Feldberg

Pistenbullyfahrer: "Ich bin dabei, wenn der Berg erwacht und wenn er zur Ruhe kommt"

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Sa, 25. Januar 2020 um 10:39 Uhr

Südwest

Klaus Schelshorn ist Bullyfahrer. Er sorgt am frühen Morgen und späten Abend für glatte Schneeflächen an der Feldberger Skipiste Seebuck. Für den Bernauer ging damit ein Traum in Erfüllung.

Wenn die Skifahrer auf dem Heimweg sind, beginnt für Klaus Schelshorn die Arbeit: Der Pistenchef der Feldbergbahn sorgt mit seinen Kollegen dafür, dass die Pisten am Seebuck am nächsten Morgen unberührt aussehen. Bei der aktuellen Schneelage ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt.

Es ist ruhig am Seebuck, der Sessellift steht und der Abendhimmel taucht die Piste, die eben noch voll war mit Wintersportlern, in ein besonderes Licht.

Jetzt gehört die Piste nur einem: Klaus Schelshorn. Seine Aufgabe ist es, den Schnee, den die Skifahrer den ganzen Tag hin- und hergeschoben haben, wieder zu glätten. "Am nächsten Morgen soll niemand mehr sehen, dass hier eine schwere Maschine im Einsatz war", sagt er. Kurz nach halb sechs startet er an diesem Abend den Motor des 13,5 Tonnen schweren Pistenbullys in der Garage neben der Talstation der Feldbergbahn.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Die Maschine ist neu, vor drei Monaten hat die Gemeinde Feldberg sie angeschafft. "Hauptaufgabe ist es, eine möglichst flache Skipiste hinzubekommen, auf der auch schlechtere Skifahrer zurechtkommen", sagt der 32-Jährige. "Vor allem bei der aktuellen Schneelage ist es wichtig, sich den Schnee richtig einzuteilen, ihn gleichmäßig zu verteilen, darauf zu achten, dass kein Gras, kein Dreck und keine Steine auf die Piste gelangen."

Die Schneeketten der Maschine graben sich in die dünne Schneedecke am Seebuck, der Motor lässt die Sitze vibrieren. Klaus Schelshorn beginnt mit der Piste neben der Zweiersesselbahn, zwischen den Ketten der Pistenraupe und dem Boden liegen 20 Zentimeter Schnee. Das System "Snowsat" zeigt ihm an, wie tief der Schnee unter dem roten Koloss ist. Schelshorn weiß genau, welche Route er nimmt, wo die Piste ihre Tücken hat. "Es ist gut, wenn man weiß, wie die Piste im Sommer aussieht", sagt er, und deutet auf eine Erhebung, die aussieht wie ein Schneehaufen – doch es ist ein Hügel, der hauchdünn mit Schnee bedeckt ist.

"Wäre das nicht so, würde dieser Job keinen Spaß machen – das würde man der Piste anmerken." Klaus Schelshorn
Seit anderthalb Jahrzehnten präpariert der gelernte Feinwerkmechaniker Pisten, erst aushilfsweise bei der Stadt St. Blasien, seit 2014 als fester Mitarbeiter der Feldbergbahn. Für Klaus Schelshorn, der mit seinem Vater in Bernau eine Landwirtschaft im Nebenerwerb hat, ist der Job als Pistenfahrer ein Traumberuf.

An der Bergstation angekommen, hält er kurz an, drückt auf den Auslöser seiner Handykamera und hält den Moment fest, in dem die Dunkelheit das glühende Alpenpanorama langsam verschluckt. "Für die Kollegin aus dem Marketing", sagt er lachend. Es seien Momente wie diese, sagt der Pistenchef, die er liebe. Er glühe für den Berg und für den Schnee, ist selbst begeisterter Skifahrer. "Wäre das nicht so, würde dieser Job keinen Spaß machen – das würde man der Piste anmerken." Denn die Arbeitszeiten sind nicht immer ein Vergnügen. Schneit es heftig, muss er nachts um drei Uhr aufstehen, doch die aktuelle Schneelage lässt ihn schlafen. "Aber mehr Schnee wäre schon cool", sagt er. Ob er mit Sorge auf die Zukunft des Wintersports am Feldberg blickt? "Nein", antwortet der Pistenchef. "Ich glaube daran, dass Wintersport auch künftig unterhalb von 1500 Metern möglich ist."

"Ich bin dabei, wenn der Berg erwacht und wenn er zur Ruhe kommt."Klaus Schelshorn
Nach und nach gehen die Lichter in den Gebäuden aus. "Ich bin dabei, wenn der Berg erwacht und wenn er zur Ruhe kommt." Im Scheinwerferlicht erscheint der Großteil der Piste schon wie eine einzige, ebene Fläche. Um den Mittelhang zu präparieren, hängt Schelshorn die Maschine ans Stahlseil. Dafür gibt es neben der Bergstation einen Ankerpunkt, das Seil erlaubt ihm einen Aktionsradius von 1000 Metern. "Bei der dünnen Schneedecke wird die Piste damit nicht so sehr belastet" und man komme mit steilen Stücken besser zurecht. Um 22.10 Uhr fährt er den Pistenbully in die Garage, betankt ihn, prüft, ob alles in Ordnung ist. Die Piste darf jetzt ruhen, bis am Morgen die ersten Skifahrer kommen: "Das ist ein bisschen wie bei einem guten Hefezopf, der braucht auch Zeit."