Fünfter Prozesstag

Pflegemutter und Jugendamt sagen aus: So lief der fünfte Prozesstag ab

Florian Kech

Von Florian Kech

Di, 10. Oktober 2017 um 14:00 Uhr

Freiburg

Mit Spannung ist im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Maria L. die Aussage der Pflegemutter erwartet worden. Im Zeugenstand beschreibt sie Hussein K. als umgänglichen und selbstständigen jungen Mann. Der fünfte Prozesstag am Landgericht Freiburg im Liveblog.

Ein langer Verhandlungstag geht zu Ende. Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt.
18.15 Uhr
Seit der Haft habe die Pflegemutter keinen Kontakt mehr zu Hussein. Er wiederum habe ihr mehrere Briefe geschrieben und sich darin auch entschuldigt für das, was er getan habe.

"Wie kann diese Aussage, sie würden jeden Abend gemeinsam essen, in den Bericht des Jugendamts gelangen?", hakt Oberstaatsanwalt Berger nach. "Hat Hussein geflunkert?" Dazu könne sie nichts sagen, antwortet S.

Der Oberstaatsanwalt kommt auf die Tatnacht zu sprechen. "Ich habe schon mit Hussein über die Tat geredet", sagt S. Das geschah während einer Autofahrt nur zwei Tage nach der Tat. Er habe geschwiegen und dann gesagt, er wüsste nichts davon. Danach seien sie einkaufen gegangen. Er sei vollständig geistesgegenwärtig gewesen. Sie hätte niemals für möglich gehalten, dass er etwas mit dem Mord zu tun haben könnte.

"Ist Ihnen am Körper etwas aufgefallen?", fragt Berger. "Nein, nichts", antwortet S.

Hussein-Verteidiger Glathe fragt, ob sie sich mit seinem Mandanten über DNA-Tests unterhalten habe, und dass man mit einer Probe den Täter dingfest machen könne. Die Pflegemutter bejaht die Frage, "aber Hussein hat kein Interesse an dem Thema gehabt".

Glathe stellt die Taschengeldfrage. Die Pflegemutter habe Hussein als "gestylt" beschrieben, er sei oft zum Friseur gegangen und sich Klamotten gekauft. Er habe bei ihnen gelegentlich im Garten gearbeitet und etwas dazu verdient, sagt S. Von Geldproblemen habe sie nichts mitbekommen.

Einmal habe er gesagt, er gehe nach Karlsruhe, um Sachen zu kaufen. Dann blieb er "zwei, drei Nächte weg", sagt S. Er habe Freunde getroffen. Um ihn seien immer Freunde gewesen. "Ich habe seinen Charakter so eingeschätzt, dass er nicht alleine kann", sagt S.

17.50 Uhr
Zeugin S. hat Platz genommen. Die 56-Jährige Pflegemutter von Hussein K. spricht mit französischem Akzent. "Ich sehe bei Ihnen keinen Anlass, dass Sie sich in irgendeiner Weise strafbar gemacht haben", sagt Richterin Schenk und verzichtet deshalb auf die in kritischen Fällen übliche Belehrung.

In der Flüchtlingseinrichtung im Münstertal habe Zeugin S. regelmäßig Jugendliche bei Arztbesuchen begleitet. Sie spricht Persisch, was die Verständigung erleichterte. Hussein wirkt jetzt aufmerksamer als während der vorherigen Zeugenvernehmungen, seine Körperhaltung ist aufrecht, der Dolmetscher übersetzt für ihn in seiner Muttersprache Dari.

Eigentlich hatten sie sich für einen anderen Flüchtling im Münstertal entschieden. Aber weil Hussein so einen traurigen Eindruck gemacht habe und man nach einer schnellen Lösung für ihn suchte, bot man ihm die Unterkunft in Ebnet an. Hussein lebte in einer 70-Quadratmeter-Wohnung, für die er einen eigenen Schlüssel bekam. Die Wäsche habe sie übernommen, "sauber hat er selber gemacht", sagt die Pflegemutter. "Ich musste ihn einlernen, aber er wurde sehr schnell selbständig." Im Wesentlichen habe er sich dann selbst versorgt.

Morgens sei sie immer zur Wohnung, um zu kontrollieren, ob er zur Schule gegangen sei. Manchmal musste sie ihn wecken. Sie achtete auch darauf, dass er die Wohnung sauber halte.

Wenn er nachmittags heimkam, sei er oft müde gewesen. Gemeinsam gegessen hätten sie nicht. Ein, zwei Mal habe sie ihn zum Essen eingeladen, doch sie habe schnell gemerkt, dass er kein Interesse an Gesellschaft habe. Freunde der Familie hätten sich gerne mit Hussein über seine Flucht und Ziele unterhalten.

Die Richterin verweist auf eine Aussage einer Mitarbeiterin des Jugendamtes, wonach Hussein K. mit der Pflegefamilie gemeinsam zu Abend gegessen habe. "Nein, das haben wir nicht", sagt Frau S.

400 Euro habe Hussein im Monat erhalten für Essen, Kleidung und Sonstiges. Als sie gemerkt habe, dass er mit dem Geld nicht klar komme, habe sie in Tranchen gezahlt. "Er konnte nicht richtig einteilen", sagt die Pflegemutter.

Meistens sei er um 17.30 Uhr von der Schule nachhause gekommen. "Hussein war selten alleine. Meistens war er mit Freunden unterwegs", sagt die Zeugin. Sie selbst habe die meisten von seinen Freunden gekannt und habe diese ...

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