Pandemie hat schwerwiegende Spuren hinterlassen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 28. Mai 2021

Kreis Lörrach

Diakonisches Werk im Kreis Lörrach sammelt Ideen, um Familien zu unterstützen / Mitarbeiter tauschen sich online aus.

(BZ/sdm). Die Situationen von Familien unter den Corona-Bedingungen war das Thema eines videobasierten "Brainstormings" im Diakonischen Werk (DW) im Landkreis Lörrach. Rund ein Fünftel der mehr als hundert Mitarbeiter tauschten sich in insgesamt sechs Workshops aus. Dabei wurde deutlich, dass die Pandemie bereits schwerwiegende Spuren hinterlassen hat. Menschen, die bereits vor Corona viel Energie aufbringen mussten, um "mithalten zu können", sind noch gefährdeter, den Anschluss zur Mitte der Gesellschaft zu verlieren. Im Folgenden sind die wichtigsten Ergebnisse aus der Diskussionsrunde zusammengefasst.

Schule
Weil das Homeschooling plötzlich kam, wird das Schulsystem bis an die Belastungsgrenze gefordert. Verordnungen sind kompliziert und müssen kurzfristig umgesetzt werden. Persönliche Ansprechpartner sind im Homeschooling nicht greifbar und die digitale Kommunikation erhöht die Schwelle, vorhandene Fragen kurzfristig klären zu können. Familien, die die technische Ausstattung besitzen, konnten den Kindern bessere Voraussetzungen bieten als andere. Die Spannbreite der Berichte zwischen guten Möglichkeiten bis zu "gar nichts vorhanden" war erschreckend und belastet aus Sicht des DW bereits heute die schulischen Mitarbeiter massiv. Dazu kommt, dass durch die Informationsflut zum Thema Corona viele Eltern "kapitulieren" und die Kinder auch bei Präsenzangeboten nicht mehr in die Schule bringen.

Familie
Die Beratungsanfragen von überforderten Menschen steigen. Existentielle Ängste und Sorgen, nicht mehr allem gerecht zu werden, nehmen zu. Bewegung fehlt insbesondere den Kindern. Je kleiner die Wohnung, desto schwieriger wird es häufig. Wenn Eltern dann noch Probleme bei ihrem Arbeitgeber wegen Homeschooling bekommen oder Arbeitslosigkeit besonders in prekären Arbeitsverhältnissen droht, wird es noch schwieriger. Es kommt bereits zu gesteigerter Gereiztheit und Aggressivität in den Familien bis hin zu Gewalterfahrungen. Vermutet wird, dass die "große Welle" noch bevorsteht, wenn der "Schutzraum der Jugendhilfe" an den Schulen wieder normal zugänglich sein wird.

Was hilft?
In einem weiteren Diskussionsteil beschäftigten sich die Mitarbeitenden des DW mit den Möglichkeiten, um die Ungleichheiten nicht noch größer werden zu lassen. Die Schule nahm auch hier einen großen Teil ein. Ideen waren zum Beispiel mehr Personal und Ressourcen – auch im Bereich der Digitalisierung – für die Schulen und die Jugendhilfe. Kleinere Klassen könnten dabei helfen, die verlorengegangene Beziehungsarbeit zu stärken und soziale Interaktion wieder zu trainieren.

Nicht ausschließlich auf Schulen bezieht sich die Forderung, schwer verständliche Inhalte entweder in einfacher Sprache oder in mehreren Sprachen zu veröffentlichen. Weitere Ideen der Teilnehmenden waren: kostenlose Unterstützungsangebote für Familien, Ausweitung des Angebots an Therapeuten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, beschlossene Kürzungen im Sozialbereich überdenken und rückgängig machen, Quartiersarbeit fördern, mobile Impfteams in Quartieren mit besonderen Herausforderungen zur Verfügung stellen. Zudem ist gezielter Förderunterricht in kleinen Gruppen notwendig, um individuell Hilfestellungen geben zu können. Ferienkurse wurden kritisch gesehen, da Erholung für alle Familien wichtig ist.

Die zusätzlichen Gelder, die von der Bundesregierung in Aussicht gestellt werden, müssen sinnvoll, in das schon bestehende Schul- und Beratungssystem eingegliedert werden. Die Stärkung der Schulsozialarbeit wird als wichtiges Instrument angesehen. Schüler, die den Anschluss verloren haben, müssen mit gezielten Förderprogrammen wieder herangeführt werden.