Geschlechtergerechtigkeit

Priester wollen Protestbewegung Maria 2.0 unterstützen

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Sa, 29. Juni 2019 um 15:19 Uhr

Freiburg

Viele Pfarrer und Diakone in der Erzdiözese Freiburg wollen die katholische Frauen-Protestbewegung Maria 2.0 unterstützen. Für Sonntag werden wieder Demonstrationen erwartet.

Der Freiburger Pfarrer Konrad Irslinger kündigte eine großangelegte Unterschriftenaktion unter den Geistlichen der Erzdiözese an. Am morgigen Sonntag werden, so wird erwartet, einige hundert katholische Frauen vor dem Freiburger Münster für innerkirchliche Reformen protestieren. Anlass der Aktion ist die Bischofsweihe von Christian Würtz. Bereits im Mai haben 700 bis 800 Frauen bei der Priesterweihe in Freiburg für Gleichberechtigung demonstriert. Sie fordern die Kirche zum Umdenken und zu Geschlechtergerechtigkeit auf.

2011 gab es schon einmal eine große Unterschriftenaktion

Pfarrer Irslinger vergleicht die geplante Unterschriftenaktion mit jener im Jahr 2011. Auslöser damals war der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg. In einem bundesweiten Memorandum hatten 300 Theologen schonungslose Aufklärung und tiefgreifende Reformen in der katholischen Kirche angemahnt. Etwa 300 Pfarrer und Diakone aus der Erzdiözese Freiburg haben die Protestnote unterstützt – was ihnen teilweise viel Ärger einbrachte. Doch nur einer von ihnen habe seine Unterschrift zurückgezogen, sagt Irslinger. "300 Unterschriften werden wir auch heute wieder kriegen, wenn nicht mehr", ist er sich sicher. Im Juli solle die Aktion anlaufen.

Irslinger, der auch vor acht Jahren zu den Initiatoren gehörte, hat sich im Kollegenkreis umgehört. "Ich habe viele Pfarrer in unserem Bistum zu Maria 2.0 befragt und kaum einer hat gesagt: Das unterstütze ich nicht." Den meisten gehe es im Wesentlichen darum, die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche wiederherzustellen. "Die Aktionen der Frauen stehen nicht singulär im Raum", sagt Irslinger. Auch gehe es nicht primär um die Priesterweihe für Frauen, das sei nur ein Teilaspekt. "Es geht um einen Reformstau in der katholischen Kirche insgesamt", sagt Irslinger, der bis 2016 Pfarrer der ökumenischen Maria-Magdalena-Kirche im Freiburger Stadtteil Rieselfeld war und nun in Rente ist. Aus dieser Kirchengemeinde kommen die zwölf Initiatorinnen der Freiburger Maria-2.0-Bewegung.



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