Brand im SC-Freiburg-Fanzug

Organisatorin der Supporters Crew: "Wir haben alle sehr viel Glück gehabt"

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Mo, 21. Oktober 2019 um 17:36 Uhr

SC Freiburg

Die Supporters Crew Freiburg hat zum ersten Mal alleine einen Sonderzug organisiert. Helen Breit vom Organisationsteam erzählt im Interview über die Höhen und Tiefen der vergangenen 72 Stunden.

BZ: Wie viel Stunden Schlaf hatten Sie in den vergangenen 48 Stunden?

Helen Breit: Ich habe die Stunden nicht zusammengerechnet. Aber ich fühle mich so erholt, wie es geht.

BZ: Was muss die Supporters-Crew gerade organisatorisch alles regeln?

Breit: Wir – ein Organisationsteam von acht bis zehn Leuten – befinden uns gerade in der Nachbereitung und koordinieren, wer welche Aufgaben übernimmt. Wir arbeiten alle ehrenamtlich und wer gerade Zeit hat, der kümmert sich. Für uns ist am wichtigsten, die Zugreisenden mit Informationen zu versorgen. Wir werden heute alle nochmal per Mail über die Fragen zu den Wertgegenständen und deren Ausgabe informieren. Einige der Wertsachen sind schon auf dem Weg nach Freiburg, aber es werden auch noch Gegenstände nachgeliefert. Wir sind aber auch im Kontakt mit dem SC Freiburg, dem Fanprojekt und der Polizei. Wichtig ist für uns, dass kein großes Unglück passiert ist. Wir haben alle sehr viel Glück gehabt.

BZ: Einige Medienberichte unterscheiden sich bei Beschreibungen, wie es vor Ort ablief. An einer Stelle wird von Panikschreien berichtet – wie haben Sie die Situation vor Ort wahrgenommen?

Breit: Ich persönlich saß in einem hinteren Wagen und war weiter weg vom Geschehen. Vom Organisationsteam weiß ich, dass alle Zugreisenden sich vorbildlich verhalten haben. Ich habe die Stimmung als sehr besonnen wahrgenommen und keine Paniksituation beobachtet. Dafür möchte ich auch nochmal ein Lob an alle Beteiligten aussprechen. Da hat jeder und jede Einzelne mitgewirkt, dass das so ruhig vonstatten ging.

"Spekulationen helfen niemandem weiter." Helen Breit, Supporters Crew
BZ: Es gab gleich zu Beginn der Berichterstattung Spekulationen, wie das Feuer entstanden sein könnte – wie geht die Supporters Crew damit um?

Breit: Spekulationen helfen niemandem weiter. Unsere Informationslage ist die gleiche, wie am Samstagabend. Wir warten auf die Mitteilung des Sachverständigen zur Brandursache.

BZ: Sie haben auch angefangen, Augenzeugenberichte per Mail zu sammeln. Was ist denn der Tenor dieser Mails?

Breit: Wir haben dieses Angebot eingerichtet, weil wir gemerkt haben, dass in den sozialen Medien viele Erfahrungsberichte veröffentlicht werden. Wir wollten als Veranstalter dieser Fahrt allen Zugreisenden eine Möglichkeit bieten in Kontakt bleiben zu können und haben bisher Rückmeldung von 50 Fans erhalten. Mehr wollen wir dazu nicht sagen. Auch mit den Berichten, die jetzt bei uns eingegangen sind bleiben unsere Informationen die gleichen wie am Samstag: Von dem, was wir von Augenzeugen wissen, hat es keine Fremdeinwirkungen durch Fahrgäste gegeben. Wir warten jetzt auf die Beurteilung des Experten.

"Die Kanister wurden bereits auf dem Hinweg von Fans in einem einsehbaren Dienstabteil bemerkt." Helen Breit
BZ: Zeitweise wurde auch über Benzinkanister spekuliert, die die Fans bei sich gehabt haben sollen...

Breit: Die Kanister wurden bereits auf dem Hinweg von Fans in einem einsehbaren Dienstabteil bemerkt. Eine Nachfrage beim Personal ergab, dass die von der Centralbahn sind. Warum die Kanister dort waren, wissen wir nicht. Sie waren aber nicht in dem Waggon, der gebrannt hat.

BZ: Wie läuft so eine Sonderzugbuchung eigentlich ab?

Breit: Wir haben als eingetragener Verein diese Fahrt organisiert und einen Vertrag mit der Centralbahn abgeschlossen. Es ist zum ersten Mal, dass wir von der Supporters Crew so etwas alleine organisiert haben. Die Synthesia Ultras, Corrillo Ultras und Immer wieder Freiburg haben zwar auch mitgearbeitet – wir sind aber der alleinige vertragliche Veranstalter. So ein Zug ist ein sehr hoher finanzieller Aufwand – viel höher als die Reisebusse, die wir sonst organisieren. Damit werden eben 700 Menschen transportiert und keine 50 oder 100, wie mit dem Bus. Die Zugreise war nicht kommerziell angelegt, sondern es sollte für möglichst wenig Geld, allen diese Zugreise ermöglicht werden. Für 89 Euro pro Person inklusive Karte. Wir haben zuvor geplant, wie viele Mitreisende wir brauchen, damit das kein Minusgeschäft wird. Innerhalb von wenigen Tagen hatten sich genügend Fans angemeldet. Die Kosten bei so einem Zug liegen je nach Entfernung und Ausstattung zwischen 30.000 und 60.000 Euro.

BZ: Was genau ist der Unterschied zu einem normalen Zug?

Breit: Sonderzüge sind etwas Großartiges. Da kommen sehr viele verschiedene Menschen zusammen. Das ist ein Erlebnis, das man selten hat. Deshalb haben wir uns auch gefreut, das zu machen. Ich bin in meinen 15 Jahren aktiver Fanzeit erst zwei Mal mit so einem Sonderzug gefahren. Das ist etwas ganz anderes als die Fansprinter oder Entlastungszüge, die sonst angeboten werden. Fansprinter bieten wir in Kooperation mit der Deutschen Bahn und der Fangemeinschaft an. Entlastungszüge werden von der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellt. Beim Sonderzug läuft alles über Selbstorganisation: Wir haben ihn als Dienstleistung gebucht, die gesamte Abwicklung lag bei uns. Vom Ticketverkauf hin zum Essens- und Getränkeverkauf, das alles haben wir selbst abgewickelt. Es haben sehr viele Menschen zusammengearbeitet, damit dieses Ereignis umsetzbar war. Wir würden wieder einen Sonderzug organisieren. Auch wenn natürlich aktuell die Aufarbeitung im Vordergrund steht.
Zur Person

Helen Breit ist 32 Jahre alt und war lange bei der Supporters Crew Freiburg (SCFR) im Vorstand aktiv. Mittlerweile hat sie sich dort zurückgezogen, ist aber nach wie vor an der Organisation der Auswärtsfahrten beteiligt und im fanpolitischen Bereich aktiv.

BZ: Am Abend selbst musste die Supporters Crew schnell handeln. Wie haben Sie sich vor Ort organisiert?

Breit: Alle die an der Organisation beteiligt waren haben sich schnell zusammengefunden und wir haben versucht, sobald wir mehr Informationen hatten, alle zu informieren. Zuerst gab es einen Sammelplatz in der Nähe des Zuges, der nicht vom Rauch beeinträchtigt war. Danach sind wir zum Hauptbahnhof, wo wir uns am längsten aufgehalten haben. Wir konnten durch unser Megafon immer wieder alle informieren. Die Abläufe haben durch die sehr gute Polizeiarbeit gut funktioniert, aber auch weil wir sehr schnell von der Centralbahn die schriftliche Bestätigung hatten, dass sie die Rückreisekosten übernimmt.

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