BZ-Sommerinterview

Wolfgang Schäuble: "Durch die Globalisierung haben wir ein Migrationsproblem"

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mo, 06. August 2018 um 18:52 Uhr

Offenburg

BZ-Plus War bei der DFB-Elf Fremdschämen angesagt? Musste der Streit zwischen CDU und CSU sein? Wurden 2015 große Fehler bei der Flüchtlingspolitik gemacht? Warum orientieren sich Russlanddeutsche in Richtung AfD? Schmerzt es, nicht mehr Bundesfinanzminister zu sein? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Bundestagspräsident im BZ-Interview.

BZ: Sie können die deutsche WM-Elf von 1954 fehlerfrei aufsagen. Glauben Sie, dass Ihnen das in fünf Jahren noch von der WM-Elf 2018 gelingen wird?
Schäuble: Sicherlich nicht, aber dazu muss man wissen: Früher waren es nur elf Spieler, es konnte ja nicht ausgewechselt werden.

BZ: Würden Sie elf Namen zusammenbekommen?
Schäuble: Im Moment schon noch. Und der Name Özil würde mir bestimmt auch noch einfallen.

BZ: Der hat sich vor wenigen Tagen erstmals geäußert – mit einem Rundumschlag. Fanden Sie das gut?
Schäuble: Ich fand die ganze Geschichte nicht gut. Und dass er das in einem englischsprachigen Tweet tat, verrät nicht allzu viel Bindung an seine Fans. Ich habe ihm wahrscheinlich mal die Hand geschüttelt, aber ich kenne ihn persönlich nicht richtig. Die Sache ist nicht gut gelaufen. Das Ende war leider so zu erwarten. Der DFB muss jetzt viel daran setzen, dass nicht unnötig zerstört wird, was sportpolitisch wichtig ist.

BZ: Kommen wir noch zum Fußballerischen bei der WM: War in punkto DFB-Elf nicht auch bei Ihnen Fremdschämen angesagt?
Schäuble: Nein. Es ist nicht so selten, dass ein Fußballweltmeister vier Jahre später in der Vorrunde ausscheidet. Für jeden Fußballfan war es natürlich traurig. Doch man musste es bereits nach den Vorbereitungsspielen, in denen manches nicht passte, ein Stück weit befürchten.

BZ: War das nicht sogar ein Stück weit Arbeitsverweigerung, wie sich da einige Nationalspieler verhielten?
Schäuble: Das glaube ich nicht. Es ist schwierig: Da waren Leistungsträger der Mannschaft von 2014 dabei, die immer noch auf Weltniveau agieren. Als der mexikanische Trainer nach dem Spiel gegen Deutschland sagte, er habe vor anderthalb Jahren einen Plan gefasst, wie er die Deutschen schlagen kann, und er habe nichts daran ändern müssen, konnte man auch ein bisschen was heraushören. Vielleicht hat man sich ein bisschen getäuscht durch die Euphorie beim Confed-Cup 2017, wo sie mit einer jungen, frischen und nicht mit der allerersten Garde angetreten sind.

BZ: Warum hat Löw dann nicht mehr von diesen Spielern mitgenommen?
Schäuble: Das müssen Sie Jogi Löw fragen. Er hat sicher große Verdienste, und er versteht ganz sicher viel mehr vom Fußball und von der deutschen Nationalmannschaft als ich. Warum also soll ich ihn kritisieren oder ihm öffentlich Ratschläge geben?

BZ: Hat er es verdient, weiter zu machen?
Schäuble: Er hat es für sich so entschieden, der DFB ebenfalls. Ich hab da keine Kommentare abzugeben. Philipp Lahm hat vor vier Jahren nach der Weltmeisterschaft gesagt: ’Das war’s.’ Und hat aufgehört. Vielleicht hat er das richtige Gefühl gehabt.

BZ: Fühlen Sie sich einfach mal als normaler Fan: Auf welche Spieler sollte Löw künftig verzichten?
Schäuble: Sie interviewen hier nicht einen gewöhnlichen Fan, sondern einen Politiker, der gerade der amtierende Bundestagspräsident ist. Deshalb kann ich mich nicht so äußern wie ein Fan. Grundsätzlich aber: Das muss der Bundestrainer selbst wissen. Ich weiß, dass sich neben Löw weitere 80 Millionen Menschen in Deutschland als Bundestrainer fühlen, ...

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