Reitstunden mit Western-Flair

Susanne Filz

Von Susanne Filz

Mi, 21. Oktober 2020

Titisee-Neustadt

Die Sportart Westernreiten wird im Hochschwarzwald immer beliebter / Steinberg Ranch und Jostalstables bieten dafür Kurse an.

. Ein Cowboy, in der einen Hand das Lasso, in der anderen die Zügel. Vor ihm ausgebreitet die Prärie mit einer gewaltigen Rinderherde – beim Wort Westernreitern stellen sich Bilder wie dieses ein. Inzwischen ist Westernreiten eine anerkannte Sportart, die auch im Hochschwarzwald immer beliebter wird. Mit dem Job eines Cowboys hat sie aber eher symbolisch zu tun. Kurse im Westernreiten werden unter anderem auf der Steinberg Ranch und in Kooperation mit der Steinberg Ranch von der Pferdepension Weidele, den Jostastables, angeboten.

Gerade haben hier zehn Teilnehmer einen Grundkurs absolviert. Trainerin Silvie Zogalla, die für den Wochenendkurs von ihrer Steinberg Ranch in Furtwangen-Neukirch herübergekommen ist, sitzt auf Pferden, seit sie elf ist. Das Westernreiten hat sie vor etwa 20 Jahren in den USA kennengelernt, wo sie eine Zeitlang gelebt hat. Sie hat jahrelang an Turnieren teilgenommen, ist – als eine der wenigen in der Region – lizensierte B-Trainerin Westernreiten und außerdem Tierheilpraktikerin. Ihr Hauptberuf ist aber das Unterrichten, am liebsten Kinder und Jugendliche. Auf ihrer Ranch stehen dafür sieben Pferde, davon drei Ponys bereit. Zudem gibt sie externe Kurse wie gerade in der Pferdepension Weidele, die mit Blick aufs Westernreiten noch einen zweiten Namen hat: die Jostalstables.

Manches unterscheidet das Westernreiten von klassischen Reitstilen wie Dressur und Springreiten. "Beim Westernreiten müssen die Reiter ihr Pferd einhändig führen können, weil die andere Hand frei sein sollte", erklärt sie. Das deshalb, weil die Westernreitweise eine Arbeitsreitweise ist – müssen Cowboys doch in der Lage sein, mit der freien Hand zum Beispiel vom Pferd aus ein Tor zu öffnen, damit die Rinder in die Koppel hinein können. Oder ein Lasso schwingen, um ein Tier einzufangen. Oder beim Abreiten der Weidezäune, um zu kontrollieren, ob alles noch steht und hält. Bei der reinen Sportart aber muss niemand einen Weidezaun abreiten, es genügt die freie Hand, die für die Preisrichter stets sichtbar sein muss.

Ross und Reiter müssen da einiges zeigen: Sie drehen sich mit ihrem Tier mehrfach um die eigene Achse, gehen auf Befehl vorwärts und rückwärts, traben, galoppieren oder kommen aus dem Galopp rasant schnell zum Stehen, das dann gleich mehrmals hintereinander. Der Turnierreiter trägt dabei cowboymäßige Kleidung im US-Western-Style; auch das Pferd glänzt mit einem entsprechend designten Sattel. Diese Sättel sind sehr teuer, erläutert Janine Weidele von den Jostalstables. Auch ihr samtig-braunes Quarterhorse Miss Divine Sue hat so einen Sattel, ein wahres Kunstwerk.

Die Inhaberin der Pferdepension Weidele hat zwar erst mit 18 Jahren mit dem Reiten angefangen, war dann aber gleich Feuer und Flamme. Sobald sie es sich leisten konnte, hatte sie eigenes Pferd. Jetzt ist sie umgeben von zehn prächtigen Rössern, die derzeit in ihrer Pferdepension leben, zwei davon sind eigene.

Die Tiere haben hier einen sogenannten Offenstall, aus dem sie nach Lust und Laune entweder auf die Weide gehen oder im Stall bleiben können. Das Westernreiten ist für Janine Weidele kein Beruf, sondern ein Hobby. Ihre Pferdepension hat Janine Weidele schon seit zehn Jahren und ist damit nicht die Einzige. "Für manche der Bauern, die ihre Landwirtschaft aufgegeben haben, war eine Pferdepension eine willkommene Alternative", sagt sie.

Am Mattenhof hat es immer Pferde gegeben, allerdings nur einige wenige. Doch mit dem Bau des neuen Offenstalls vor zehn Jahren sei die Nachfrage nach Plätzen in der Pferdepension gestiegen.

Und neuerdings gibt es hier jetzt die Westernreitkurse. Für diesen ersten Kurs, den die Teilnehmer an zwei Wochenenden absolviert und entsprechende Abzeichen erworben haben, eine Art Pferdeführerschein, braucht man weder ein eigenes Pferd noch große Vorkenntnisse im Reiten. "Das erworbene Abzeichen ist aber die Voraussetzung für alle weiteren Leistungsabzeichen." Und auch für die gab es Anwärter. Einige Teilnehmer haben im Kurs die Westernreitabzeichen 3 und 4 erworben.

Am Westernreiten gefällt ihr am besten, dass es dabei entspannt zugeht. Ihr gefällt auch das Lebensgefühl, das damit verbunden ist. Und von den speziellen Westernreit-Pferderassen ist sie regelrecht begeistert: "Von der Spritzigkeit und Power, die diese Pferde haben, gepaart mit Coolness und Ausgeglichenheit." Und sie ist sich sicher, dass die gemeinsamen Aufgaben dem Pferd genauso viel Spaß machen wie dem Reiter oder der Reiterin. "Dass ein Pferd so viel Vertrauen zum Menschen entwickelt, das muss man sich aber erst erarbeiten", sagt sie.