Nach einem Jahr Corona-Schließung

Neustart im Gloria-Theater mit Christoph Sonntag

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 04. Oktober 2021 um 11:55 Uhr

Bad Säckingen

Nach einer einjährigen Corona-Zwangspause gibt es im Gloria-Theater in Bad Säckingen wieder Kultur. Zum Neustart kam der schwäbische Comedy-Star Christoph Sonntag.

Der rote Teppich wurde wieder ausgerollt, die Bühnenlichter gingen wieder an. Für die Gloria-Macher war der Neustart nach einem Jahr Schließung wegen Corona "ein historischer Tag". "Wir feiern die Wiederauferstehung des Gloria-Theaters", begrüßte Intendant Jochen Frank Schmidt die Zuschauer zur Saisoneröffnung mit der neuen Show von Comedy-Star Christoph Sonntag.

Das Publikum hat die Live-Satire vermisst

"Wow! Wahnsinn!", freute sich der schwäbische Kabarettist riesig, vor einem fast vollen Saal aufzutreten, nachdem er monatelang nur im Autokino "vor Blechdosen" spielen konnte. "Das Publikum hat mir gefehlt!", bekannte er. Zwar saßen die Fans mit Masken vor ihm, aber das schmälerte das Vergnügen nicht. Die Lacher am laufenden Band verrieten, wie sehr das Publikum diese lang vermisste Live-Satire genossen hat.

Passend zum Thema Reisen, stieg der Spötter aus dem Schwabenland aus einem überdimensionalen roten Rollkoffer. Die Kulisse suggerierte Flughafenatmosphäre mit Terminal und Flugzeugsitzen an Bord.

Doch bevor Christoph Sonntag abhob und als schwäbischer Globetrotter rund um den Globus tourte, kam er auf das immer noch beherrschende Thema Corona zu sprechen, auf Querdenker und Quarantäne, auf Homeoffice, Maskentragen und Impfkampagne. Corona habe uns und unser Familienleben verändert, konstatiert er und verrät, dass er im Lockdown daheim Wanderwege eingerichtet hat, "vom Schlafzimmer direkt zum Kühlschrank", und für die Kneipentour in jedem Zimmer ein Bier versteckt hat. Und dass Currywurst mit gewaschenen Händen doch ganz anders schmeckt. Corona habe uns auch gezeigt, wer wirklich wichtig sei: Krankenschwestern, Pfleger, Ärzte, aber auch Profifußballer...

Bissige Kommentare über Boris Johnson

Ironisch, witzig, kritisch wie eh und je, mit treffsicheren Pointen und satirischem Humor nahm Christoph Sonntag auch die jüngsten politischen Ereignisse und Wahlen aufs Korn. Von Olaf Scholz ("die toten Augen von Hamburg") über Winfried Kretschmann ("der Clint Eastwood von Laiz") bis zu Boris Johnson ("Trump für Arme") überzog er die Polit-Größen mit bissigen Kommentaren. Was die scheidende Kanzlerin Merkel über den verschleppten Impfstart gesagt habe, sei in etwa so, als hätte der Kapitän der Titanic behauptet: "Bis auf den Eisberg war die Fahrt super." Um den Polit-Akteuren kräftig die Leviten zu lesen, schlüpfte Sonntag in die Mönchskutte von "Bruder Christophorus". Der spottlustige Prediger nahm sich die Lage im Ländle und die schleppende Digitalisierung vor, nach dem Slogan: "Wir können alles, außer digital."

Vom politisch-gesellschaftskritischen Rundumschlag ging es mitten hinein ins Thema Reisen. Auf den Spuren schwäbischer Landsleute ist Sonntag – noch vor Corona – durch die Welt gejettet. Jetzt spielte er mit komödiantischer Verve und beißender Ironie die Entdeckertouren durch. Angefangen bei Christoph Kolumbus, der das erste Beispiel dafür sei, "dass Männer nicht gern nach dem Weg fragen", bis zu Familien-, Gruppen- und Bildungsreisen ("Europa in sieben Tagen"). Als Passagier quetschte sich der Kabarettist auf den engen Sitz in der Economy-Class, tauschte sich mit dem Sitznachbarn über Flugangst und Flugscham, Fliegen als Klimasünde und den ökologischen Fußabdruck aus.

"Schwaben all over the World"

Bei seinem "Wörldwaid"-Trip landete Sonntag zuerst in Asien, wickelte sich in einen "japanischen Kimono aus Bangkok" und erzählte von seltsamen Gerichten wie Fledermaus-Sandwich und Kröte in Soja. Mit aufblasbarer Pferdeattrappe galoppierte er in die USA, in den Wilden Westen, und nahm die amerikanische Waffenlobby kritisch ins Satire-Visier. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, dass der Schwabe Carl Laemmle einst die Hollywood-Studios gegründet hat. Landesvater Winfried Kretschmann und Ex-EU-Kommissar Günther Oettinger ließ er als Handpuppen über Reisen, Umweltschutz und das Verbot von Kreuzfahrtschiffen in der Innenstadt von Bad Säckingen schwadronieren.

Zum Schluss ging es um die letzte Reise. Der Rollkoffer wurde zum Sarg umfunktioniert und Christoph Sonntag schaute sich schwarzhumorig im Himmel und in der Hölle um. In dem rockigen Zugabe-Song "Schwaben all over the World" ließ er es richtig krachen. Das Gloria ist wieder da!