Platz für Wohnungen und Geschäfte

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Do, 23. Mai 2019

Titisee-Neustadt

Pläne von Michael Beha für die Alte Gießerei finden Gefallen im Gemeinderat / Jetzt geht es in die Preisverhandlungen.

TITISEE-NEUSTADT. Aus der Alten Gießerei soll ein Wohn- und Geschäftshaus werden. Der Gemeinderat hat am Dienstag den Plänen von Michael Beha in Zusammenarbeit mit Willi Sutter zugestimmt. Allerdings, so mancher Stadtrat, müsse der Verkaufspreis stimmen. Jetzt geht es in die Verhandlungen.

Varianten und Bürgerinfo
Im März hatte die Verwaltung zu einem Bürgerinformationsabend eingeladen und verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten vorgestellt (die BZ berichtete). Würde das Gebäude abgerissen, so der Vorschlag der Stadt, könnten die 2500 Quadratmeter zum Parken, für Märkte und Feste genutzt werden. Die oberschwäbische Activ-Immobilien GmbH sah eine moderne Neubebauung des Areals samt Narrenbrunnenparkplatz vor. Es wurde schnell klar, dass sich die Bürger mit dieser Variante nicht anfreunden konnten. Das Gebäude, so die klare Aussage, soll erhalten bleiben.

Stadtbaumeister Volker Dengler brachte die Idee einer Kulturmarkthalle mit einer Größe von rund 250 Quadratmetern ins Spiel. Dafür wird das Haus entkernt und nur seine Hülle und das Dachfachwerk bleiben stehen. Die Einmündung zum Hirschenbuckel sollte in eine verkehrsberuhigte Zone umgewandelt werden, zur Gutach hin wollte Dengler Sitzstufen anlegen. Die Vorschläge für die Außengestaltung fanden Gefallen bei den Bürgern. Der Halle selbst standen sie eher verhalten gegenüber.

Michael Beha und Willi Sutter wollen das Haus erhalten und es durch einen transparenten und modernen Anbau Richtung Gutach erweitern. So sollen ins Erdgeschoss drei Geschäfte einziehen, für die es bereits Interessenten gebe. Im Obergeschoss sollen Praxen Platz finden, im Dachgeschoss bis zu fünf Wohnungen entstehen, alles barrierefrei durch ein neues Treppenhaus mit Aufzug erschlossen. Die Wegeverbindungen entlang der Gutach bleiben bestehen. Beha sagte beim Infoabend zu, die Brücke zum VHS-Haus auf seine Kosten zu sanieren.

Gemeinderat
Die Stadt sollte Gebäude und Gelände nach Meinung von Christoph Hog (Bürgerliste) nicht aus der Hand geben. "Die Kulturmarkthalle ist die historische Chance für Neustadt, endlich eine Halle zu bekommen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Und sollte das Projekt nicht verwirklicht werden, würde sich wieder ein Käufer finden oder aber das Gebäude werden dann abgerissen. Sein Fraktionskollege Klaus Menner dagegen erinnerte an die Basilieschmiede und was die Stadt dort einst umsetzen wollte. "Es ging daneben. Das war eine prägende Geschichte, die sich nicht wiederholen sollte", machte er deutlich. Auch Markus Schlegel, SPD-Fraktionssprecher, nannte die Kulturmarkthalle schwierig, was die Finanzierung betreffe. "Wir sehen auch die Sanierung der Brücke, die Beha übernehmen will. Aber am Schluss muss der Preis für Gelände und Gebäude passen", sagte er. Hier setzte auch CDU-Fraktionssprecher Gustl Frey an: "Wir wollen das Objekt nicht unter Wert abgeben." Ihm fehle es nicht an Fantasie, was die Finanzierung der Kulturmarkthalle anbelange, wenn etwa von zwei Millionen Euro Kosten für den Tunnel beim Bahnhof Titisee die Rede sei. Die vom Duo Sutter und Beha vorgeschlagene Lösung könne nur dann eine Basis haben, wenn städtebauliche und wirtschaftliche Ziele der Stadt erreicht werden. "Wir haben nichts zu verschenken", sagte sein Fraktionskollege Hermann Faller und machte den Vorschlag, Beha jetzt den Zuschlag zu geben, das Vorhaben aber zu verwerfen, sollte der von ihm angebotene Preis nicht stimmen. Bei den Grünen löste diese Argumentation Kopfschütteln aus. "Das, was wir beim Haus Lickert versemmelt haben, kann durch den Verkauf nicht refinanziert werden", machte Sprecherin Daniela Evers deutlich. Hätten Verwaltung und Ratskollegen so auf die Wirtschaftlichkeit geachtet, als das Gebäude gekauft und zum Vereinshaus entwickelt werden sollte, "hätten wir viel gespart". Man müsse sich den Realitäten stellen: Eine Kulturmarkthalle mit 250 Quadratmetern löse die Hallenfrage nicht. Außerdem bestehe noch immer die Lärmschutzproblematik und es gehe maßgeblich um die Kosten. "Wir können es nicht bezahlen", sagte Evers und verwies auf das "eindeutige Stimmungsbild" in der Bürgerveranstaltung im März.

Christoph Hog schlug vor, die Entscheidung zu vertagen und sie dem neuen Gemeinderat zu überlassen. Das wurde abgelehnt. Alle außer Hog stimmten für den Zuschlag an Michael Beha – einige davon allerdings nur unter dem Vorbehalt, dass der Verkaufspreis stimmen muss.

Investor
"Wir sind glücklich, dass wir die Möglichkeit bekommen, das Vorhaben zu verwirklichen", sagte Michael Beha auf BZ-Anfrage. Schon am Morgen nach der Gemeinderatssitzung habe er sich mit Vertretern der Stadtverwaltung getroffen. "Ich denke, wir haben eine Möglichkeit gefunden, die für beide Seiten annehmbar sein wird", sagte er im Bezug auf den Grundstücks- und Gebäudepreis. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt soll sie dem Gremium präsentiert werden. Er habe dem Gemeinderat seine Kalkulation vorgelegt, daraus sei klar ersichtlich, dass es ihm und seiner Familie nicht um Rendite gehe. "Wir machen das, weil wir Neustädter sind und weil Neustadt solche Objekte braucht." Die Vorschläge von Stadtbaumeister Volker Dengler zur Gestaltung des Außenbereichs seien gut und man wolle sie zusammen mit dem Ideengeber umsetzen, so Beha. Auch dazu habe es schon Gespräche gegeben.