RÜCKBLICK 1969

Lea Gerstenberger

Von Lea Gerstenberger

Di, 03. Dezember 2019

Freiburg

Eisige Revue

Anfang Dezember 1969 fand in der brandneuen Eishalle des Freiburger Eis- und Rollsportclubs (ERC, der Vorgänger des heutigen Eishockeyclubs EHC) die erste Eislauf-Revue statt, und diese wurde laut BZ zu einem vollen Erfolg. Hochkarätige Sportstars, wie die Olympiateilnehmerin und Deutsche Meisterin Barbara Martin oder der kurzfristig eingesprungene "englische Profiweltmeister" Derek James, beeindruckten das Publikum mit ihren Soloauftritten. Besondere Akzente setzten allerdings die Paare, die teilweise zu bekannten Musikstücken auftraten und einige Zugaben geben mussten. Die BZ urteilte: "Das war wirkliche Sonderklasse in jener pikanten Mischung zwischen sportlichem Lauf und Schau, die immer wieder begeistert."

Gips statt Geld

Auf für ihn unglückliche Weise verriet sich ein junger Einbrecher, der sowohl in einer Waschanlage als auch einer Telefonzelle die Münzautomaten aufgebrochen hatte. Die Kriminalpolizei fand an beiden Tatorten Gipsspuren, und so war "es nicht besonders schwer, den Täter zu finden". Sie konnten die Spuren bis zu einem 21-jährigen Oberschüler zurückverfolgen, und die Beweisführung gestaltete sich laut BZ "einfach, weil der Schüler am rechten Fuß einen Gipsverband trug".

Literarischer Abglanz?

Als "Onkel Toms Hütten" bezeichnete vor 50 Jahren die BZ jene Spielhäuser aus Beton, die auf dem neuen Kinderspielplatz an der Kreuzstraße im Stadtteil Stühlinger errichtet worden waren. Es sei "natürlich nicht so wie in dem schönen Kinderbuch von Harriet Beecher Stowe", aber das städtische Gartenamt habe doch "einen kleinen Abglanz geschaffen".

Zu tief gegraben

Das Motto "Erst denken, dann graben" hatte eine Baggerfirma seinerzeit leider nicht beherzigt, wie die BZ berichtete. Bei Grabungsarbeiten in Unterglottertal war ein Fernmelde- und Verkehrskabel so stark beschädigt worden, dass der Fernmeldeverkehr in Freiburg, Lörrach, Müllheim, Emmendingen, Neustadt, Todtnau und Waldkirch erheblich eingeschränkt wurde. Die Angestellten des Freiburger Fernmeldeamtes waren"bis in die späten Nachtstunden beschäftigt", das Kabel zu reparieren.

Auf ins Jahr 2000

Als "Schande für die Groß- und Fremdenverkehrsstadt Freiburg" bezeichnete die BZ im Jahr 1969 den hiesigen Hauptbahnhof, der mitten im Stadtgebiet "eher ein provinzielles Nest repräsentiert". Zudem sei es ein Problem, dass die Eisenbahnlinie die Stadt zerschneide und das Quartier Stühlinger sowie die westlichen Stadtteile von der Altstadt trenne. Doch es gab Anlass zur Hoffnung, denn "die Bahnhofsplatte ist noch nicht gestorben". Gemeint war damit ein Komplex auf einer Plattform über den Gleisen. Wie die BZ ausführte, gebe es "Verhandlungen zwischen der Stadt Freiburg, der deutschen Bundesbahn und drei sehr potenten Geldgebern". Nachdem der Gemeinderat bereits die Straßenbahnlinie in den Freiburger Westen beschlossen hatte (siehe Kolumne von voriger Woche), gab die Stadt nun also "Amtshilfe" bei den Verhandlungen für eine "großstädtische Baulösung". Erfreulich sei es, dass hier"nicht kleinkariert, sondern bei aller Beachtung der Realitäten zukunftsweisend gearbeitet wird". Anvisiert war das Jahr 2000, der neue Komplex wurde 2001 eingeweiht (aber nicht als Platte).