Angriff der Sockenpuppen

Reconquista Germanica: Wie deutsche Rechte im Internet die Öffentlichkeit manipulieren wollen

Daniel Laufer

Von Daniel Laufer

Fr, 16. Februar 2018 um 19:27 Uhr

Deutschland

Rechte Aktivisten organisieren sich auf einem Chat-Server, der eigentlich für Computerspieler gedacht ist. Von dort aus verbreiten sie Propaganda in den sozialen Medien. Die BZ hat sie dabei beobachtet.

Der "Widerstand" trifft sich an einem Sonntag in der "Haupthalle". So nennen die Mitglieder des rechten Netzwerks Reconquista Germanica (RG) den Chat-Raum ihres Servers. Rund 300 sind zu diesem Zeitpunkt online, insgesamt sollen sie weit mehr als 1000 sein. Es ist der 17. September 2017, wenige Tage vor der Bundestagswahl. Ein Mann, den die anderen Max nennen, macht Ansagen in sein Headset-Mikrofon. "Heute finden einige Schlachten im Internet statt. Das ist ein Werkzeug, das es zu nutzen gilt!"

Die Aktivisten sitzen an ihren Schreibtischen und klicken mit der Maus – Daumen runter, Daumen runter. Gerade haben sie einem Wahlwerbespot der Linken bei YouTube hunderte negative Bewertungen verpasst. Jetzt postet einer den nächsten Link, zur CDU. Das soll mögliche Wähler abschrecken. "Wenn man auf ein Video geht und sieht, dass mehr als 50 Prozent der Bewertungen ’Daumen runter’ sind und viele der Kommentare kritisch, guckt man es nicht", behauptet einer der Teilnehmer. Um den Schaden zu vervielfachen, erstellen die Aktivisten sogenannte Sockenpuppen, also Fake-Accounts. Auch bei Twitter. Durch eine Flut von Propaganda-Posts wollen sie die öffentliche Wahrnehmung manipulieren.

Reconquista Germanica hat ein Leak-Problem
"Lasst niemals irgendwelche Rückschlüsse auf diesen Server kommen", warnt ein Nutzer. Aber das geht schief. Zum einen, weil ein Unbekannter die Aktion an diesem Septemberabend mitschneidet und die Aufzeichnung im Februar 2018 veröffentlicht. Zum anderen, weil Medien wie die Badische Zeitung Zugang zu ihm erlangen. RG nutzt die Internet-Plattform Discord, die sich vor ...

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