gut so."

Etwa zehn Gruppierungen nehmen neben den zahlreichen Privatpersonen an der Demonstration teil. Darunter auch Vertreter der Grünen, der SPD und der Linken sowie ihrer Jugendorganisationen. Während die Demonstrierenden durch die Innenstadt ziehen, bleiben viele Passanten stehen und schauen zu. Einige schauen neugierig, andere missmutig.

An der Oberrheinhalle angekommen, erklärt Claudia Haydt, Kandidatin der Linken für die Europawahl, gleich zu Anfang ihrer Rede: "Ihr seid einfach nur daneben und wir wollen euch hier nicht", wendet sie sich an die Besucher des Parteitags, die anstehen, um in die Halle gelassen zu werden. "Wir sind hier, um gegen euren Rassismus zu demonstrieren. Wir halten euch aber auch für umweltfeindlich und dumm", so Haydt und wird von den Demonstrierenden bejubelt.

SPD Kreisvorsitzende Karl-Rainer Kopf weist auf die besondere Rolle Offenburgs hin. In der Tradition der Freunde der Verfassung, die 1847 im Offenburger Salmen die 13 Forderungen des Volkes verabschiedet hatten, müsse gerade hier gegen die AfD protestiert werden. "Lasst uns dafür sorgen, dass die Menschheit in einigen Jahren sagt: Die AfD ist ein Vogelschiss der Geschichte", so Kopf.

Pulse of Europe und das Vermummungsverbot

Auch Maren Seifert, Offenburger Kandidatin der Grünen für die Kommunalwahl, betont, wie wichtig es sei, dieser Partei auf allen Ebenen entgegenzutreten. Auch in Hinblick auf die Frage, ob eine EU-ablehnende Partei von der Parteienfinanzierung durch das Europäische Parlament ausgeschlossen werden kann, plädiert sie für eine wirtschaftliche Schädigung der AfD. Am Ende ihrer Rede appelliert sie: "Wählt am 26. Mai die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten – Frauen und Männer."

Für eine bunte Komponente sorgen die Demonstrierenden der Offenburger Aktivisten-Gruppe von Pulse of Europe. In blauen Ganzkörperanzügen mit Europa-Flaggen um die Schultern und Hüften, bewegten sie sich auf die Demonstrierenden zu. Die Polizei will sie zunächst jedoch nicht auf das Gelände lassen – bei Demonstrationen herrscht ein Vermummungsverbot und die Aktivisten haben die Ganzkörperanzüge wörtlich genommen und die Köpfe ebenfalls blau eingehüllt.

Nachdem sie ihre Gesichter jedoch enthüllt haben, konnten sie die Performance fortsetzen. Mit langsamen Schritten bilden sie zunächst einen großen, dann zwei Kreise. Mit erhobenen Händen bewegen sie sich hin und her. Sie umkreisen die Demonstrierenden, die sich inzwischen teilweise auf den Boden gesetzt haben und verlassen nach ihrem stummen Auftritt schließlich doch mit blau bedeckten Gesichtern das Gelände.

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