Rücktritt

Patrik Vetter tritt nicht mehr als Ortsvorsteher an

Felix Lieschke

Von Felix Lieschke

Di, 20. August 2019 um 09:37 Uhr

Herbolzheim

Bleichheims kommissarischer Ortsvorsteher stellt sich nicht erneut zur Wahl – und verabschiedet sich auch aus dem Ortschaftsrat. Nach dem Kirnburg-Jubiläum ist Schluss.

Patrik Vetter tritt nicht mehr als Ortsvorsteher in Bleichheim an. In einer persönlichen Erklärung hat er bekanntgegeben, dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht. Auch sein Mandat als Ortschaftsrat werde er zurückgeben. Das ist das Ergebnis einer nichtöffentlichen Aussprache zwischen ihm und dem Rat. Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer sagte, er bedauere die Entscheidung. Die CDU kündigte an, in der nächsten Sitzung eine neue Kandidatin als Ortsvorsteherin präsentieren.

"Ich habe vor wenigen Tagen Herrn Bürgermeister Gedemer und den Ortschaftsrat darüber informiert, dass ich nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Ortsvorsteher von Bleichheim kandidieren werde, und nach der Wahl des neuen Ortsvorstehers auch mein Ortschaftsratsmandat zurückgeben werde", schreibt Vetter in einer Erklärung am Sonntag. Am vergangenen Montag fand eine Aussprache zwischen ihm, dem Ortschaftsrat und Gedemer statt.

Vorwurf der Intransparenz

Damit reagiert Vetter auf den Druck, der seit der jüngsten Ortschaftsratssitzung am 18. Juli voraufgebaut wurde. Mit fünf Gegenstimmen haben ihm die Ratsmitglieder überraschend das Vertrauen als Ortsvorsteher entzogen. Dem vorausgegangen war ein Wechsel Vetters von der Liste der CDU zur Liste der Freien Wähler Gemeinschaft. Einige Ratsmitglieder warfen ihm daraufhin Intransparenz und einen Vertrauensverlust vor.

Für Vetter habe Parteipolitik im Ortschaftsrat keine Rolle gespielt, erklärte er am Montag gegenüber der BZ. "Ich habe Wert darauf gelegt, dass Parteipolitik in so einem kleinen Rat keinen Platz hat und dass wir uns lieber um wichtigere Dinge kümmern sollten", sagte er. Er betonte, dass er von Anfang an kein Parteimitglied der CDU werden wollte. Den Wechsel zur Liste der Freien Wähler begründete er mit Differenzen, die für ihn "untragbar" gewesen seien. Ein Vertrauensverlust von seiner Seite habe ihn jetzt zu dem Schritt bewogen, zurückzutreten.

Mit dem Austritt Vetters verschiebt sich nun das Kräfteverhältnis erneut, da das Gremium von acht auf sieben Mitglieder schrumpft und für Vetter niemand nachrückt.

"Ich bedauere, dass Herr Vetter nicht weitermacht als Ortschaftsratsmitglied. Ich hätte mir gut vorstellen können, mit ihm konstruktiv weiter zusammenzuarbeiten", erklärte Cornelia Held von der CDU. Sie bekräftigte nochmal, dass nicht der Listenwechsel zum Vertrauensbruch mit Vetter geführt hatte, sondern die mangelnde Kommunikation vor dem Wechsel. "Ich wäre zufrieden gewesen, wenn Gespräche dazu früher stattgefunden hätten, nichtsdestotrotz wünschen wir eine Veränderung im Ortschaftsrat", sagte Held. Sie hat angekündigt, bei der nächsten Ortschaftsratssitzung im September eine Kandidatin als Vetters Nachfolgerin zu präsentieren. Dass sie selbst dafür in Frage kommt, schloss sie aus.

Bürgermeister bedauert die Entscheidung

Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer sagte, er bedauere die Entscheidung Vetters, sein Mandat zurückzugeben. "Ich hätte mir gewünscht, dass er im Ortschaftsrat bleibt und seine Position, seine Perspektive und sein Wissen mit einbringt", erklärte er. Gedemer zeigte sich zuversichtlich, dass der Ortschaftsrat vor der nächsten Gemeinderatssitzung am 18. September einen neuen Wahlvorschlag präsentieren kann. "Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, erlebe ich dort", sagt er.

Mit der Abwahl Vetters wird sich auch der Vorstand der Bleichheimer Vereinsgemeinschaft ändern, da der Ortsvorsteher qua Amt den Vorsitz innehat. "Das Kirnburg-Jubiläum wollte ich auf jeden Fall noch mitnehmen", erklärte Vetter. Auch sein Gemeinderatsmandat werde er nicht abgeben.
Die Erklärung im Wortlaut

Ich habe vor wenigen Tagen Herrn Bürgermeister Gedemer und den Ortschaftsrat darüber informiert, dass ich nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Ortsvorsteher von Bleichheim kandidieren werde, und nach der Wahl des neuen Ortsvorstehers auch mein Ortschaftsratsmandat zurückgeben werde. Das Abstimmungsverhalten des Ortschaftsrats bei der Wahl am 18.07., die persönliche Stellungnahme von Gemeinde- und Ortschaftsrätin Cornelia Held und die zwischenzeitliche Aussprache mit dem neuen Ortschaftsrat haben mich nach reiflicher Überlegung zu dieser Entscheidung gebracht. Die beiderseits nötige Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit scheint nicht mehr gegeben zu sein. Deshalb ist es aus meiner Sicht für alle Beteiligten besser, die Verantwortung in der Aufgabe als Ortsvorsteher in andere Hände zu legen. Dafür bitte ich um Verständnis.

Ich möchte mich an dieser Stelle für das Vertrauen der Bürger bedanken, die mich bei der Ortschaftsratswahl mit den meisten Stimmen bedacht haben, viele in der Erwartung, mich für weitere 5 Jahre als Ortsvorsteher zu haben. Mein Dank geht auch an die Kolleginnen und Kollegen des alten Ortschaftsrats die mich bei der Entwicklung und Durchführung der zahlreichen Projekte unterstützt haben. Getreu dem Motto "Gemeinsam sind wir stark.", und "Bleichheim macht Zukunft" haben wir in den letzten 10 Jahren meiner Amtszeit vieles für Bleichheim bewegen können. Man denke an den Dorfwettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft", bei dem wir sehr gut abgeschnitten haben und aus dem sich viel Positives entwickelt hat: die Gründung der Vereinsgemeinschaft, die Neugestaltung des Friedhofs, etc. Schon fast Geschichte sind die vielen Aktivitäten und Gespräche für eine adäquate Breitbandversorgung, auf die die Einwohner lange warten mussten. Dennoch: das Engagement für das "schnelle Internet" war der ausschlaggebende Grund für mich, für den Ortschaftsrat zu kandidieren. Viele Beschlüsse des Ortschaftsrats hätten nicht realisiert werden können, wenn der Gemeinderat, die Verwaltung der Stadt und an deren Spitze die beiden Bürgermeister Schilling und Gedemer nicht mitgespielt hätten. Auch ihnen herzlichen Dank. Die Eintracht und die gegenseitige Unterstützung der Vereine und Gruppierungen lag mir sehr am Herzen. Daher warb ich für die Gründung einer Vereinsgemeinschaft, die in den letzten Jahren viel Positives für das Dorf erschaffen hat wie z.B. den Adventszauber im Pfarrhof. Mein Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen der Vorstandschaft der Vereinsgemeinschaft für die gute und wertschätzende Zusammenarbeit. Eine super Gemeinschaft und Freundschaft pflegen wir vier Ortsvorsteher der Stadt Herbolzheim, die von hoher Wertschätzung und Respekt geprägt ist. Danke dafür. Ein ganz besonderer Dank geht jedoch an meine Familie, ganz besonders meiner Ehefrau Rosemarie, die oft auf mich verzichten mussten und die mir stets den Rücken freigehalten und manche Arbeit im privaten Bereich übernommen haben, die sonst mir zugefallen wäre. Darüber hinaus hat sie bei öffentlichen Anlässen sehr oft das Catering organisiert.

Meinem Nachfolger wünsche ich eine glückliche Hand zum Wohle unseres Ortsteils.