Roter Faden von den jüngsten Nachwuchskickern bis zu Aktiven

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 14. Mai 2021

Landesliga Staffel 3

Sascha Waldvogel übernimmt beim FC Neustadt das Amt des Jugendkoordinators von Florian Heitzmann, der künftig mit Ranil Weerakkody das Landesligateam coacht.

. Zwei, die als Junioren beim SC Freiburg gekickt haben und eine allerbeste Fußballausbildung genossen haben. Zwei mit Fußballsachverstand und der gleichen Vorstellung von Fußball. Zwei, die gut mit anderen Menschen können, was in einer Mannschaftssportart von unschätzbarem Wert ist: Florian Heitzmann und Sascha Waldvogel. Zwei, die ein Glücksfall für jeden Verein sind. "Mehr als das", sagt Rolf Eckert, der Sportvorstand des FC Neustadt, "die beiden verstehen sind blendend und haben die gleichen Ideen im Kopf". Es mag Zufall sein, Heitzmann und Waldvogel sind sich auch charakterlich sehr ähnlich: Sie fallen nicht durch Lautstärke und Aktionismus auf, sondern überzeugen durch Inhalte und überlegtes Tun.

"Generell geht es um mehr

Durchlässigkeit im Verein."

Jugendkoordinator Waldvogel
Heitzmann war zuletzt Jugendkoordinator beim FC Neustadt, er hat nun jedoch mit Ranil Weerakkody das Training der Landesliga-Mannschaft übernommen. Waldvogel ist Trainer der Neustädter A-Junioren, die eine Spielgemeinschaft mit dem SV Hölzlebruck und Friedenweiler bilden. Das bleibt der 26-Jährige auch, er übernimmt zudem von Heitzmann die Aufgaben als Jugendkoordinator bei den Blauen. "Das Amt des Jugendkoordinators gab es schon einmal, als ich noch aktiv war", erzählt Eckert, wiederbelebt wurde es vor rund einem Jahr durch Florian Heitzmann. Die Nachwuchsarbeit wird dadurch aufgewertet, es ist eine zusätzliche Funktion neben der des Jugendleiters (Nico Waldvogel).

Heitzmann entwickelte ein Konzept "Zusammenspiel neu gedacht" als Arbeitsgrundlage und Orientierung für die Trainer der Juniorenmannschaften. "Es geht darum, welche Werte wir dem Nachwuchs vermitteln wollen, welche Spielprinzipien wir weitergeben wollen und wie bestimmte Altersgruppen am besten trainieren", sagt Waldvogel. Der rote Faden soll von den Jüngsten bis hinauf zu den Aktiven gesponnen werden. Ähnliche Modelle gibt es bereits in einigen Fußballvereinen, beim Bundesligisten SC Freiburg wird Derartiges seit Jahrzehnten praktiziert und umgesetzt. "Jugendlichen und Aktive sollen sich wieder näher kommen, die strikte Trennung in Jugendteams und aktive Mannschaften soll aufgeweicht und durchbrochen werden", sagt Eckert. "Generell geht es um mehr Durchlässigkeit im Verein", ergänzt Waldvogel. Der ehemalige Mittelfeldspieler hat im vergangenen Sommer und Herbst beim Training mit den A-Junioren erste Erfahrungen in der Nachwuchsarbeit gesammelt. "Es hat brutal viel Spaß gemacht und man kriegt da auch was zurück", sagt Waldvogel. Er war gespannt, wie die A-Junioren auf ihn reagieren, wie sie ihn wahrnehmen? "Es hat sich dann alles recht schnell eingegroovt".

Es war eine dieser traurigen Geschichten, die der Fußball immer wieder schreibt. Mit 24 Jahren musste der feine Fußballer Sascha Waldvogel seine aktive Laufbahn beenden. Nach drei Kreuzbandrissen, einer Knorpeltransplantation und anhaltenden Kniebeschwerden. "Am Schluss war es Kopfsache. Die Sicherheit war nicht mehr da, dafür umso mehr Gedanken, dass es wieder passieren könnte." Ein Ende ist jedoch immer auch ein Anfang. Schon damals, als er sich durchrang, den Trainern des FC Neustadt sein Karriereende mitzuteilen, war klar, dass er dem Sport in irgendeiner Form erhalten bleibt. Fußball war und ist sein Leben. "Ich werde dem Sport verbunden bleiben und würde gerne mein Wissen weitergeben", hat Waldvogel damals gesagt. Zusammen mit Florian Heitzmann macht er derzeit den B-Trainerschein, im September sind sie damit fertig.

Zum Konzept beim FC Neustadt gehört auch, dass montags ein zusätzliches Techniktraining angeboten wird. "Für alle, die Bock haben und wollen", sagt Waldvogel, das Angebot gilt für Fußballer von der C-Jugend bis zu den Aktiven. "Das Training bringt definitiv was."Als Jugendkoordinator wird er künftig im ständigen Austausch mit den Nachwuchstrainern sein. "Florian ist auch noch mit im Boot, wenn ich als Jugendkoordinator Fragen habe, zumal er über die Schule im Jugendbereich sehr gut vernetzt ist", sagt Waldvogel.

"Zwei Vorbilder, die von

allen akzeptiert werden."

Sportvorstand Eckert
Beide haben im Neustädter Mittelfeld zusammengespielt: Heitzmann, der passsichere Stratege, und Waldvogel, bei dem fußballerisch Schwieriges immer leicht aussah. Die Schlüsselpositionen – Trainer der Landesligamannschaft und Jugendkoordinator – sind beim FC Neustadt nun mit ihnen besetzt. Wie wird sich die Umsetzung des Konzepts auswirken? Wo wird der 1911 gegründete Fußballclub in einigen Jahren stehen? Spannende Fragen. "Es soll nach außen hin auch ein Signal sein, dass wir uns verstärkt um den Nachwuchs kümmern und ihn fördern", sagt Eckert, "mit Florian und Sascha haben wir da zwei Vorbilder, die von allen akzeptiert werden".