HINTERGRUND

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Fr, 14. Februar 2020

Gesundheit & Ernährung

Was bedeutet Einsamkeit?

Die eine sucht das Alleinsein ganz bewusst, um endlich mal in Ruhe ihre Gedanken sortieren zu können, der andere wünscht sich engere Beziehungen und mehr zwischenmenschliche Nähe – oder überhaupt mal ein Gespräch am Tag, das über "Hallo" und "Tschüss" hinausgeht: Einsamkeit ist etwas sehr Subjektives. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist jemand einsam, wenn er von anderen Menschen abgeschieden ist und wenig soziale Kontakte hat. Es gibt jedoch weder eine generell wissenschaftliche noch eine konkret medizinische Definition von Einsamkeit. Sie ist keine physische oder psychische Krankheit, sondern ein Gefühl. Allerdings eines, das durchaus krank machen kann.

 Ob das passiert, hängt – und das ist das entscheidende Kriterium – vom Leidensdruck ab. Wird Einsamkeit als belastend empfunden, erzeugt das beim Betroffenen Stress. Stresshormone im Blut können zu Bluthochdruck führen und dazu beitragen, dass sich eine Depression entwickelt. Beides sind Risikofaktoren für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Entscheidet sich jemand bewusst für das abgeschiedene Bergdorf in dünn besiedelter Gegend, wirkt sich das nicht negativ auf seinen Stresslevel aus, eine solche Einsamkeit macht also auch nicht krank.

 Das Risiko einer belastenden Vereinsamung kann zudem durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören beispielsweise ein Lebensalter von über 80 Jahren, persönliche Schicksalsschläge, physische
und psychische Erkrankungen, eine abnehmende körperliche Mobilität, Altersarmut oder ein Migrationshintergrund.