Querdenker-Demo

Querhandeln ist eine Steigerung von Rechthaben

Hans Joachim Schneider

Von Hans Joachim Schneider (Steinach)

Di, 04. Mai 2021

Leserbriefe

Zu: "Querdenker trotzen Verbot", Agenturbeitrag (Politik, 19. April)

Querdenken, ja, bitte – Querhandeln, nein, danke. Nachdenken ist an sich positiv; meistens sogar sinnvoll und bisweilen notwendig. Querdenken kann eine kreative Variante des Nachdenkens sein. Man muss sich als Querdenkerin oder Querdenker deswegen nicht mit den Widerstandskämpferinnen und -kämpfern des Dritten Reiches gleichstellen. Anerkennung, wem Anerkennung gebührt!

Querdenkerinnen und Querdenker leben seit vielen Jahrzehnten in einer Demokratie. Diese stellt die Pflichten der Bürger als Folge ihrer Rechte auf eine Stufe. Querdenken muss deshalb einhergehen mit der Pflicht, das Recht auf Leben der anderen zu achten (Grundgesetzt Artikel 2), und darf nicht zu einem Querhandeln führen. Gedanken hierzu hat unter anderem der Publizist und Autor Richard David Precht in seinem neuen Buch niedergeschrieben. Ich sehe Querhandeln bereits bei der fehlenden Einhaltung der Maskenpflicht und der Abstandsregeln als eine Form der Gewaltausübung im Sinn von Körperverletzung; gelinde gesagt: rücksichtslos.

Dieses Querhandeln als Steigerung von Rechthaben kann im schlimmsten Fall zu dramatischen Folgen führen. Seine Rechte durchsetzen, geht in einem Rechtsstaat nur mit Rechtsmitteln, auch wenn dies nicht immer einfach ist. Die Meinungsvielfalt scheint zwar oft ein Kreuzworträtsel zu sein, besteht aber nicht nur aus Kreuz- und Querdenken. Letztendlich muss es eine Problemlösung geben. Meistens ist es ein Kompromiss, der per Mehrheitsbeschluss herbeigeführt worden ist. Für Minderheiten ist dies nicht immer einfach zu akzeptieren.

Sich den Pflichten zu entziehen und ein Unrecht zu konstruieren, ist keine Lösung. Vermeintliches Unrecht des Gesetzgebers mit Unrecht im Handeln zu beantworten, verstößt gegen die Grundlage unseres Zusammenlebens – die Würde ist unantastbar (Artikel 1 des Grundgesetzbuches). Hans Joachim Schneider, Steinach