Sozialarbeit

Quartiersarbeit in der Freiburger Unterwiehre läuft in der Coronakrise weiter

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 26. März 2020 um 14:45 Uhr

Freiburg

Das Quartiersbüro Unterwiehre hat einen neuen Träger. Derzeit ist es zwar geschlossen – Quartiersarbeiter Ingo Heckwolfengagiert sich dennoch weiter für Nachbarschaftshilfe und Solidarität.

Die Zeiten, als sich alle beim Quartiersbüro Unterwiehre vor der Tür setzen, in den beliebten Bücherkisten schmökern und ins Gespräch kommen konnten, sind wegen der Corona-Risiken erstmal vorbei. Stattdessen bietet der Quartiersarbeiter Ingo Heckwolf nun ebenso wie andere die Vermittlung ehrenamtlicher Hilfe für ältere und kranke Menschen an. Seit 2014 arbeitet er im Quartier, seit Januar unter einem anderen Träger: Früher war es seit 2004 die Bewohner-Ini, nun ist es der Verein Nachbarschaftswerk.

Nachbarschaftshilfe, Unterstützung, Solidarität: Dafür engagiert sich Ingo Heckwolf auch zurzeit, wenn überall Isolation und Rückzüge angesagt sind. Statt Menschen persönlich zusammenzubringen, ruft er auf der Homepage der Quartiersarbeit Unterwiehre dazu auf, dass sich Engagierte melden sollen, um denen, für die das Einkaufen und andere nötige Erledigungen derzeit zu gefährlich sind, zu helfen. Mehr Begegnungen zwischen den Generationen will er ohnehin verstärkt schaffen. Denn in der Unterwiehre habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, bilanziert er: Seitdem durch groß angelegte Sanierungen und Modernisierungen bis dahin günstige in deutlich teurere Wohnungen oder Eigentumswohnungen umgewandelt wurden, mussten Menschen mit wenig Geld wegziehen, viele junge Familien kamen nach.

Wechsel der Trägerschaft ist Folge der Umstrukturierung der Freiburger Quartiersarbeit

Auf sie will Ingo Heckwolf mehr als bisher setzen, auch in der 1995 gegründeten Bewohner-Ini mit ihren Räumen in der Langemarkstraße 97, mit der er nach wie vor eng kooperiert. Dass die Trägerschaft von ihr zum Verein Nachbarschaftswerk wechselte, lag an der Umstrukturierung der Quartiersarbeit durch die Stadtverwaltung, die kleine Vereine als Träger ausschloss. Ingo Heckwolf waren die guten Kontakte der Quartiersarbeit des Nachbarschaftswerks im Stühlinger zur dortigen Quartiersarbeit aufgefallen. Daher bemühte er sich um den Wechsel zum Nachbarschaftswerk.

Bei dessen Geschäftsführer Mathias Staenke stieß er auf offene Ohren. Er kennt Ingo Heckwolf schon, seit er vor mehr als zehn Jahren während seines Sozialarbeit-Studiums Praktikant im Stadtteilbüro Haslach war.

Heckwolf hofft auf eine Belebung von Sommerfest und Stadtteilzeitung

Ingo Heckwolf will mit möglichst vielen neuen und jüngeren Engagierten künftig unter anderem Probleme wie die vielen falsch parkenden Autos im Quartier angehen, die Menschen mit Kinderwagen oder Rollstühlen einschränken. Außerdem hofft er für Nach-Corona-Zeiten auf eine Belebung des Sommerfests, das 2019 wegen zu wenig Unterstützern ausfallen musste, und auch der Stadtteilzeitung, die zuletzt vor einem Jahr erschien.

Und dann ist da noch sein alter Traum, aus dem lange vernachlässigten Spielplatz gegenüber der Bewohner-Ini-Räume einen Mehrgenerationentreff zu machen. Um die Pläne zu verwirklichen, wären 42 .000 Euro Spenden nötig gewesen. Zusammengekommen seien 18 .800 Euro, bedauert er. Damit sei zwar unter anderem das alte Volleyballfeld in eine Boulefläche umgewandelt worden, und es werde noch ein Baum gepflanzt. Doch statt der Steinquader zum Sitzen wünscht er sich Holzbänke, und im hinteren, unbelebten und abends unheimlichen Teil würde er gern Trainingsgeräte für alle Altersstufen und eine Grillstelle etablieren.
Das Quartiersbüro, Merzhauser Straße 12, ist zurzeit geschlossen und zu den Sprechzeiten dienstags von 16 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr erreichbar über unterwiehre@nachbarschaftswerk.de, Tel.  0761/1377555. Mehr Infos auf der Homepage unterwiehre-international.de.