Züge mit mehr Türen gefordert

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Di, 04. Februar 2020

Südwest

Zweckverband Regio-Nahverkehr schlägt dem Land sofortige Nachbesserungen vor, damit die Breisgau-S-Bahn pünktlicher wird.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) fordert Sofortmaßnahmen vom Land, damit die Breisgau-S-Bahn pünktlicher wird. Der Fahrbetrieb sei "noch weit von einem Zustand entfernt, den man als hinnehmbar bezeichnen könnte", heißt es in einem Schreiben an das Verkehrsministerium. Unter anderem solle geprüft werden, ob es möglich ist, die Züge auszutauschen.

Verspätungen und Zugausfälle sind immer noch an der Tagesordnung bei der neuen Breisgau-S-Bahn. Ab dem 17. Februar soll der Fahrplan vorübergehend umgestellt werden, um mehr Stabilität in den Takt zu bekommen (die BZ berichtete). Der ZRF hat bereits mehrfach betont, dass er sich eine schnellere Umstellung wünscht, die Bahn sagt, das sei planerisch nicht machbar.

Jetzt hat ZRF-Vorsitzender Hanno Hurth einen Brief an Landesverkehrsminister Winfried Herrmann verfasst und darin fünf Vorschläge formuliert, wie der Fahrbetrieb verbessert werden könnte. Hurth schreibt an das Land als Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr um "Abhilfe zu schaffen" von der derzeitigen Situation.

» Züge austauschen: Hurth fordert, zu prüfen, "ob und wann zumindest teilweise Fahrzeuge ausgetauscht werden könnten". Das Ziel sei, dass "Elektrotriebwagen mit deutlich mehr Türen zum Einsatz kommen. Hierdurch ließe sich gerade in der Hauptverkehrszeit ein wesentlich schnellerer Fahrgastwechsel und damit zusätzliche Stabilität im Angebot erreichen." Der Streit um die Türen hat eine Vorgeschichte. Der ZRF hat sich schon lange vor dem Start der Breisgau-S-Bahn darüber beschwert, dass die neuen Züge nur eine Tür pro Wagen haben und Menschen deswegen nicht schnell genug ein-und aussteigen könnten. Für die Bestellung ist die Nahverkehrsgesellschaft des Landes zuständig. Für 130 Millionen Euro wurden 24 neue Triebwagen beim französischen Hersteller Alstom geordert. Die Züge sind Eigentum des Landes, DB Regio pachtet sie für 12,5 Jahre. So lange läuft der Verkehrsvertrag, der regelt, wer die Strecke befahren darf. "Bei der Bestellung wurde sich über unsere Vorstellung hinweggesetzt", so ZRF-Geschäftsführer Thomas Wisser in einer öffentlichen Sitzung im Jahr 2018. Die Folge könnten Verspätungen sein, der Takt könnte nicht eingehalten werden, sagte er. Aus Stuttgart hieß es damals, die Bedenken seien unbegründet. Bei den Verspätungen der Breisgau-S-Bahn der vergangenen Wochen spielten Türen bislang ein eher untergeordnetes Problem.

Weniger Koppeln: Bis auf Weiteres soll das zusätzliche Koppeln von S-Bahn-Fahrzeugen in Titisee-Neustadt eingestellt werden, fordert Hurth. Koppeln bedeutet, dass Züge zur gemeinsamen Weiterfahrt verbunden werden. In Titisee kommen Züge aus Richtung Neustadt und Seebrugg zusammen. Das Manöver sei "aus finanziellen Gründen zwar nachvollziehbar, führt aber immer wieder zu Verspätungen, die sich auf die ganze Strecke auswirken", so Hurth. Laut dem ZRF-Vorsitzenden sollte das "zeitaufwändige" Manöver nur dann stattfinden, wenn es zur Anschlusssicherung notwendig sei.

» Reservezüge einsetzen: Die für Ausfälle von einzelnen Elektrotriebwagen von der DB Regio vorgehaltene Reserve solle unverzüglich zum Einsatz freigegeben werden. "Dann kann – und muss – die DB Regio sicherstellen, dass gegebenenfalls abgebrochene Fahrten in Freiburg und in Titisee oder Gottenheim sofort ersetzt werden können", so Hurth.

Ersatzverkehr: Für den Fall von längeren Zugausfällen sollte der DB Regio AG auferlegt werden, für einen umgehend verfügbaren Schienenersatzverkehr zu sorgen, heißt es in dem Schreiben an das Verkehrsministerium. Außerdem müsse das an den Bahnhöfen und Haltepunkten kommuniziert werden.

» Kaiserstuhlbahn weiterbauen: Der ZRF sagt erneut, dass an der Kaiserstuhlbahn Infrastrukturmaßnahmen ausstehen. Dabei gehe es unter anderen um Geschwindigkeitserhöhungen oder die technische Verknüpfung von Stellwerken. Das Land als Eigner der SWEG solle seinen Einfluss geltend machen, damit hier schneller gebaut werde. Hurth verspricht sich davon Reserven für den Abbau von Verspätungen. Die Forderungen sind nicht neu. Erst vergangene Woche hatte die SWEG dazu Stellung genommen. Die Verkehrsgesellschaft betonte, dass die Infrastruktur an der Kaiserstuhlbahn nicht Schuld an Verspätungen sei. Die Strecke würde innerhalb der vorgesehenen Zeit gefahren. Restarbeiten würden jedoch zeitnah erledigt, um Reserven für den Fahrplan zu schaffen, so die SWEG.

Antwort aus Stuttgart: Aus der Pressestelle des Ministeriums heißt es, eine Stellungnahme werde am Dienstag veröffentlicht. Wir berichten noch.