Für den Rest des Lebens

Geteilte Nieren, doppeltes Glück: Eine Organspende kann für beide Seiten ein Gewinn sein.

usc

Von usc

Mo, 30. August 2010 um 14:16 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Was der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender gerade durchmachen, ist beim Ehepaar S. gut sechs Jahre her. Wolf S. spendete seiner Frau Anneliese 2004 eine seiner Nieren. Unsere Autorin hat den Organspender und die Empfängerin getrennt voneinander befragt und protokolliert, wie sie die Transplantation und die Zeit seither erlebt haben.

Eine Organspende ist von Anfang an eine komplizierte Angelegenheit. Neben den medizinischen sind auch ethische und moralische Aspekte zu berücksichtigen, viele Fragen müssen bedacht werden, bevor die Entscheidung fallen kann.

Anneliese S.:
Ich war seit Jahren sehr schwach durch meine schlecht arbeitenden Nieren. Alles fiel mir schwer, ich konnte mich auf nichts freuen und war seelisch labil. Es lief auf eine Dialyse-Behandlung hinaus, wovor ich mich fürchtete. Man ist an drei Tagen in der Woche für fünf Stunden an das Gerät angeschlossen, das anstelle der Niere das Blut reinigt. Danach ist einem oft schlecht, die Lebensqualität leidet.

Eines Tages bot meine älteste Tochter an, mir eine Niere zu spenden. Ich lehnte sofort ab, weil sie ein Kind hat und eine solche Operation ja auch eine Lebensgefahr birgt. Daraufhin machte mein Mann mir dasselbe Angebot. Ich überlegte: Vielleicht kann man es leichter von einem alten Menschen annehmen, der sein Leben weitgehend gelebt hat?

Es sollte ein weiter Weg werden bis zu unserer Entscheidung. Ich hatte schlaflose Nächte, grübelte darüber, ob ich ein so großes Geschenk annehmen könne. Diese Stunden waren recht einsam, weil mein Mann nicht gerne redet und ich mich nicht mit ihm austauschen konnte.

Die Voruntersuchungen ergaben erstaunlicherweise, dass wir von der Blutgruppe und allen relevanten Werten her kompatibel waren, dass also eine Nierenspende denkbar war. Das deutete ich als Zeichen, die Transplantation zu wagen. Nie werde ich das Gespräch mit dem Professor vergessen, der uns operieren sollte. ...

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