Corona-Demo in Konstanz

"Querdenken" mobilisiert viel weniger Menschen als erwartet

Michael Saurer, dpa

Von Michael Saurer & dpa

So, 04. Oktober 2020 um 14:19 Uhr

Südwest

Zehntausende sollten es sein - aber zu den Corona-Demonstrationen sind viel weniger Menschen als erwartet nach Konstanz geströmt. Am Sonntag bleibt die Lage trotz einer Gegendemo weitgehend ruhig.

16:45 Uhr: Markus Haintz, einer der Anwälte der Querdenker, betritt die Bühne und hält eine Plastiktüte in der Hand. Darin sind zwei Feuerwerkskörper, möglicherweise Bengalos. Diese seien zuvor von hinten auf das Dach der Bühne geworfen worden. Friederike Pfeiffer-De Bruin, eine der Ordnerinnen hinter der Bühne sagt, sie hätte einen davon auf den Kopf bekommen. Passiert sei ihr aber nichts. "Das ist eine Straftat", sagt Anwalt Haintz und fordert die Polizei auf, das Beweismittel entgegenzunehmen. Die Polizei konnte in Zusammenhang mit dem Vorfall einen jungen Mann ermitteln und seine Personalien feststellen.

16:15 Uhr: Zurück auf dem Gelände der Querdenker-Demo. Mittlerweile haben sich schätzungsweise um die 5000 Menschen in Klein-Venedig zusammengefunden. Auf der Bühne sprechen verschiedene Menschen. Es geht um einen angeblich kommenden Impfzwang, um den Kapitalismus, den es zu überwinden gelte, um Amazon und die Arbeitsbedingungen. Ironie der Sache: Die Antifas zuvor waren auf Seite der Regierung und trommelte für deren Positionen, die Querdenker geben sonst traditionell linke Statements von sich. Es zeigt, wie aufgelöst das alte Links/Rechts-Schema ist.

16:00 Uhr: Der Demonstrationszug der Antifa ist in der Innenstadt angekommen und löst sich langsam auf. Die Polizei zieht einen Großteil der Beamten wieder ab. Einzelne Grüppchen des linken Lagers stehen noch in der Fußgängerzone, skandieren Parolen. Alles in allem entspannt sich die Lage aber.

15:30 Uhr: Die Polizei beendet die Antifa-Kundgebung, fordert die Teilnehmer auf, sich zurück zum Hafen und dann in die Innenstadt zu begeben. Gespannte Ruhe. Die Polizisten bringen sich in Stellung, manche klappen die Schlagstöcke aus. Doch nach wenigen Minuten ziehen die Antifas zurück, laufen mit linken Parolen zurück ins Zentrum. Immer wieder kommt es zu verbalen Auseinandersetzungen mit den Querdenkern. Die Polizei schirmt die Antifas aber komplett ab, die Gefahr einer Eskalation ist jederzeit da.

15.15. Uhr: Es ist eine gespannte Stimmung. Vor dem Demonstrantionsgelände in Klein-Venedig hat eine rund 300 Mann starke Gruppe der Antifa in Stellung gebracht. Gleichzeitig haben sich die Querdenker in Bewegung gesetzt und laufen mit einem Demonstrationszug durch die Stadt. Dort wo die beiden Lager aufeinandertreffen wird es hitzig, es fallen Beleidigungen auf beiden Seiten. Mittlerweile stehen rund 1000 Querdenker der Antifa gegenüber. Beide Seiten bezeichnen sich als "Nazis". Die Polizei hat mittlerweile Verstärkung bekommen, rund 100 Beamte versuchen, die Lager auseinanderzuhalten. Es kommt zu Rangeleien mit der Polizei als einige Antifas versuchen, ins Lager der Querdenker vorzudringen. Aber bislang haben die Beamten alles im Griff.

14.40 Uhr: Am frühen Nachmittag ist die Stimmung in Konstanz angespannt. Die Antifa rückt mit einer rund 300 Mann starken Gruppe zum Zentrum der Querdenker vor. Es kommt zu Rangeleien mit der Polizei als Angehörige des Schwarzen Blocks versuchen, in den Bereich der Querdenker vorzudringen. Es kommt zu Beleidigungen von beiden Seiten. Die Polizei versucht mit rund 50 Beamten vor Ort die beiden Lager auseinanderzuhalten.

Mit Bannern und Plakaten forderten die Teilnehmer auf der Kundgebung der Initiative "Querdenken 753" die Befreiung von Corona-Maßnahmen.

"Wir sind die Viele - und wir werden immer mehr", sagte Organisatoren Gerry Mayr auf der Bühne. Er wolle keine "Maskenmenschen" mehr sehen und bezeichnete die Corona-Maßnahmen als nicht länger tragbar. Befürworter der Maßnahmen hatten zu mehreren Gegendemonstrationen aufgerufen.
Samstag: "Ich halte die angebliche Pandemie für eine Inszenierung": In Konstanz haben rund 1500 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Die anvisierte Menschenkette fiel ins Wasser.

Bei der Protestaktion am Sonntag zählte die Polizei bis zum Mittag rund 500 Teilnehmer. Von den Besuchern trug kaum einer eine Maske, der Sicherheitsabstand wurde aber weitgehend eingehalten. Angemeldet waren für den ganzen Tag etwa 4500 Menschen, ein Teil davon sollte am Nachmittag durch die Stadt ziehen.

Die Kundgebung startet mit einem Gottesdienst und Querelen um die Maskenpflicht für Ordner. Einige von ihnen weigerten sich, den von der Stadt Konstanz vorgegebenen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und mussten ausgetauscht werden. Die Polizei wollte Atteste für eine Befreiung von der Maskenpflicht nicht anerkennen.

Feuerwerk am Bodensee geplant

Neben Redebeiträgen etwa von Geistlichen und Unternehmern stand auch Live-Musik auf dem Programm. "Wir müssen wach werden", schallte es von der Bühne. Auch "Querdenken"-Initiator Michael Ballweg aus Stuttgart wurde für den Abend als Redner erwartet. Mit einem Feuerwerk soll der Protesttag am Bodensee enden.

Tausende Gegner und Befürworter der Corona-Politik waren am Sonntag in Konstanz aufeinander getroffen. Die Proteste konzentrierten sich auf den Hafen und blieben laut Polizei friedlich.



Die Initiative "Querdenken" hatte eine sogenannte Friedensmenschenkette am Bodensee mitveranstaltet, zu der laut Polizei etwa 11.000 Menschen um den See herum mobilisiert wurden. Eine durchgängige Menschenkette durch Österreich, Deutschland, Liechtenstein und die Schweiz, die ursprünglich geplant war, sei aber nicht geglückt.