Meister der schönen Aussicht

Radeln und wandern auf dem Tuniberg-Höhenweg

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 08. November 2020 um 08:00 Uhr

Südwest

Der Sonntag Er ist nur 14 Kilometer lang, aber badischer Meister der schönen Aussicht: Der Tuniberg-Höhenweg lädt Radler und Wanderer dazu ein, auch spät im Jahr noch ein paar Sonnenstunden zu genießen.

Wieder so ein Tag im November, an dem du dich garantiert falsch anziehst. Zu warm oder nicht warm genug. Den Rest der Tour bist du dann damit beschäftigt, Kleidungsstücke an- oder auszuziehen. Je nachdem, ob der Wind von vorn oder von hinten bläst, ob es bergauf oder bergab geht, ob sich dunkle Wolken vor die tief liegende Sonne schieben oder ob sie dir ins Gesicht lacht.

Insel der Wärme

Aber es ist trotzdem so wichtig, jetzt draußen zu sein. Wir entscheiden uns für den Tuniberg-Höhenweg, leicht und gemütlich, eine Insel der Wärme mit erstaunlich vielen Sonnenstunden auch an kalten Tagen. Wir radeln im Norden los, in Gottenheim. Der Höhenweg beginnt auf der Tunibergstraße (leicht zu merken) etwa 20 Meter östlich der Kreuzung oben im Ort, wo man nach Bötzingen abbiegen kann.

Die Tunibergstraße führt gleich nach rechts. Ein paar 100 Meter weiter biegt man wieder rechts an einem Waldspielplatz vorbei ab Richtung Süden in die freie Natur. Die Farben. Die Ruhe. Jetzt wird’s schön. Weinreben wechseln sich in den tieferen Lagen noch mit Obstbäumen ab, gelegentlich gibt’s auch ein kleines Maisfeld, oben am Berg hat sich der Wein dann endgültig durchgesetzt.

Es geht stetig, aber gemütlich bergauf, erstaunlich viele Radlerinnen und Radler sind noch unterwegs, bergab mit dem Rückenwind aus dem Süden sausen sie hinunter nach Gottenheim. Wir klettern langsam weiter, anstrengend ist das nicht, denn der Tuniberg ist ja kein Monsterberg. Gottenheim liegt auf 207 Höhenmetern, der Weg führt auf maximal 298 Höhenmeter. Nach etwa fünf Kilometern ist das Tunibergkreuz erreicht, wohl der höchste Punkt auf der nördlichen Seite der kleinen Tour.

Bergauf und bergab

Es geht bergauf, bergab, der Weg verläuft eigentlich nie eben. Aber er ist praktisch perfekt asphaltiert und überall mindestens zwei Meter breit. Eine saubere Sache, keine Schlammspritzergefahr wie sonst so oft im Herbst und Winter, und nur ganz selten kommen Autos oder Traktoren entgegen.

Vor allem aber kann man den Gedanken freien Lauf lassen, denn der Tuniberg-Höhenweg wurde in diesem Jahr üppig neu ausgeschildert. Es gibt ihn schon seit den 1960er-Jahren, manche Schilder waren zuletzt ebenso alt, aber sie wurden nun alle ausgetauscht. Unter jedem Radwegschild ist jetzt auch gleich das Hinweisschild Tuniberg-Höhenweg montiert, man kann sich beim besten Willen nicht mehr verfahren und wird automatisch auf die garantiert schönsten Wege gelotst.

Nach ziemlich genau sechs Kilometern geht’s knackig und kurz bergab, hinunter zur Verbindungsstraße zwischen Waltershofen und Merdingen. Vorsichtig queren wir die Straße, denn manche Autofahrer sind hier gern schnell unterwegs, und auch mit dem einen oder anderen Lastwagen möchte man keine nähere Bekanntschaft machen.

Ein fantastischer Blick

Auf der anderen Seite der Straße geht’s dann ebenso steil bergauf zum zweiten Teilstück Richtung Erentrudiskapelle. Der Höhenweg verdankt seinen Namen natürlich der Tatsache, dass man sich häufig ganz oben auf dem Kamm befindet und von dort einen fantastischen Blick über die Weinreben hinweg hat.

Auf der Ostseite erstreckt sich von Nord nach Süd der Schwarzwald mit dem Kandel, dem Schauinsland, dem Belchen und dem Blauen. Auf der Westseite schauen wir auf das Breisacher Münster und die Vogesen. Wir erahnen, wo genau sich der Rhein entlang schlängelt.

Zeit, ein bisschen zu träumen und Pläne fürs nächste Jahr zu machen. Wenn es wieder warm wird. Wenn die Pandemie wieder zu Urlaub in der Regio rät. Der Blauen steht noch auf der Liste, den hast du dieses Jahr nicht mehr geschafft, weil es oben im Schwarzwald schon zu kalt wurde. All diese Berge in den Vogesen, wie heißen die eigentlich? Sehen super aus. Wirst du 2021 dazu kommen, dort zu radeln und zu wandern? Wird der Frühling wieder genauso wunderbar sonnig und warm wie der in diesem Jahr? Manchmal denken wir aber auch einfach mal gar nichts, bleiben kurz stehen und staunen, wie klar die Berge zu erkennen sind.

Tolle Fernsicht

100 Kilometer Fernsicht, mindestens. Nur auf den Bergen selbst hätte man die jetzt nicht. Dunkle Wolken hängen über dem Gipfel des Schauinslands, andere scheinen nur Millimeter über das Belchenplateau hinweg zu schrammen. Über dem Tuniberg aber lacht die Sonne, und deswegen sind wir hier.
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Viel zu früh endet die Tour. Nach 13 Kilometern ist die Erentrudiskapelle erreicht, noch so ein Sehnsuchtsort. Der Blick wird frei auf die ganze Rheinebene. Fast meint man, die Türme von Basel zu erkennen, aber das erweist sich dann doch als Trugschluss.

Westlich oder östlich der Erentrudiskapelle geht es hinunter nach Munzingen, und schon ist es wieder vorbei, das kleine Glück der kurzen Tage.