Kunstturnen

Pauline Schäfer-Betz ist bei der WM allein unter Männern

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Mo, 18. Oktober 2021 um 20:10 Uhr

Turnen

Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer-Betz startet im Gegensatz zu ihren Olympia-Teamkolleginnen auch bei den Welttitelkämpfen im Kunstturnen. Dort ist sie allein unter Männern.

Selbstbewusst und angriffslustig startete die frühere Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer-Betz in die Kunstturn-Weltmeisterschaft im japanischen Kitakyushu. "Ich will ins Finale", hatte die 24-Jährige im Vorfeld der Titelkämpfe gesagt – und ergänzt. "Die Zeiten, in denen ich mitgefahren bin, um nur dabei zu sein, sind vorbei."

Die Chancen für die Finalteilnahme stehen nach dem ersten WM-Tag jedenfalls gut. Die 24-Jährige aus Chemnitz kam am Montag bei ihrer Übung im General Gymnasium auf 13,733 Punkte und lag damit im Zwischenklassement nach sieben von insgesamt zehn Qualifikationsdurchgängen auf dem zweiten Platz – hinter der Chinesin Luo Rui (14,566).

2017 hatte die gebürtige Saarländerin in Montreal an ihrem Paradegerät den Titel gewonnen, zwei Jahre zuvor in Glasgow war ihr bereits die bronzene Plakette umgehängt worden. Doch bei der Heim-WM 2019 in Stuttgart und auch bei den Olympischen Spielen im Sommer in Tokio reichte es für die Sportlerin des KTV Chemnitz nicht für einen Einzug in die Entscheidung.

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hatte neben einer kompletten Fünfer-Riege bei den Männern nur die Zweite der deutschen Mehrkampfmeisterschaft bei den Frauen für einen Start bei den Einzeltitelkämpfen in Japan nominiert. Die anderen Olympia-Starterinnen – Elisabeth Seitz, Kim Bui (beide Stuttgart) und Sarah Voss (Köln) – hatten auf die WM-Qualifikation verzichtet.

Bei Schäfer-Betz lief es im Vorfeld zwar nicht optimal, aber man sah bei einer möglichen Schwierigkeitsnote von 5,9 das Potenzial für eine Finalteilnahme. "Ich bin froh, dass ich es geschafft habe", sagte die Turnerin. Ursprünglich hatte auch Schäfer-Betz, schon wegen der weiten Anreise, die WM nicht auf dem Plan gehabt. "Aber ich habe nach meinem Urlaub so schnell wieder meine alte Form gefunden, dass ich dachte: Let’s do it!" Außer am Balken wird sie dabei nur noch am Boden antreten. "Ein bisschen komisch" sei es schon, keine Kolleginnen um sich zu haben, mit denen man sich über die Geräte und die Bedingungen austauschen könne. Aber die Teamkameradinnen leisteten von zu Hause aus Unterstützung. "Außerdem bin ich es gewohnt, mit Männern zu trainieren."

Pauline Schäfer-Betz absolviert ihre Einheiten am Stützpunkt in Chemnitz überwiegend in der Halle der männlichen Kollegen. Dem Wechsel dorthin vorausgegangen war das Ende der Zusammenarbeit mit Gabriele Frehse. Zwei Jahre nach der Trennung, im November 2020, hatte die Schwebebalken-Spezialistin ihrer langjährigen Trainerin, zusammen mit anderen Sportlerinnen, öffentlich psychische Gewalt und Medikamentenmissbrauch vorgeworfen.

Anfang Oktober erklärte das Arbeitsgericht Chemnitz die daraufhin erfolgte Kündigung Frehses durch den Olympiastützpunkt indes für unwirksam. Die weitere Entwicklung in dem Fall ist noch offen.

Schäfer-Betz, die ihren Doppelnamen seit der Adoption durch ihren Stiefvater trägt, wird in Kitakyushu erstmals bei einem Großereignis von ihrem Heimtrainer Kay-Uwe Temme begleitet. "Es hätte wohl kaum jemand gedacht, dass es zu diesem Abenteuer mal kommt", sagte sie. "Aber es gibt mir Sicherheit, dass er dabei ist."