Siebter Prozesstag

Pflegevater sagt aus, Hussein K. habe nach der Tat in den Iran reisen wollen

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Di, 17. Oktober 2017 um 08:56 Uhr

Freiburg

Am siebten Prozesstag saßen Kumpel von Hussein K. im Zeugenstand sowie eine Frau, der er am Tagabend in der Tram begegnete. Sein Pflegevater sagte aus, K. habe im November 2016 in den Iran reisen wollen. Wollte er fliehen?

16.40 Uhr
Das war unsere zusammenfassende Berichterstattung vom siebten Verhandlungstag im Prozess gegen Hussein K. Der Prozess wird am Dienstag, 24. Oktober, fortgesetzt.
16.35 Uhr
Das war es mit den Zeugenaussagen für heute. Die Richterin blickt auf die kommende Prozesstage voraus. Und da wird es international. Das Gericht, so teilt sie mit, wird vier griechische Kriminalbeamte nach Freiburg laden, die damals 2013 nach dem Mordversuch auf Korfu gegen den Angeklagten ermittelt und diesen festgenommen haben. Es wird auch versucht, dass die Studentin aussagt, die damals Opfer von Hussein K wurde und schwer verletzt überlebte. Allerdings sei es bislang noch nicht gelungen, sie ausfindig zu machen.
Verteidiger Glathe wiederum schlägt ein ergänzendendes Gutachten über Hussein K. vor. "Es gibt dafür Anknüpfungstatsachen", so Glathe. Der Sachverständige, der den Prozess begleitet, bietet an, die Gesundheitsakte noch einmal anzuschauen. Ein zusätzliches Gutachten hält er nicht für notwendig.

16.29 Uhr
Es geht weiter. Der Zeuge erklärt auf die Frage des Verteidigers: "Vielleicht habe ich auch auf Facebook gesehen, dass das Mädchen ermordet worden ist." Er sei darüber sehr traurig geworden, als er gehört habe, dass ein Afghane der Täter sei.
Insgesamt sagt er zur Situation Hussein K., dass dieser über die Unterbringung in der Familie in Ebnet glücklich gewesen sei. Er habe immer mal wieder auch im Garten geholfen. Zuvor in der Unterbringung in Münstertal habe man nie zusammen Alkohol getrunken. In Freiburg dann schon, etwa auch im Colombipark. Der Zeuge wirkt immer verunsicherter. Er stehe unter Stress, weil er so eine Situation noch nie erlebt habe, sagt er. Ähnlich sei es auch bei seiner Aussage vor der Polizei gewesen. Er kann nicht sagen, welche Droge seine Kumpels geraucht haben und wie betrunken sie gewesen sind.
Der Verteidiger hakt weiter nach: Habe es bei Hussein K. körperliche Anzeichen gegeben, die auf eine starke Alkoholisierung schließen ließen? Nein, sagt der Zeuge. Bei der Polizei wiederum hat er im Dezember ausgesagt, als der Angeklagte dann aber aufgestanden sei, habe man bemerkt, dass er betrunken war. Vom Zeugen gibt es keine klärende Antwort. Noch eine Frage: Ob sich der Zeuge vorstellen kann, dass sich der Angeklagte prostituiert? "Nein, das Gefühl hatte ich nicht."
Oberstaatsanwalt Berger will wissen, wie viel Alkohol in der Wohngruppe des Trägers Wiese in Münstertal konsumiert worden sei. Eine Flasche Wein, so die Antwort, habe man dort zu dritt oder viert getrunken. Dann hat es der Zeuge geschafft und kann den Gerichtssaal verlassen.
15.45 Uhr
Nebenklageanwalt Bernhard Kramer fragt noch einmal nach Hussein K.s Alkoholkonsum. Der Zeuge hatte davor gesagt, Hussein K. konnte viel Alkohol trinken, ohne betrunken zu werden. Er habe dann immer noch normal laufen und sprechen können.
"Waren Sie Freunde oder nur Bekannte?" will Verteidiger Glathe wissen. Die Antwort des Zeugen "Es war Freundschaft." Der Anwalt fragt, ob sich die Flüchtlinge in Münstertal gut aufgehoben gefühlt hätten. Darüber habe man nicht gesprochen, so der junge Mann im Zeugenstand. Hussein K. sagte, er wolle nach Freiburg in eine Wohnung kommen, das sei besser für ihn.
Auch bei diesem Zeugen gibt es Widersprüche in Aussagen, wie der Verteidiger herausarbeitet. So hatte der Zeuge bei der Polizei im vergangenen Dezember ausgesagt, er habe vom Mord an Maria L. erst nach der Verhaftung seines tatverdächtigen Freundes mitbekommen. Jetzt im Gericht sagt er, er habe von der Gewalttat schon vorher ...

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