Corona-Krise

Parkbad in Wehr darf wieder öffnen

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mi, 17. Juni 2020 um 20:00 Uhr

Wehr

Bürgermeister Michael Thater nennt Ende Juni oder Anfang Juli als Termin für die Wiedereröffnung des Schwimmbads. Auch die Hallen sind wieder geöffnet.

Das Wehrer Freibad wird Ende Juni oder Anfang Juli seine Pforten öffnen – natürlich unter strengen Hygiene- und Infektionsschutzregeln. Dies erklärte Bürgermeister Michael Thater am Mittwoch auf Anfrage der Badischen Zeitung. Auch die Hallen der Stadt dürfen seit etwa zwei Wochen wieder von Vereinen genutzt werden.

Thater betonte, dass durch das Wasser keinerlei Infektionsgefahr ausgehe, denn "das Chlor tötet die Viren zuverlässig ab." Selbstverständlich müssten Maßnahmen getroffen werden, um zu verhindern, dass sich die Corona-Erreger über Tröpfcheninfektionen verbreiteten. Der Städtetag habe sich daher intensiv mit dem Thema Freibadöffnung befasst und vernünftige Vorschläge gemacht, wie die Infektionsgefahr minimiert werden könne.

Erhebliche Mehrkosten für die Stadt

"Es war der Wunsch vieler Bürgermeister, die Bäder zumindest während eines Teils der Saison frei zu geben". Doch die Vorgaben des Landes seien weitaus strenger als die Vorschläge des Städtetages, kritisierte Thater: "Sie gehen weit über das hinaus, was machbar ist und dem gesunden Menschenverstand entspricht." Dennoch sei dies aus seiner Sicht kein Grund, das Bad nicht zu öffnen. Er hatte daher die Gemeinderäte kontaktiert und – trotz unterschiedlicher Sichtweisen – einen informellen Beschluss eingeholt, das Wehrer Freibad zu öffnen. Natürlich werde man die strengen Vorgaben einhalten, doch der Städtetag werde daran arbeiten, dass "überschießende Regelungen" dem Machbaren angepasst würden.

Kein Schwimmbadtourismus befürchtet

Durch die Auflagen kommen erhebliche Mehrkosten auf die Stadt zu: Zu normalen Zeiten genügen drei Bademeister zur Betreuung und Beaufsichtigung von 3000 Gästen. Nun, in Corona-Zeiten, dürfen nur 500 bis 600 Besucher eingelassen werden, und dafür braucht man sieben Mitarbeiter. Der Mehraufwand und die Mindereinnahmen als Folge der verkürzten Saison führen zu einem Zuschussbedarf von etwa 100 000 Euro – zusätzlich zu dem normalen jährlichen Defizit ist rund 200 000 Euro. "Doch das ist uns das Freibad wert", sagte Thater, und betonte, dass er es verstehen könne, wenn andere Bürgermeister unter diesen Voraussetzungen ihre Bäder lieber nicht freigeben möchten – so etwa in Murg und Laufenburg, wo die Gemeinderäte am Montag beschlossen hatten, ihre Freibäder nicht beziehungsweise vorerst nicht zu öffnen.

Einen "Schwimmbadtourismus" befürchte er aber nicht. Die Karten sollen nämlich online über die Internetseite der Stadt Wehr gebucht werden, und auf diesem Weg ist eine zeitliche Steuerung der Besucherzahlen möglich. "Außerdem kamen früher an normalen Wochentagen eh nicht mehr als 500 bis 600 Personen in das Parkbad", so Thater.

Vereine können in der Sporthalle Seeboden trainieren

Auch was Hallen und Spielplätze betrifft, normalisiert sich das gesellschaftliche Leben in Wehr schrittweise, wenn auch unter Auflagen. So sind die Spielplätze seit längerer Zeit wieder offen, sofern jedem Kind ein Platz von fünf Quadratmetern zur Verfügung steht. Auch hinsichtlich der Hallennutzung fährt Wehr einen weniger restriktiven Kurs als zum Beispiel Murg oder Laufenburg. Während die Talturnhalle weitestgehend dem Schulbetrieb dient, stehen die Sporthalle Seeboden, die Schulsporthalle Öflingen sowie die Zelgturnhalle seit rund zwei Wochen wieder den Vereinen zur Verfügung, natürlich unter Einhaltung des Infektionsschutzregeln. Die Stadthalle ist bis zum Ende der Sommerferien grundsätzlich geschlossen, allerdings gibt es eine Ausnahme. Viele Vereine konnten ihre Generalversammlungen nicht abhalten, weil in Gaststätten der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, wenn sehr viele Mitglieder erwartet werden. Daher stellt die Stadt im Juli ihre "gute Stube" den Vereinen kostenlos für Versammlungen zur Verfügung, Anmeldung per E-Mail bei thomas.gallmann@wehr.de, Telefon 07762/808604.

Auch die Mitarbeiter dürfen sich freuen: Derzeit ist noch "die halbe Belegschaft der Stadt", so Thater, also etwa 150 Mitarbeiter, in Kurzarbeit. Die Mitarbeiter des Freibad werden bald zu gewohnten Arbeitszeiten zurückkehren, ebenso die Erzieher, wenn die Kindergärten ab 29. Juni ihren Regelbetrieb aufnehmen.