BZ-Interview zum 75. Geburtstag

Robert Zollitsch: "Ich denke so langsam an Abschied"

Gerhard Kiefer und Sebastian Kaiser

Von Gerhard Kiefer & Sebastian Kaiser

Mi, 07. August 2013 um 08:37 Uhr

Südwest

Am Freitag wird Robert Zollitsch 75 Jahre alt. Im BZ-Interview spricht der Erzbischof über die Zukunft der katholischen Kirche, den neuen Papst Franziskus und die Bedeutung des Glaubens.

Robert Zollitsch hat die katholische Kirche in Deutschland in einer Zeit zusammengehalten, als viele Menschen ihr den Rücken zukehrten – 2010, als die gewaltigen Ausmaße des Missbrauchsskandals das Land erschütterten. Diesen Freitag wird Zollitsch 75 Jahre alt – gemäß Kirchenrecht wird er dem Papst seinen Rücktritt als Erzbischof anbieten. Aller Voraussicht nach bleibt er dann noch für einige Zeit im Amt. Im März 2014 endet seine Zeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Gerhard Kiefer und Sebastian Kaiser sprachen mit ihm über die großen Herausforderungen seiner Amtszeit und seine Sicht auf die katholische Kirche und ihre Werte.
BZ: Herr Erzbischof, Sie werden nun 75 Jahre alt und reichen pflichtgemäß beim Papst Ihren Rücktritt ein. Würden Sie sich über weitere Jahre als Erzbischof von Freiburg freuen oder würden Sie lieber in den wohlverdienten Ruhestand gehen?
Zollitsch: Mich würde es freuen, wenn ich mein Amt noch weiterführen darf, solange ich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bin. Dann aber kommt natürlich auch das Alter, und ich werde froh sein, wenn ich mein Amt in andere Hände legen darf. Das Amt eines Bischofs mit seinen vielen Aufgaben und erst recht das Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz sind durchaus eine Herausforderung.
BZ: Ihre Generation und auch Sie selbst sind schon sehr früh mit Not, Tod, Flucht und Vertreibung konfrontiert worden. Wie stark haben diese Erfahrungen den Menschen Robert Zollitsch geprägt?
Zollitsch: Wenn man mit sechseinhalb Jahren in ein Vernichtungslager kommt – mein Vater war Soldat, meine Mutter in Zwangsarbeit, und ich wurde gemeinsam mit drei Cousinen und meiner Großmutter ins Vernichtungslager gebracht –, dann wird man schon für das Leben geprägt. Als Kind habe ich erlebt, dass unsere einzige Hoffnung war, Abend für Abend den Rosenkranz zu beten. Da habe ich gelernt, was der Glaube für mich bedeutet. Als ich später darüber nachdachte, was ich aus meinem Leben mache, da habe ich mir gesagt, warum soll ich den Menschen nicht etwas von dem weitergeben, was für mich richtig und wichtig geworden ist. Entschieden habe ich mich mit 18 Jahren in der Oberstufe des Gymnasiums. Da habe ich gespürt, was der Glaube für mich bedeutet, auch die Freude an der Liturgie, die Freude an Gott. Zu wissen, dass Gott mein Leben leitet und begleitet, das ist es, was mein Leben trägt, was mein tragendes Fundament bis heute ist.
BZ: Warum fällt dieser Entschluss heute vielen jungen Männern so schwer?
Zollitsch: Sie sprechen eine große Not an. Ich selber war ja 16 Jahre lang verantwortlich in der Priesterausbildung tätig. Als ich das Priesterseminar Collegium Borromaeum 1983 verließ, hatten wir dort 180 junge Männer, die Priester werden wollen, doch seither werden es immer ...

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