Dünnes Eis

Polizei geht gegen illegales Eisfischen am Schluchsee vor

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Di, 16. Februar 2021 um 20:39 Uhr

Schluchsee

Derzeit zieht es wieder Menschen auf die teilweise zugefrorenen Gewässer im Hochschwarzwald. Da die Eisdecke instabil ist, besteht akute Lebensgefahr. Am Schluchsee schreitet sogar die Polizei ein.

Die Minustemperaturen der vergangenen Wochen haben die Seen im Hochschwarzwald teilweise zufrieren lassen. Dennoch ist die Eisdecke dünn – zum Beispiel am Schluchsee. Mehrere Eisfischer hat das dünne Eis am Montag jedoch nicht davon abgehalten, die Fläche zu betreten und dort zu fischen.

Wie die Polizei berichtet, wird nun gegen die Männer im Alter zwischen 44 und 68 Jahren ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Sie müssen sich wegen des Verstoßes gegen die örtliche Gemeindeverordnung verantworten.

"Dadurch, dass der Schluchsee ein Stausee ist, ist das Betreten der Eisfläche grundsätzlich verboten" Jürgen Kaiser
"Dadurch, dass der Schluchsee ein Stausee ist, ist das Betreten der Eisfläche grundsätzlich verboten", informiert Schluchsees Bürgermeister Jürgen Kaiser. Denn an Stauseen ist das Risiko besonders hoch: "Durch die schwankenden Pegelstände bilden sich Hohlräume unter dem Eis", erläutert Peter Steinbeck vom Schluchseewerk. Dadurch breche das Eis wesentlich schneller und sei instabiler. "Deshalb ist es an einem Stausee auch im Uferbereich absolut gefährlich, die Eisfläche zu betreten." Ein weiterer Punkt sei, dass der See nie so dick zufriere, weil das Wasser immer in Bewegung sei.

Wenn sich auf dem Titisee eine Eisschicht gebildet hat, zieht es auch dort regelmäßig die Menschen hin. Es gibt zwar kein generelles Verbot wie am Schluchsee, doch auch hier ist eine Nutzung von Eisflächen "nur auf der vom Bürgermeisteramt freigegeben Teilfläche zulässig. Diese Freigabe erfolgt aber nur, wenn eine Nutzung nach intensiver Prüfung unsererseits gefahrlos möglich ist. Da dies aktuell nicht der Fall ist, haben wir Schilder platziert, die auf die Lebensgefahr beim Betreten der Eisfläche hinweisen", informiert Felix Tritschler, bei der Stadtverwaltung zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Beim Betreten der Eisfläche besteht Lebensgefahr

Vereinzelt habe es auf dem Rathaus Nachfragen gegeben, ob die Eisflächen auf dem Titisee begehbar seien, "diese halten sich aber in einem sehr überschaubaren Rahmen", so Tritschler. Die erforderliche Eisstärke sei in den vergangenen Tagen zu keiner Zeit erreicht worden. "Um das festzustellen, prüfen die städtischen Behörden die Eisschicht am Titisee an mehreren Stellen und treffen dann eine Entscheidung darüber, ob eine Teilfläche freigegeben werden kann."



Und wenn trotz des Verbots Menschen die Eisfläche betreten? "Beim Betreten der Eisfläche besteht Lebensgefahr. Die Polizei und der Gemeindevollzugsdienst werden die entsprechenden Personen auf die Gefahr hinweisen und zum Verlassen der Eisfläche auffordern." Das Eisfischen sei auf dem Titisee grundsätzlich nicht erlaubt, so Tritschler.

"Selbst bei dem kleinen Bachlauf, der am Strandbad in den See führt, ist Bewegung im Wasser – und die Gefahr einzubrechen deutlich höher" Mirjam Messmer
"Ein Spaziergang auf dem Eis kann immer lebensgefährlich werden", sagt auch Mirjam Messmer, Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Titisee-Neustadt. Auch sie warnt davor, die Uferbereiche nicht zu unterschätzen: "Selbst bei dem kleinen Bachlauf, der am Strandbad in den See führt, ist Bewegung im Wasser – und die Gefahr einzubrechen deutlich höher." Mit Entsetzen habe sie schon beobachtet, wie Eltern ihre Kinder nahe des Maritim-Hotels im Bereich des Ausflusses aufs Eis gelassen haben. "An solchen Stellen ist es besonders gefährlich." Glücklicherweise habe die Ortsgruppe in den vergangenen beiden Jahren keine Eisretter-Einsätze auf dem Titisee gehabt, man sei aber immer in Alarmbereitschaft.

Das Betreten der Eisflächen auf den hiesigen Seen sei derzeit strengstens verboten, teilte auch die Polizei mit.
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