Beim Pressehaus

Querdenker-Kundgebung und Gegendemonstration verlaufen friedlich

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 27. März 2021 um 15:28 Uhr

Freiburg

Rund 80 Gegner der Corona-Maßnahmen versammelten sich am Samstag, um Kritik an der Berichterstattung der BZ zu äußern. Über 100 Menschen demonstrierten friedlich gegen die Querdenker-Kundgebung.

Unter dem Motto "Für ehrlichen Journalismus und die Einhaltung des Pressekodex, gegen Angstpropaganda, Manipulation und arglistige Täuschung. Wir fordern Antworten!" fand am Samstag eine Kundgebung vor dem Pressehaus der Badischen Zeitung an der Lörracher Straße statt. Rund 60 bis 80 Coronakritiker – die Polizei schätzte in der Spitze 120 Menschen – hatten sich versammelt, um ihre Unzufriedenheit mit der Berichterstattung der BZ während der Pandemie zu demonstrieren. Der Veranstalter zeigte sich enttäuscht: "Ich hätte mit viel mehr Menschen gerechnet."

110 Gegendemonstranten vor Ort

Ihnen gegenüber standen etwa 110 Gegendemonstranten, die "gegen Ignoranz, für Vernunft" demonstrierten und "haut ab, haut ab" skandierten. Ein Aufgebot der Polizei trennte die beiden Gruppen mit Mannschaftswagen und Absperrgittern. Kundgebung und Gegendemonstration seien weitgehend friedlich verlaufen, so die Polizei, es sei lediglich zu verbalen Provokationen gekommen.

Bei der Kundgebung vor dem Pressehaus kritisierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in mehreren Beiträgen die von ihnen so genannten "Mainstream-Medien" und im Besonderen die Badische Zeitung. "Von der Presse würde ich erwarten, dass sie ehrlich und ausgewogen berichtet, das macht die BZ nicht", hieß es. Damit komme die Zeitung ihrer Sorgfaltspflicht nicht nach.

Zuhörer applaudieren und schlagen auf Töpfe

Die Rednerinnen und Redner kritisierten zum Beispiel, dass die mediale Berichterstattung von der Querdenker-Demo in Kassel "einfach nicht wahr" sei, dort sei "ein Fest der Freude und der Liebe" gefeiert worden. In der BZ sei jedoch kritiklos der Bericht der Nachrichtenagentur dpa übernommen worden, statt Menschen zu fragen, die in Kassel dabei gewesen wären. Die Zuhörer applaudierten und schlugen auf Töpfe, um Zustimmung zu signalisieren.

Ein Redner der Kundgebung kündigte an, nach dem Motto "die Täter vor Ort stellen" werde man in Freiburg demnächst eine Kundgebung vor dem Amt für öffentliche Ordnung abhalten.
Nicht Querdenker bestimmen, was wahr sein soll

Warum sich die Badische Zeitung von Anti-Corona-Protesten nicht beeindrucken lässt

Eine Gruppe von Querdenkerinnen und Querdenkern hat am Samstag vor dem Verlagsgelände der Badischen Zeitung demonstriert. Das ist selbstverständlich ihr gutes Recht. Ihr Vorwurf, die Badische Zeitung verstoße bei ihrer Corona-Berichterstattung gegen den Pressekodex, entbehrt allerdings jeder Grundlage. Seit Ausbruch der Pandemie bemüht sich die Redaktion darum, ihre Leserinnen und Leser möglichst umfassend und gründlich über alle Aspekte der Pandemie zu informieren. Dies geschieht unter Wahrung der Sorgfaltspflicht und aller anderen journalistischen Standards.

Genau deshalb kommen bei uns nicht alle Positionen unterschiedslos zu Wort. Aussagen und Theorien, die offenkundig widersinnig sind oder auf Verschwörungstheorien beruhen, räumen wir nicht denselben Raum ein wie seriösen Informationen aus ebensolchen Quellen. Handelten wir anders, würden wir verdrehten, manipulierten Wahrheiten oder Lügen über Gebühr Beachtung schenken und relevante Nachrichten in ihrem Wahrheitsgehalt entwerten. Damit würden wir unserer Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit nicht gerecht.

Dies heißt nicht, dass Kritiker des Umgangs mit der Corona-Pandemie hierzulande nicht zu Wort kämen. Seit Ausbruch der Pandemie hat die Redaktion immer wieder das Gespräch auch mit dezidierten Gegnern des offiziellen Corona-Krisenmanagements und gar Corona-Leugnern gesucht. Verschiedentlich haben wir mit ihnen Interviews und Gesprächs-Features veröffentlicht.

Häufiger allerdings machten wir folgende Erfahrung: Eine Redaktion führte ein Interview mit einer oder einem Organisator etwa einer Anti-Corona-Demonstration, aber kurz vor der Veröffentlichung zogen diese Interviewpartner dann die Erlaubnis zum Abdruck zurück. Häufig weigerte sich ein von uns angefragter Gesprächspartner auch von vornherein, mit der Redaktion zu sprechen. Logisch, würde man sich nicht sperren, ließe sich auf Demonstrationen oder in einschlägigen Chatgruppen auch nicht mehr nach Herzenslust gegen die angeblich gleichgeschaltete und arrogante Medienmacht zu Felde ziehen.

Letztlich zielen Querdenker und andere Corona-Kritiker immer auf einen Hauptvorwurf ab: Die Badische Zeitung oder andere sogenannte Mainstream-Medien würden nicht wahrheitsgemäß berichten. Allerdings: Was Wahrheit sein soll, wollen ausschließlich sie alleine bestimmen. Das ist nicht vereinbar mit unserem Selbstverständnis als Teil einer aufgeklärten, demokratischen Öffentlichkeit. Wir werden deshalb weiterhin kritisch und unabhängig unsere Arbeit tun.

Thomas Fricker, BZ-Chefredakteur