Kolumne

Orban und die Puszta-Nutella

Daniela Weingärtner

Von Daniela Weingärtner

Di, 09. Juli 2019 um 00:00 Uhr

Unterm Strich

Die in Ungarn verkaufte Nutella, davon ist Ungarns Premierminister Orban überzeugt, schmeckt schlechter als der Aufstrich im Westen. Die EU ließ deshalb die Qualität der Schokocreme untersuchen

Wenn Victor Orban in sein Frühstücksbrötchen beißt, dann hat er gleich Lust auf die nächste Anti-EU-Plakataktion. Denn die in Ungarn verkaufte Nutella, davon ist der Premierminister ebenso überzeugt wie seine Wähler, schmecke einfach schlechter als der Aufstrich im Westen. Da sieht man, wie wenig 15 Jahre Mitgliedschaft in der EU gebracht haben. Der Binnenmarkt hat im Osten genauso wenig Fuß gefasst wie die Demokratie.

Was die Demokratie angeht, sieht auch Noch-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Ungarn kritisch. Die Sache mit der Schoko-Nuss-Creme hingegen wollte er nicht unwidersprochen hinnehmen und bestellte eine wissenschaftliche Studie. Für das Honorar könnten sich die Ungarn viele Gläser Westnutella kaufen. Immerhin kam heraus, dass bei neun Prozent der getesteten Produkte die Verpackung, nicht aber der Inhalt identisch war.

Doch die Wissenschaftler fanden keine Hinweise auf systematische geographische Diskriminierung. Kann also sein, dass die Nutella in Ungarn schlechter schmeckt als in Österreich, dafür aber die Ösis die minderwertigen Fischstäbchen kriegen.

Vermutlich würde die Verbraucher in beiden Ländern die Frage interessieren, ob die große Menge an Kleingedrucktem, die für jede Lebensmittelpackung im EU-Binnenmarkt zwingend vorgeschrieben ist, so halbwegs mit dem Inhalt übereinstimmt. Sind die Zusatzstoffe korrekt angegeben? Stimmen Angaben zum Zucker- und Fettgehalt? Finden sich Schadstoffe, die in Lebensmitteln nichts zu suchen haben? Doch diese Fragen waren im Forschungsauftrag nicht enthalten.

Die EU-Kommission sagt, dafür seien die nationalen Verbraucherschützer und Lebensmittelkontrolleure zuständig. Doch die sind chronisch überlastet. Deshalb will die EU Verbraucherorganisationen stärken. Für Ideen, wie irreführende Produktinformationen gefunden und gestoppt werden können, stellt sie 1,26 Millionen Euro zur Verfügung. Vielleicht findet Victor Orban hier seine neue Bestimmung. Als professioneller Nutella-Tester.