Rundtour

Rad-Rundtour von Freiburg aus zum Hinterwaldkopf und Rinken

Anita Fertl

Von Anita Fertl

So, 25. Oktober 2020 um 07:00 Uhr

Südwest

Der Sonntag Erst strampeln, dann die Abfahrt genießen: Per Rad auf Rundtour von Freiburg aus zum Hinterwaldkopf und Rinken. Das Highlight: Mehr als 25 Kilometer geht es nur begab. Doch es gibt einen Haken.

Wahnsinn. Mehr als 25 Kilometer nur bergab, auf zwei Rädern durch tiefsten Schwarzwald düsen, durch abgeschiedene Tobel bis ins liebliche Dreisamtal rollen und erst in Freiburg wieder zum Stehen kommen, noch ganz benommen vom Fahrtwind. Der Haken? Ach ja, davor geht’s nur bergauf, zur Hinterwaldkopfhütte.
Eine Tortur ist die Tour dennoch nicht. Auf breiten, gut fahrbaren und verkehrsarmen Wegen fällt das Kilometermachen anfangs leicht. Ein guter Startpunkt ist die Freiburger Johanneskirche, von dort aus geht’s über die Talstraße, durch die Stadtteile Waldsee und Littenweiler Richtung Osten. Ein Radweg führt an Kirchzarten vorbei, alles noch recht ereignislos, aber immerhin rollen die Reifen leicht übers Pflaster. Spannender wird’s dann ab Oberried, wenn die Landstraße links abbiegt ins Zastler Tal.

Kribbelige Vorfreude

Mit jedem Pedaltritt macht sich nun paradoxerweise kribbelige Vorfreude breit, denn sachte summieren sich jetzt die Höhenmeter, die Bergprüfung rückt näher und näher. Links und rechts schieben sich die felsigen Waldwände immer dichter zusammen, türmen sich immer höher auf: Da wollen wir hoch? Ja, sind wir denn wahnsinnig?

Ja, wahnsinnig naturverliebt. Denn je weiter wir ins Zastlertal hineinfahren, umso beschaulicher wird’s: Unter den Steilwänden liegen fette Blumenwiesen und darauf wie eingepflanzt schöne alte, gut gepflegte Gehöfte, geranienbehangen, mit blumigen Vorgärten. Kühe grasen, Ziegen und – ach Gott, wie süß – eine Eselherde, wir fühlen uns wie in einem Drive-in-Zoo.

Nach dem urig-holzigen Mederlehof von 1767 kommt ein fahrradtechnisch dicker Klops, das enge Fahrsträßchen wird immer steiler, hält direkt auf den Rinken zu. Unbarmherzig knallt an diesem Spätsommertag die Sonne auf das Pflaster und treibt die Schweißperlen auf die Stirn. Dann scheint eine Kühlschranktür aufzugehen, frischer Wind bläst ins Gesicht: Die sogenannten Eislöcher sind’s, die rechts der Straße liegen, ein urzeitliches Relikt. Ausgelöst durch Felsstürze haben sich dort Hohlräume gebildet, in denen sich kalte Luft sammelt und man manchmal bis in den Sommer hinein noch Eis finden kann. Aus diesen unter moosbewachsenen Steinen versteckten Löchern fährt uns kalter Wind an die Waden, ins Gesicht, gut tut das bei heißem Wetter. Wer die Tour hingegen jetzt im Herbst angehen will, der sollte sich warm anziehen.

Blaue Lupinen am Wegrand

Das Rinkensträßchen beschreibt eine starke Rechtskurve, wir halten uns geradeaus, biegen auf einen hübschen Feldweg ab, Richtung Hinterwaldkopfhütte. Über eine Holzbrücke führt der Weg mit teils moderater, teils bis zu zwölfprozentiger Steigung die Bergflanke entlang. Blaue Lupinen wippen am Wegesrand, hohe Tannen wechseln mit prima Ausblicken zum Feldberg. Wir kurbeln uns höher und höher, dann ist es endlich geschafft, der Weg endet, mündet in einen weiteren, der uns zum Fuße des Hinterwaldkopfs führt. Sollen wir hoch? Och nö, heut’ nicht. Denn verführerisch nah liegt die gleichnamige Hütte, verspricht Schwarzwälder Gemütlichkeit und Entspannung für die Waden. Gut tut die Pause mit kühlen Getränken, lecker Vesper, feinem Blick in die Bergwelt und auf die mächtigen Wolkenschiffe, die der Wind über den niveablauen Himmel treibt.

Über Alpersbach

So gestärkt folgt nun der angenehme Teil. Wobei, halt stopp, noch nicht ganz: Links oder rechts? Alpersbach- oder Rinkenseite? Wir entscheiden uns für Alpersbach und eine kleine Abfahrt, die wir mit einem moderaten und dennoch zähen Anstieg, der sich unangenehm wie alter Kaugummi hinzieht, wieder bezahlen müssen. Doch drei Kilometer später entschädigt der Blick auf Baldenweger Buck und Feldberg. Und die Vorfreude auf das, was jetzt kommt: Ganz viel Wald, Wind, Wiesen im Daumenkino während einer herrlichen, monsterlangen Abfahrt.
Strecke: Die Tour zum Hinterwaldkopf ist etwa 55 Kilometer lang, es gilt 1020 Höhenmeter zu bewältigen. Den GPS-Track gibt’s zum Nachfahren (nach kostenloser Anmeldung) unter https://mehr.bz/hwk
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http://mehr.bz/hiwa