Pater Mertes für unabhängige Aufarbeitung

kna

Von kna

Di, 23. Juni 2020

Deutschland

Missbrauch in der Kirche.

(KNA/epd). Aus Sicht von Jesuitenpater Klaus Mertes sollte die katholische Kirche die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch unabhängigen Fachleuten übertragen. Trotz vieler Bemühungen sei es ihr in Deutschland bisher nicht gelungen, "eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und dessen Vertuschung in der Kirche so auf den Weg zu bringen, dass sie auch von der Öffentlichkeit als unabhängig anerkannt wird", schreibt Mertes in der Juli-Ausgabe der Herder Korrespondenz.

Unter Aufarbeitung versteht man eine über die Grenzen der strafrechtlichen Verfolgung hinausgehende umfassende Analyse des Geschehenen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wies dies als "destruktive Kritik" zurück. Er betonte, es sei zudem "äußerst befremdlich", dass sie zu einem Zeitpunkt komme, an dem der Prozess noch nicht gestartet sei.

"Enttäuschungen wirken fort"

Mertes hatte unter anderem die Befürchtung geäußert, solange die Zusammensetzung der Aufarbeitungs-Kommissionen in letzter Verantwortung durch die Bischöfe selbst erfolge, würden "die Enttäuschungen und Verletzungen für die nächsten zehn Jahre fortwirken". Zugleich kritisierte er, dass in den Kommissionen die Opfer gleichzeitig in die Rolle von Klägern und Richtern kämen, was rechtsstaatlichen Prinzipien widerspreche.

Die Deutsche Bischofskonferenz und Rörig haben indes in Berlin ihre gemeinsame Erklärung zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche unterzeichnet. "Die Aufarbeitungsprozesse, die mit dem heute unterzeichneten Text angestoßen werden, gehören zu der institutionellen Verantwortung, die die Bischöfe und Diözesen für begangenes Unrecht übernehmen", erklärte der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann (Trier). Mit der Erklärung, die bereits Ende April veröffentlicht worden war, haben sich die Bischöfe und der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung auf verbindliche Kriterien für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in den 27 deutschen Bistümern geeinigt. Zu den Kriterien zählt, dass Betroffene institutionell an der Aufarbeitung beteiligt werden sollen.