Reportage

Pflegebedürftig und auf fremde Hilfe angewiesen: Ein Erfahrungsbericht

Eva-Maria Baumgartner

Von Eva-Maria Baumgartner

Fr, 03. Juni 2011 um 20:11 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Millionen Deutsche sind auf ambulante Hilfe angewiesen: Hilfe vom Bett in den Rollstuhl. Hilfe beim Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Hilfe beim Toilettengang. Was erwartet sie? Ein Selbstversuch.

Die Morgensonne scheint schräg durchs Fenster. Ich sitze frisch geduscht im Badezimmer, in ein Handtuch gewickelt. Es klingelt: 7 Uhr. Die Frau vom Pflegedienst ist da. So pünktlich hätte ich es gar nicht zu hoffen gewagt. Mein Mann öffnet ihr die Haustür. Morgen wird sie einen eigenen Schlüssel haben. Die Kühle der frühen Stunde und die schutzlose Situation machen mich frösteln. Ich atme durch und lasse die hochgezogenen Schultern fallen. Los jetzt, Lässigkeit statt Schamhuberei! Es gilt zu testen, was die ambulante Pflege mir bringen kann. Der Selbstversuch beginnt. Noch ahne ich nicht, dass er mich in ein Labyrinth aus Bürokratendeutsch, betriebswirtschaftlichem Kalkül und absurden juristischen Spitzfindigkeiten führen wird, vor dem der gesunde Menschenverstand kapitulieren muss. Den Ausweg wird mir unser Gesundheitssystem nicht aufzeigen. Sondern – die gute alte christliche Nächstenliebe.
Höchste Zeit, mal anzufangen mit dem Helfenlassen
Ich gehöre zu den rund 2,4 Millionen Menschen, die in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen. Die meisten davon, um die 1,6 Millionen, werden zu Hause versorgt, von Angehörigen, Nachbarn, Freunden – und von ambulanten Pflegediensten, die mit der Kasse einen Versorgungsvertrag haben. Da gibt es private und solche aus der Wohlfahrtspflege wie Caritas oder Diakonie. Und einen davon werden wir jetzt ausprobieren, denn mein Mann geht demnächst für vier Wochen selbst in eine Reha. Falls bis dahin geklärt ist, wer mir hilft.
Ich habe seit Jahren Multiple Sklerose, eine der häufigsten organischen Nervenerkrankungen. Inzwischen bin ich komplett rollstuhlabhängig, habe starke Spastiken und kann nur noch die rechte Hand benutzen. Pflegestufe zwei. In meinem Fall heißt das: Hilfe vom Bett in den Rollstuhl, in die Dusche, in die Klamotten. Hilfe beim Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Hilfe beim Umsetzen ins Auto und zurück. Hilfe beim Toilettengang, siebenmal am Tag, mindestens einmal in der Nacht. Hilfe bis zum Ins-Bett-Gehen und Lagern.
Höchste Zeit, mal anzufangen mit dem Helfenlassen. Wir haben im Leistungskatalog der Pflegeversicherung geblättert, der in "Grundversorgung" und "Hauswirtschaftliche Versorgung" unterteilt ist und 18 sogenannte ...

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