Papa Heuss und seine Frau

Rosemarie Tillessen

Von Rosemarie Tillessen

Mi, 28. Oktober 2020

Waldshut-Tiengen

Vita-Stoll-Stiftung präsentiert in ihren Räumen in Waldshut die Wanderausstellung "Demokratie als Lebensform".

. Die Deutschen nannten ihren ersten Bundespräsidenten liebevoll "Papa Heuss", auch wenn er das nicht gerne hörte. Jetzt zeigt die Vita-Stoll-Stiftung in ihren Räumen in Waldshut die Wanderausstellung "Demokratie als Lebensform". Anschaulich und informativ werden dabei Theodor Heuss (1884 – 1963) und seine Frau Elly Heuss-Knapp (1881 -1952) vorgestellt. Und – so die Vorsitzende Adelheid Kummle bei der Präsentation – "mich hat am meisten überrascht, wie eigenständig und selbstbewusst seine Frau Elly bereits zu einer Zeit war, als Frauen noch nicht einmal das Wahlrecht zustand. Eigentlich sind das hier zwei Ausstellungen."

Anhand von Originalobjekten, Fotos, Ton- und Filmdokumenten sowie interaktiven Elementen entdeckt man in der Ausstellung einen Mann, der sich in enger Partnerschaft mit seiner Frau Elly Heuss-Knapp an den demokratischen und liberalen Vorstellungen seiner Zeit orientierte. Die Ausstellungsboxen sind dabei streng farblich getrennt: sie in der Farbe Blau, er in Grün oder Orange. Vor allem ist es eine Leseausstellung: Man erfährt über ihre Herkunft und ihre berufliche Entwicklung in einer Zeitspanne, die vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis in die frühen Jahren der Bundesrepublik reicht. Da ist der Student Theodor Heuss aus bürgerlichem Haus, der Nationalökonomie studiert und stark vom Theologen und liberalen Politiker Friedrich Naumann beeinflusst wird. Der 1908 heiratet und Vater eines Sohnes ist. Der bis 1933 zeitweise fünf Berufe hatte: Journalist, Schriftsteller, Verbandsfunktionär, Hochschullehrer und Politiker. Der 1924 in den Reichstag gewählt wurde und 1932 das Buch "Hitlers Weg" schrieb. Und der im Dritten Reich zusammen mit seiner Frau überwacht und verwarnt, aber nicht verfolgt wurde, weil er zeitweise auch unter dem Pseudonym Thomas Brackheim schrieb. Und der sich nicht verzieh, 1933 dem Reichsermächtigungsgesetz zugestimmt zu haben. Das alles ist anschaulich verpackt und mit Beispielen und Filmen belegt.

Seine Frau war zeitlebens selbstständig und politisch aktiv, war bis zu ihrer Denunzierung 1933 begeisterte Lehrerin und dann Werbefachfrau. Als ihr Mann 1949 zum ersten Bundespräsidenten gewählt wurde, gründete sie als First Lady das Müttergenesungswerk. Zwei Persönlichkeiten der Deutschen Geschichte, die es lohnt, in dieser Ausstellung näher kennen zu lernen.

Demokratie als Lebensform: Die Ausstellung ist bis 14. Februar, sonntags von 13 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung in der Vita-Stoll-Stiftung in Waldshut geöffnet.