Saporischschja

Russische Truppen installieren Flugabwehr an besetztem Atomkraftwerk

afp

Von afp

Di, 09. August 2022 um 18:08 Uhr

Ausland

Das riesige Atomkraftwerk im ukrainischen Saporischschja wird von russischen Truppen besetzt gehalten und gerät immer wieder unter Beschuss. Jetzt soll die Luftabwehr verstärkt werden.

Nach mehrfachem Beschuss des südukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja stationieren die russischen Besatzungstruppen eigenen Angaben zufolge Luftabwehrsysteme rund um die Anlage. "Die Luftabwehrsysteme des Kraftwerks werden verstärkt", sagte der Chef der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung in der Region, Jewgeni Balizki, am Dienstag im russischen Staatsfernsehen. Moskau und Kiew hatten sich in den vergangenen Tagen wiederholt gegenseitig für Angriffe auf das AKW verantwortlich gemacht. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen.

Balizkis Angaben zufolge arbeitet das Kraftwerk derzeit normal. Die Stromleitungen und beschädigten Blöcke des Meilers seien repariert, sagte er. Das Atomkraftwerk Saporischschja verfügt über insgesamt sechs Blöcke mit einer Gesamtleistung von 5700 Megawatt. Damit ist es das leistungsstärkste Kernkraftwerk in Europa. Bis zum Beschuss am Wochenende waren davon laut ukrainischen Angaben noch drei Blöcke in Betrieb. Das Akw ist seit Anfang März von der russischen Armee besetzt. Die Invasionstruppen hatten die Nuklearanlage wenige Tage nach Beginn des Angriffs auf die Ukraine unter ihre Kontrolle gebracht.

Kein Hinweis auf freigesetzte Radioaktivität in Deutschland

Im Zuge der Kampfhandlungen um Atomkraftwerk ist nach Kenntnis des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) bislang keine radioaktive Strahlung herausgedrungen oder nach Deutschland gelangt. "Es liegen keine Hinweise vor, dass in der Ukraine radioaktive Stoffe freigesetzt worden sein könnten", erklärte das Bundesamt gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Laut BfS bewegten sich alle vorliegenden radiologischen Messwerte "im normalen Bereich".

"Das BfS sieht keine akute Gefahr einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen, teilt aber die Sorge um einen dauerhaft sicheren Betrieb des Akw Saporischschja", hieß es weiter von Seiten des Bundesamtes. In Deutschland misst die Behörde routinemäßig die natürliche Strahlenbelastung. "Würde der gemessene Radioaktivitätspegel an zwei benachbarten Messstellen einen bestimmten Schwellenwert überschreiten, würde automatisch eine Meldung ausgelöst."

Wetterlage für Strahlungsausbreitung entscheidend

Für den Fall, dass radioaktive Stoffe infolge einer Freisetzung in einem ukrainischen Kernkraftwerk nach Deutschland gelangten, "würden sich die Notfallmaßnahmen voraussichtlich auf die Landwirtschaft und die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte beschränken", teilte das Bundesamt dem Bericht zufolge weiter mit. Nach den Berechnungen des BfS sei "nicht zu erwarten, dass weitergehende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung notwendig wären".

Entscheidend für die Verbreitung radioaktiver Stoffe sei die Wetterlage. Laut BfS bewegten sich aus der Ukraine "in der Vergangenheit nur an etwa 60 Tagen im Jahr die Luftmassen nach Deutschland - also in 17 Prozent der Wetterlagen".

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