Metallpulverkonzern

Rakete made in Laufenburg

David Rutschmann

Von David Rutschmann

Fr, 18. September 2020 um 16:34 Uhr

Laufenburg

Die Firma Höganäs weiht ihre neue Verdüsungsanlage ein, die Metallpulver für 3-D-Drucke produziert.

Der Metallpulverkonzern Höganäs hat in Laufenburg seine neue Verdüsungsanlage in Betrieb genommen. Mit der Millioneninvestition soll die Qualität des produzierten Metallpulvers steigen. Das Werk in Laufenburg, in dem 260 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll damit konkurrenzfähiger werden.

Streng geheim

Selbst als Laie darf man von der Maschine beeindruckt sein. Sie füllt eine Ecke einer eigens angefertigten Halle aus. Zwei große blaue Silos werden von Stahlträgern umringt, überall führen Rohre entlang. Wer die Treppen zur obersten Plattform erklimmt, kann von oben in das "Silo" hineinsehen. Daneben findet sich eine Leitwarte, von der aus die Produktion gesteuert und beobachtet wird. Diese Beschreibung muss zur Visualisierung ausreichen, denn Höganäs erlaubt keine Fotos der neuen Verdüsungsanlage. Was für Laien höchstens wie ein komplexer Klotz Technik aussieht, könnte dem geschulten Auge schon zu viel verraten. Welcher Zulieferer die Anlage gebaut hat, für welche Kunden produziert wird, die genauen Produktionskosten – das alles will Höganäs nicht in der Zeitung lesen. Zu groß ist die Angst, die Konkurrenz könnte nachbauen. Denn in Rhina ist ein Unikat entstanden. Diese Vorsicht darf so verstanden werden, dass der Standort Laufenburg mit dem Millionenprojekt bedeutend konkurrenzfähiger geworden ist.

In Laufenburg gilt Qualität "Made in Germany"

Der schwedische Konzern übernahm die Produktionsstätte 2018 von H. C. Starck Surface Technoly & Ceramic Powders. Höganäs ist Weltmarktführer in seiner Sparte: "Was in Laufenburg in einem Jahr produziert wird, produziert die Mutterfirma in Belgien in einem Tag und in Schweden in einer Stunde", sagt Produktionsleiter Daniel Reimann. Aber das sei Massenware. In Laufenburg gilt vielmehr das "Made in Germany"-Prinzip: Man will mit Qualität glänzen. Die neue Verdüsungsanlage soll das gewährleisten. Das Ziel ist klar: Neue Märkte erschließen, man denkt vor allem an die Luft- und Raumfahrtindustrie.

Triebwerke zeitsparend herstellen

Das Metallpulver, das in der Verdüsungsanlage hergestellt wird, wird für 3-D-Drucke verwendet. Dabei werden die Produkte am Computer designt. Beim eigentlichen Druck werden die Grundrisse mittels eines Lasers auf einer Schicht des Metallpulvers aufgetragen. Dieses schmilzt und erhärtet zu einer festen Metallschicht. Das wird Schicht für Schicht wiederholt, bis man ein fertiges Bauteil hat. Diese Produktionsweise ermöglicht es, komplizierte Teilprodukte, zum Beispiel Triebwerke, zeitsparend herzustellen. Bei einem Kunden soll die Produktionszeit durch 3-D-Druck von 14 Monaten auf drei Tage geschrumpft sein, so Anwendungstechniker Human Gherekhloo. Die neue Verdüsungsanlage produziert nun qualitativ hochwertigeres Metallpulver für dieses 3-D-Druckverfahren. Jahresleistung: 527 Tonnen Metallpulver.

Projektleiter Ehsan Elyaspour hebt hervor, wie schnell die Maschine "trotz Corona" gebaut wurde: Ende April wurde mit der Montage begonnen, im August wurde die Anlage fertiggestellt. Nur den Kostenrahmen hat man um drei Prozent überschritten. Das ist zwar dicht am gewünschten Ziel, aber bei einem Projekt, das mehrere Millionen Euro kostet, trotzdem nicht gerade wenig. "Wie man sieht, ist bei Ehsan der Kopf immer noch dran. Die Konzernleitung konnte die zusätzlichen Kosten absolut nachvollziehen", versichert Standortleiter Peter Thienel.