Neuhausen

Pünktlich fertig und billiger als geplant: Der neue Tunnel am Rheinfall

Monika Ohlheide

Von Monika Ohlheide

Di, 23. April 2019 um 09:17 Uhr

Südwest

Schweizer Präzision: Die neue Umfahrung von Neuhausen am Rheinfall soll Ende des Jahres eröffnen. Auch ein Verkehrsprojekt auf deutscher Seite macht Autofahrern am Hochrhein das Leben leichter.

Anfahren, Abbremsen, Anhalten. Anfahren, Bremsen, Warten: Die Strecke zwischen Singen und Waldshut-Tiengen ist etappenweise kein Vergnügen für die Verkehrsteilnehmer. Besonders zermürbend: Die langwierige Fahrt durch das schweizerische Neuhausen am Rheinfall und die umständliche Streckenführung auf deutscher Seite durch die Gemeinde Oberlauchringen hindurch auf die Autobahn. Doch das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Zwei Großprojekte beschäftigen derzeit die Planer und Ausführenden in Deutschland und der Schweiz.

Bereits im Dezember 2019 soll der Galgenbucktunnel eröffnet werden, der Neuhausen am Rheinfall vom Durchgangsverkehr entlastet. Mit der Ortsumfahrung Oberlauchringen soll ab Ende 2021 auch auf deutscher Seite der Verkehr besser fließen können.

"Wir werden den Zeitplan voraussichtlich auf den Monat genau einhalten können und liegen hinsichtlich der Kosten sogar unter dem veranschlagten Budget." Andreas Weidinger
"Aktuell laufen die Ausrüstungsarbeiten im Tunnel, der Rohbau ist seit Ende 2018 fertig", erklärt Projektleiter Andreas Weidinger vom Schweizerischen Bundesamt für Straßen. Auf einer Länge von 1,1 Kilometern verläuft der Tunnel bis zum westlichen Ende in der Engi durch den Berg, und unterquert den Charlottenfelstunnel der Bahnstrecke und ein Wohngebiet. 240 Millionen Franken waren für das Projekt veranschlagt. "Wir werden den Zeitplan voraussichtlich auf den Monat genau einhalten können und liegen hinsichtlich der Kosten sogar unter dem veranschlagten Budget", sagt Weidinger. Ein großer Erfolg für das gesamte Projektteam. Derzeit wird vor allem im Bereich des Anschlusses Engi noch gebaut. Hier entsteht ein Kreisverkehr, über den die Einfahrt in den Tunnel von Westen her möglich ist. Im Bereich Bahntal ist dann über eine Brücke die direkte Weiterfahrt auf die Autobahn Richtung Zürich möglich. Um Richtung Singen zu fahren, müssen die Verkehrsteilnehmer hier über eine Rampe auf die Schaffhauserstraße abfahren und dann, wie bisher, auf die Autobahn Richtung Osten auffahren. Von Singen ins Klettgau wird die Fahrt ohne Unterbrechungen möglich sein.

Ende 2021 soll die Ortsumfahrung Oberlauchringen fertig sein

Noch nicht ganz so weit ist man auf deutscher Seite mit der Ortsumfahrung Oberlauchringen, östlich der großen Kreisstadt Waldshut-Tiengen. Doch die Planung ist abgeschlossen und auch einen Fertigstellungstermin gibt es bereits: Ende 2021 soll der Verkehr elegant zwischen Erzingen und der A98 auf der neuen Straße vorbeiziehen. Bislang müssen die Fahrzeuge, die in Ost-West-Richtung unterwegs sind, durch den Ortsteil Oberlauchringen und hier umständlich auf die Autobahn auffahren. Nicht zuletzt auch eine Belastung für die Anwohner. Nicht ganz sicher ist aktuell, wie die Abfahrt der Autobahn 98 aus Richtung Waldshut aussehen wird, wenn alles fertig ist. Dieter Bollinger ist als leitender Baudirektor beim Regierungspräsidium Freiburg für das Projekt zuständig erklärt: "Aufgrund des Rückstaus durch den Linksabbiegeverkehr ins Wutachtal wird es eine Umgestaltung geben." Wie die aber tatsächlich aussehen wird, ob ein Kreisverkehr gebaut, oder eine Ampelanlage installiert wird, stehe derzeit noch nicht fest, so der Baudirektor.

Brücke über die Wutachbahnlinie

Ein hoher Planungsaufwand zeichnet die Ortsumfahrung aus, für die mit Kosten von rund 15,2 Millionen Euro gerechnet wird: Eine Brücke über die Wutachbahnlinie ist nötig, eine Brücke für die Hochrheinschiene – um nur zwei der planerischen Herausforderungen zu nennen."Wir werden im ersten Halbjahr 2019 alle wesentlichen Leistungen ausgeschrieben und vergeben haben", erklärt Dieter Bollinger. Er ist sich sicher: "Ende 2021 wird der Verkehr auf der Ortsumfahrung fließen. Diesen Zeitplan wollen wir einhalten."

Zeit spielt auch auf der Straße eine Rolle. Für die Strecke von Waldshut-Tiengen nach Singen werden, je nach Tageszeit und Verkehrslage rund eineinhalb Stunden mit dem Auto benötigt. Sind beide Großprojekte fertig, werden Verkehrsteilnehmer vom Hochrhein voraussichtlich bis zu 35 Minuten schneller ihr Ziel im Hegau erreichen können.