Klimanotstand Thema bei den Grünen

Michael Krug

Von Michael Krug

Sa, 20. Juli 2019

Rickenbach

Ortsverband will sich nach den Sommerferien mit der Frage befassen, ob die Gemeinderäte auf dem Wald den Notstand ausrufen sollten.

HOTZENWALD. Die Sorge um Umwelt und Klima liegt in der DNA der Grünen. Der rasante Klimawandel beschäftigt die Partei deswegen auch auf dem Hotzenwald. In der jüngsten Versammlung des Ortsverbandes Hotzenwald kam am Rande ein Thema zur Sprache, das die Grünen in der nächsten Zukunft noch stark beschäftigten wird: Denn wie Konstanz, Heilbronn und andere Städte in Baden-Württemberg überlegen die Grünen, den Klimanotstand zu erklären – und auch die Gemeinderatsgremien auf dem

Hotzenwald davon zu überzeugen.

Es war Jürgen Haxel aus Rickenbach, Vorstandssprecher des Grünen-Ortsverbandes Hotzenwald, der das Thema Klimanotstand in der jüngsten Sitzung des Ortsverbandes zur Sprache brachte. Eine Diskussion darüber fand nicht mehr statt, aber sicher ist, dass die Grünen dieses Thema noch ausführlich diskutieren werden. Befeuert wird es derzeit von verschiedenen Städten wie etwa Konstanz oder Heidelberg, die den Klimanotstand bereits erklärt haben. "Dies bedeutet im Grunde genommen nichts anderes, als dass künftig alle Entscheidungen, die in den lokalen politischen Gremien getroffen werden, auf ihre ökologische Nachhaltigkeit geprüft werden. Das muss jetzt sofort passieren, nicht erst 2035", fordert Jürgen Haxel.

Die Menschheit müsse so wirtschaften, dass es nicht auf Kosten des Klimas gehe. Unverständlich für Haxel, dass das nicht in jedermanns Gedankenwelt verankert sei. "Ich kann die Ignoranz kaum aushalten, mit der wir die Welt gegen die Wand fahren." Als einer der Vorsitzenden der Grünen sei genau das sein Thema. Zwar sei innerhalb der Grünen das Thema Klimanotstand noch nicht diskutiert worden, aber nach den Sommerferien sei das eines der wichtigeren Themen.

Würde sich der Ortsverband dazu entscheiden, diese Linie zu verfolgen, wäre es an den grünen Gemeinderäten in Herrischried, Rickenbach und Görwihl, dieses Anliegen in die jeweiligen Gemeinderäte zu tragen und dort dafür zu werden. Als konkrete Vorschläge, das Klima nicht weiter zu schädigen, gelten unter anderem der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, die klimaneutrale Versorgung von Gebäuden, der Bau von Solaranlagen oder etwa auch die Besteuerung von CO2. Aber auch der Umbau der Landwirtschaft oder Verbrauch fossiler Energien gehören dazu.

Iris Wallaschek, bis vor kurzem Vorsitzende des Ortsverbandes, begrüßt die Initiative von Jürgen Haxel. Sie erinnert an die Diskussion um das Waldsterben in den frühen 1980er-Jahren. "Damals haben wir jeden Sonntag Aktionen gehabt, die auf den Zustand des Waldes aufmerksam gemacht haben." Als die Problematik im Bewusstsein der Politik angekommen war, habe es mit Katalysatoren, Reduktion von Schwefeldioxid und bleifreiem Benzin sichtbare Resultate gegeben, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die sichtbaren Folgen des Waldsterbens zurückgegangen sind.

Jetzt müsse wieder für das Klima getrommelt werden. "Die Problematik ist in den Köpfen angekommen, aber es dauert wahnsinnig lange, bis das Handeln geändert wird." Anders reisen, anders sich fortbewegen, anders einkaufen – das sind nur ein paar der Möglichkeiten, die jeder Einzelne verändern könne, um das Klima zu schützen. Wallaschek, die für die Grünen auch im Kreistag sitzt, möchte die Diskussion nicht vorwegnehmen. Aber sollten sich die Grünen dazu entscheiden, den Klimanotstand als Richtschnur ihres Handelns festzulegen, dann werde es Aufgabe der Grünen in den Gemeinderäten sein, Ratskollegen und Verwaltung von der Richtigkeit zu überzeugen. Da könnte auch mithelfen, dass die Grünen aus der Kommunalwahl gestärkt hervorgingen. So haben sie in Görwihl ihre Sitze von zwei auf vier verdoppelt, in Rickenbach ihre zwei gehalten und dieses Ergebnis auch in Herrischried gehalten (drei Sitze).