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Pascal van der Bij studiert seit er zwölf ist – jetzt hat der 16-Jährige Abitur gemacht

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Mi, 11. September 2019 um 11:14 Uhr

Freiburg

Doch, das gibt’s. Dass einer mit zwölf Jahren gleich mehrere Fächer anfängt zu studieren und parallel noch in die neunte Klasse am Wentzinger-Gymnasium geht. Pascal van der Bij hat es gemacht.

Mathestudent mit allem. Vorlesungen, Seminaren, Prüfungen. Im zweiten Unijahr dann auch Jura. Und Sinologie. Islamwissenschaften. Unter anderem. Pascal van der Bij hat all das gemacht. Und nun, mit 16 hat er auch sein Abi in der Tasche.

Für einen, dem für seinen Sinologie-Abschluss nur noch ein Semester fehlt, kann nun ja nicht mehr viel Neues kommen. Oder doch? "Doch, auf jeden Fall" sagt Pascal von der Bij, "man kann immer was machen, das einen interessiert, das hört nicht auf!" Und die Herausforderung bleibe, sich beständig über seine Grenzen zu wagen. Wo für ihn die Grenzen sind? Einmal kam er dran. Da war er elf und spielte schon seit sechs Jahren Geige und auch Gitarre – und fand, er wolle auch Klavierspielen können."Ziemlich schnell habe ich da gemerkt, dass mir das zu viel ist", erinnert sich Pascal van der Bij, "und hab’ dann einfach wieder aufgehört."

Nach vier Jahren Uni schreibt er sich jetzt wieder in neue Fächer ein

Musik machen gehört zu seinen größten Vergnügen. Nachdem er mit dem Abi auch dem Schulorchester entwachsen ist, sucht er ein neues. Angeklopft hat er zum Beispiel beim Freiburger Studentenorchester. Das könnte passen, denn nach vier Unijahren wird Pascal van der Bij tatsächlich von Oktober an ganz normal Geographie und Chinesisch an der Uni studieren. Die Geowissenschaften nämlich gehörten zu den Fächern, die nicht für das Schülerstudium für Hochbegabte geöffnet sind.

Für den akademischen Überflieger ist es allerdings mit dem Bachelor-Studium in Freiburg allein nicht getan. Parallel studiert er mit dem Eucor-Programm auch in Straßburg, wo er einmal in der Woche Veranstaltungen für Geographie und Chinesisch belegt hat. Und ausgerechnet in der praktischen Umsetzung dieses Studienvorhabens stößt der junge Student tatsächlich an Grenzen.

Vieles geht als Minderjähriger nicht

Weder darf er sich als 16-Jähriger ohne Eltern-Unterschrift immatrikulieren, noch darf er online das Bus-Ticket lösen. Die noch eine ganze Weile ausstehende Volljährigkeit nennt Pascal van der Bij ein ständiges Hindernis. "Ich studiere seit Jahren", stellt er fest, "und werde doch behandelt, als wäre ich keine vollständige Person," er hält kurz inne und lacht verschmitzt, "aber den vollen Preis muss ich trotzdem zahlen." Etwa zeitgleich mit seinem anvisierten Bachelor-Abschluss wird sich das mit den Nachteilen der fehlenden Volljährigkeit ändern – Pläne für danach hat er zwar noch nicht, aber so viel ist klar: "Sicher werde ich dann mal wegwollen."

Pascal van der Bij findet aber nicht alles spannend

Gibt es einen Berufswunsch? Einen Sehnsuchtsort? Seine Biolehrerin hat mit ihrer Begeisterung für ihr Fach einst auch sein Interesse daran geweckt – und das könnte mit seiner Sehnsucht nach der Antarktis zusammenpassen, die ihn schon als kleinen Steppke packte. In der Antarktis nämlich kommen vor allem Biologen zum Einsatz.

Einstweilen übt er sich als Lehrerassistent im Carl-Schurz-Haus und und studiert dort mit den Kindern den Song "Lean on me" ein. Das spricht ihn sehr an, sagt Pascal van der Bij, der eigentlich alles spannend findet. Außer Kunst und Literatur.



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