Bittere Bienen-Bilanz

Glottertäler Imker: "2019 war das schlechteste Jahr"

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Mo, 03. Februar 2020 um 15:38 Uhr

Glottertal

Das zu warme Wetter macht den Honigbienen zu schaffen. 2019 war das schlechteste Honigjahr seit langem, sagt der Vorsitzende der Glottertäler Imker Hans-Peter Weiß im BZ-Interview

Es ist ruhig geworden um die Insekten. Im Garten surren sie nicht umher – der Kälte sei Dank. Und auch die politische Agenda wird derzeit nicht mehr von Bienen bestimmt. Das war 2019 noch anders. Doch wie haben die örtlichen Imker das vergangene Jahr empfunden? Hans-Peter Weiß ist Vorsitzender des Glottertäler Imkervereins und spricht über Honig, Kälte und Hunger.

BZ: Herr Weiß, was machen Imker eigentlich im Winter?

Weiß: Ich habe drei Bienenvölker im Garten, die schaue ich mir jeden Morgen an.

BZ: Klingt entspannt.
Weiß: Etwas Arbeit fällt schon an. Im Dezember hatten wir unsere Bienen mit Ameisensäure behandelt. Diese schützt die Völker vor einem Befall der Varroamilbe. Derzeit säubere ich meine Arbeitsgeräte und stelle Wachsplatten her, sogenannt Mittelwände, um den Bienen die Honigproduktion zu vereinfachen.

BZ: Wie verbringen Bienen denn den Winter?
Weiß: Sie sitzen in ihrer Wintertraube, sind gut eingefüttert und wärmen sich gegenseitig. Am Brüten sind die Königinnen noch nicht.

BZ: Noch im Dezember konnte man in den Gärten Bienen beobachten.
Weiß: Weil es im Dezember oft wärmer als zehn Gard war. Sobald die Sonne scheint und die Natur aufwacht, fliegen sie los. Das kann auch im Winter vorkommen. Als Imker finde ich es aber gut, dass es jetzt im Januar endlich kalt geworden ist. Das kann gerne bis März so bleiben.

BZ: Warum?
Weiß: Es ist nicht gut, wenn die Bienen sich zu früh entwickeln. Rückschläge sind dann vorprogrammiert. Das Problem hatten wir im vergangenen Jahr. Der April war sehr warm und die Bienen begannen früh zu brüten. Doch dann folgte ein regnerischer Mai, so dass die Bienen drei Wochen lang ihren Stock nicht verlassen und keinen Nektar gesammelt haben. Bei mir und einigen meiner Kollegen sind Bienenvölker deswegen gestorben. Von daher ist es mir lieber, wenn es gemächlich warm wird – und nicht zu früh.

"Wir sind Hobbyimker, keiner von uns hat Reserven, um ein oder zwei schlechte Jahre zu überbrücken" Hans-Peter Weiß
BZ: Was kann man gegen den Hungertod der Bienen tun?
Weiß: Man muss die Bienen mit Honig füttern. Das haben wir auch getan – nur leider zu spät. Einige meiner Kollegen haben bis zu 30 Kilogramm Honig verfüttert. Der fehlte dann später im Verkauf. Doch die Bienen litten nicht nur im Mai unter dem Wetter, sondern auch im Juni, als es schlagartig heiß wurde und viele Bäume in den Notfallmodus umgeschaltet haben, um ihre Wasserreserven zu schonen. Nach der Kastanienblüte (siehe Infobox) konnten wir kaum noch Honig produzieren. 2019 war das schlechteste Jahr seit langer Zeit – deutschlandweit. Und innerhalb Deutschlands hat Baden am schlechtesten abgeschnitten. Es wurde kaum Tannen- und Fichtenhonig produziert, obwohl das die typischen Schwarzwaldsorten sind. Im Schnitt haben unsere Bienen pro Volk 25 Kilogramm Honig produziert. In der Regel kommen sie auf bis zu 40 Kilogramm.
Blüten und Honig

Wenn im Frühjahr der Löwenzahn auf den Wiesen blüht, sammeln Honigbienen den ersten Nektar, den sie für die Aufzucht ihrer Jungen benötigen, sagt Hobbyimker Hans-Peter Weiß. Anschließend blühen die ersten Bäume: Linde, Akazie, Ahorn und Kastanien. Erst nach der Kastanienblüte folge die Fichte, anschließend die Tanne. Bis Juni produzierten Imker demnach Blütenhonig, im Juli dann Fichtenhonig, der oft auch noch Anteile von Kastanienhonig enthalte. Der Tannenhonig werde in der Regel erst ab August der September hergestellt.

BZ: Was bedeutete das für den Verkauf?

Weiß: Wir sind Hobbyimker, keiner von uns hat Reserven, um ein oder zwei schlechte Jahre zu überbrücken. Mein Honig hat noch ausgereicht, um ihn an Stammkunden in der Gastronomie und auf Weihnachtsmärkten zu verkaufen, aber bei einigen Kollegen ging der Honig im Herbst aus. So ist das eben, wenn man ein regionales Produkt anbietet.

BZ: Die Quantität hat gelitten, wie war die Qualität?
Weiß: Qualitativ war unser Honig gut. Es gilt die Faustregel: Je niedriger der Wassergehalt des Honigs, desto zäher und länger haltbar ist er. Außerdem wird der Geschmack natürlich intensiver, wenn er wenig Wasser enthält. Nach den geltenden Richtlinien darf Honig mit einem Wassergehalt von mehr als 17 Prozent auch nicht verkauft werden.

BZ: Woran erkennen Sie, ob der Honig zu wässrig ist?

Weiß: Im Prinzip entwässern die Bienen den Honig selbst, in dem sie mit ihren Flügeln fächern. Ein gutes Zeichen ist, wenn sie den Honig mit einem Wachsdeckel verschließen. Aber im Verein besitzen wir auch sogenannte Refraktometer, mit denen den Wassergehalt im Honig bestimmt werden kann.

BZ: Betriebswirtschaftlich liegt also kein gutes Jahr hinter ihnen. Doch so viel Aufmerksamkeit wie 2019 hatten Bienen schon lange nicht mehr bekommen.

Weiß: Das stimmt, doch vom Artensterben sind die Wildbienen betroffen, nicht die Honigbienen. Und um die kümmert sich kein Imker. Hinsichtlich des Volksbegehrens zum Artenschutz vertritt der Imkerverein die Ansicht, dass Bienen für politische Zwecke instrumentalisiert worden sind. Aber das jetzt verabschiedete Papier geht in die richtige Richtung.
Hans-Peter Weiß ist der Vorsitzende des Imkervereins Glottertal, der rund 50 Mitglieder hat. Hauptberuflich arbeitet er beim französischen Smarthome-Hersteller Somfy.