Bundesliga

Profis des SC Freiburg sind zurück auf dem Trainingsplatz

David Weigend, René Kübler und dpa

Von David Weigend, René Kübler & dpa

Mo, 06. April 2020 um 19:00 Uhr

SC Freiburg

Die Fußball-Bundesligisten üben wieder – auch die Kicker des SC Freiburg sind zurück auf dem Rasen. Reduziertes Training in Kleingruppen von jeweils zwei Spielern steht auf dem Programm.

Die Bundesliga-Clubs sind weitgehend zurück auf dem Trainingsplatz – in Kleinstgruppen und unter strengen behördlichen Auflagen. Einige Vereine beklagen jedoch das unterschiedliche Vorgehen der Ämter in der Corona-Krise bei den Ausnahmegenehmigungen für Berufssportler. Eine einheitliche Regelung des Bundesinnenministeriums gibt es nicht. Beim SC Freiburg wird seit Dienstag wieder trainiert. Grundlage dafür ist die nun in Kraft getretene Regelung des baden-württembergischen Sozial- und Kultusministeriums, die Trainingseinheiten zur Berufsausübung für Profi-Fußballmannschaften im Land unter strengen Auflagen erlaubt.

"Wir haben ein umfassendes Gesamtkonzept zur möglichen weiteren Vorgehensweise erarbeitet", wird SC-Vorstand Jochen Saier auf der Vereins-Homepage zitiert. "Auf dieser Grundlage steigen wir in Kleinstgruppen und unter sorgfältiger Beachtung aller aktuellen Hygiene- und Verhaltensvorgaben der Behörden wieder dosiert in das Training ein."

"Aus Sicht der Trainingssteuerung ist es für die Profis wichtig, sich langsam wieder an die fußballspezifischen Belastungen zu gewöhnen." Daniel Wolf
Die Abstands- und Hygieneauflagen sollen unter anderem dadurch sichergestellt werden, dass die Spieler bereits fertig umgezogen zu den Einheiten erscheinen und nach dem Training zu Hause duschen. Übungsformen wie Zweikämpfe, bei denen der geforderte Mindestabstand nicht eingehalten wäre, stehen nicht auf dem Programm. Der Ablauf ist so konzipiert, dass sich die Kleingruppen untereinander nicht begegnen.

"Aus Sicht der Trainingssteuerung ist es für die Profis wichtig, sich langsam wieder an die fußballspezifischen Belastungen zu gewöhnen", erklärt SC-Athletiktrainer Daniel Wolf ebenfalls auf der SC-Homepage. "Durch gezielte Einheiten mit dem Ball auf dem Platz können wir vorbeugen, dass es bei den Spielern bei Fortsetzung der Saison zu vermehrten Verletzungen und gesundheitlichen Problemen kommt."

Ergänzend zu den Einheiten auf dem Platz werden die individuellen Trainingseinheiten im Homeoffice bis auf Weiteres fortgeführt.

Spieler-Duos und Kleingruppen

Bei anderen Bundesliga-Clubs ist die Trainingspause bereits am Montag beendet worden – zum Beispiel beim VfL Wolfsburg. "Es ist schon besser, als allein daheim zu trainieren. Doch es hat mit Normalität nichts zu tun", beschrieb VfL-Profi Maximilian Arnold den ungewohnten Übungsbetrieb. "Jede Gruppe hat eine separate Kabine. Wir haben separate Duschen und einen festen Physiotherapeuten", sagte der Mittelfeldspieler. Im Kraftraum habe jeder seine eigene Matte und müsse Handschuhe tragen. "Nach jeder Übung müssen wir alles, was wir angefasst haben, desinfizieren." Üblich sind landauf-landab meist Spieler-Duos, die zusammen trainieren. Anders in Nordrhein-Westfalen: Der 1. FC Köln schwitzt sogar in Gruppen mit bis zu acht Profis, der FC Schalke 04 mit bis zu sieben, Borussia Mönchengladbach mit bis zu fünf.

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Alle Vereine betonen, dass sämtliche Vorgaben der Behörden eingehalten werden. Dazu zählt weiterhin auch ein gewisser Mindestabstand zueinander.

Auch Tabellenführer FC Bayern München – mit dem zuletzt verletzten Torjäger Robert Lewandowski – und seine Verfolger Borussia Dortmund und RB Leipzig dürfen wieder fußballspezifischer üben, während der Spielbetrieb bis mindestens 30. April ruht. "Es war schon ein sehr ungewohntes Gefühl, heute in Kleingruppen ein Training abzuhalten. Aber es war auch schön, die Jungs mal wieder live zu sehen", sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Das Homeoffice unter präzisen Vorgaben haben viele satt. "Ich weiß nicht, wie oft ich vor Anstrengung fast vom Rad gekippt bin", erzählte Erik Durm von Eintracht Frankfurt.

Werder Bremen befürchtete noch am Montag zunächst einen Wettbewerbsnachteil, bekam am Nachmittag aber vom Ordnungsamt der Stadt Bremen doch noch eine entsprechende Genehmigung – unter strengen Auflagen. Statt der von Werder beantragten zehn Spieler dürfen jeder Kleingruppe auf dem Trainingsplatz nur maximal vier Profis angehören. Die Trainingseinheiten müssen unter freiem Himmel stattfinden, die Spieler danach zu Hause duschen und vor allem vor jeder Einheit von den Mannschaftsärzten "einem präventiven Eingangsscreening" unterzogen werden. Trainer Florian Kohfeldt hatte vor der Genehmigung noch gesagt: "Wir hoffen hierbei keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden, sondern würden eine bundesweit einheitliche Lösung begrüßen." Auch Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte auf eine bundesweit einheitliche Regelung gehofft. Die wird es aber zunächst nicht geben. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz, werde in dieser Frage keine Empfehlung aussprechen, sagte eine Sprecherin seines Ministeriums.

"Wir wissen ja nicht, wann überhaupt gespielt wird." Jonas Boldt
Jonas Boldt, Sportvorstand des Hamburger SV, sieht in den unterschiedlichen Startvoraussetzungen "momentan noch keine entscheidende Wettbewerbsverzerrung. Wir wissen ja nicht, wann überhaupt gespielt wird." So hatte Stadt- und Zweitligarivale FC St. Pauli – zum Ärger der Behörden – schon zu Beginn der vergangenen Woche Trainingseinheiten absolviert.

In Hessen beklagte sich die Chefetage von Kickers Offenbach, dass Eintracht Frankfurt auf der anderen Seite des Mains seit Freitag wieder trainieren dürfe. Dem Regionalligisten ist dies nach einem Verbot des örtlichen Ordnungsamts untersagt. "Unglaublich, dass innerhalb eines Bundeslandes unterschiedliche Regelungen möglich sind", sagte Geschäftsführer Thomas Sobotzik.

Derweil stehen die Profis des SV Wehen Wiesbaden wieder auf dem Platz, die des Zweitliga-Rivalen SV Darmstadt 98 warten auf eine Anweisung der hessischen Landesregierung, "die das allgemein regelt". Das Innenministerium spricht grundsätzlich von einer Abgrenzung des Profisports "als bezahlte Vollzeittätigkeit von Berufssportlern in Kapitalgesellschaften bzw. über den Wirtschaftsbetrieb von Vereinen".